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Mihály BABITS
( 1883 - 1941 )

» das lyrische Werk (1909)
» Der Storchkalif (1916)
» Der Sohn des Virgil Tímár' (1916)
» Die Söhnes des Todes (1927)
» Essays, Studien (1978)

Biographie

1883 (26. November) in Szekszárd (Südwestungarn) geboren
1901-1905 Studium der ungarischen und lateinischen Philologie an der Péter-Pázmány-Universität in Budapest
1906-1916 Tätigkeit als Gymnasiallehrer in Provinzstädten und ab 1911 in Budapest
1908 erste Gedichte veröffentlicht, ständiger Mitarbeit der Zeitschrift
Nyugat (Westen); Reise nach Venedig
1916 rezitierte er sein Friedensgedicht "Vor Ostern" auf der Matinee des
Nyugat in der Musikakademie
1918 Redakteur der Zeitschrift Nyugat, ab 1933 deren Chefredakteur.
Ab 1919 Lehrstuhl an der Budapester Universität
1921 Heirat mit der Lyrikerin Sophie Török (d.i. Ilona Tanner)
1917 Vorsitz über dem Kuratorium der Baumgarten-Stiftung, die Stipendien an Schriftsteller vergab
1930 Mitglied der ehrwürdigen Kisfaludy-Gesellschaft
1931 zusammen mit Béla Bartók Ritter des Ehrenordens
1937 an Kehlkopfkrebs erkrankt
1937-1938 zehnbändige Gesamtausgabe seiner Gedichte
1940 San Remo-Preis von der italienischen Regierung für die beste
Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie
1941 in Budapest gestorben

das lyrische Werk
1909

Babits gehörte neben Endre Ady, Dezső Kosztolányi, Gyula Juhász und Árpád Tóth zu den bestimmenden Protagonisten der ungarischen Literaturszene am Beginn des 20. Jahrhunderts und in der Zwischenkriegszeit. Der junge Dichter begann seine Laufbahn in der Schriftstellergruppierung um die Zeitschrift Nyugat (Westen), die sich die Erneuerung der ungarischen Lyrik auf die Fahnen geschrieben hatte. Babits's Dichtung spannt den Bogen vom Impressionismus und Symbolismus über expressive freie Rhythmen zu einer neoklassizistischen Formenkunst. Seine Gedichte kreisen um philosophische Fragestellungen, wie um den Konflikt zwischen Welt und Individuum und um die Vergänglichkeit des Lebens (Esti kérdés, Frage am Abend). In dem Band A nyugtalanság völgye (Das Tal der Unruhe), der nach dem Weltkrieg und den Revolutionen entstand, tritt Babits's religiöses Lebensgefühl stärker in den Vordergrund. Lőrinc Szabó erkennt darin "die verlorene Harmonie oder deren Beklagen". In dem epischen Gedicht Jónás könyve (Das Buch Jona), entstanden 1937-1939, kehrt Babits zwar zum Ausgangspunkt seiner frühen Dichtung zurück: "Nur ich vermag der Held meiner Lieder sein", verlässt aber im Epilog (Jonas Gebet) den Elfenbeinturm des Dichters entgegen seiner früheren Auffassung und bittet um einen prophetischen Auftrag: "Dass ich den Ton und meiner Worte Macht,/ zu sagen find, was Er mich sagen macht." Auch als Übersetzer machte sich Babits einen Namen: So übertrug er z. B. Dantes Divina Commedia und gemeinsam mit Lőrinc Szabó und Árpád Tóth Baudelaires Fleurs du mal.

Der Storchkalif
1916

Elemér von Tábory, aus einer wohlhabenden Familie stammend, ist ein eleganter junger Mann, ein ausgezeichneter Schüler, dem alles im Leben zu gelingen scheint, wären da nicht seine nächtlichen Träume. In seinen Träumen lebt er Nacht für Nacht das Leben eines armen misshandelten Tischlerlehrlings, der zu den niedrigsten Arbeiten herangezogen wird. Tábory beschäftigt sich vergeblich mit der damals in Mode kommenden psychoanalytischen Forschung (“Es gibt jetzt über dieses Thema ein modernes Buch, von einem Wiener Arzt [...].”), um seiner gespaltenen Persönlichkeit beizukommen. Schließlich spitzt sich sein Leben parallel zu dem seines alter ego bedrohlich zu, und es kommt zur Katastrophe: zum Selbstmord des schizophrenen Elemér von Tábory. Der Roman gilt traditionell als Beispiel für die Gattung des psychologischen Romans an der Jahrhundertwende, der unter dem Einfluss von Freuds Traumdeutung und der Psychoanalyse stand.

Essays, Studien
1978

Babits's umfangreiche Bildung fand ihren Niederschlag in zahlreichen Essays über die zeitgenössische ungarische Literatur (Ady, Ignotus, Á. Tóth, Kosztolányi u.a.), über in- und ausländische Autoren vergangener Epochen (z. B. Balassi, Vörösmarty, Petőfi, Shakespeare, Goethe), sowie über philosophische Fragen (Kant, Nietzsche, Bergson). In der Geschichte der europäischen Literatur unternahm er den Versuch, die literarischen Entwicklungen in den einzelnen europäischen Literaturen vergleichend und in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung darzustellen.

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