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Bálint BALASSI
( 1554 - 1594 )

» "Buch mit eigener Hand geschrieben" (.)
» Gedichte, die nicht in dem zusammengestellten Band aufgenommen wurden (.)
» Sämtliche Werke (1999)
» Schöne ungarische Komödie (1999)

Biographie

1554 (20. Oktober) in Zólyom (heute Zvolen, Slowakei) als Sohn einer Magnatenfamilie geboren
1564 von dem Prediger Péter Bornemisza am Hof von Zólyom u.a. in Latein und antiker Literatur unterrichtet
ab 1565 Studium in Nürnberg, möglicherweise auch an einer anderen deutschen Universität und in Padua
1575 Gefangenschaft infolge seiner Teilnahme am Feldzug seines Vaters gegen Siebenbürgen; die Familie floh nach Polen
1575 militärische Aktion gegen Siebenbürgen, fühlte sich in dortiger Gefangenschaft wohl
1576 kämpfte als Soldat im Dienst des neuen polnischen Königs, des siebenbürgischen Fürsten István Báthory, gegen die Türken
1578-1584 Werbung um Anna Losonczy, die Ehefrau eines reichen Aristokraten und kaiserlichen Offiziers (Anna-Gedichte)
1579-1582 als Hauptmann in Eger
1584 Heirat mit der verwitweten Krisztina Dobó, Tochter von István Dobó, des berühmten Burgkapitäns von Eger
1585-1588 wegen dieser Heirat in mehrere Prozesse verstrickt, schließlich Scheidung von seiner Frau
1588-89 erneute Werbung um Anna Losonczy, so entstand der Júlia-Zyklus des "Maga kezével írott könyve" (Buch mit eigener Hand geschrieben); führte den Dichterkreis der “acht jungen Männer”
1589 Teilnahme an einem neuerlichen Feldzug in Polen; Anna Szárkándy Wesselényi wird die Muse seiner Coelia-Gedichte; am Braunsberger Jesuitenkolleg setzte er seine Studien fort
1591 Rückkehr nach Ungarn, widmete sich dem Wein- und Pferdehandel
1593 Fulvia-Periode; Teilnahme am Fünfzehnjährigen Krieg
1594 (30. Mai) beim Sturm auf Esztergom tödlich verletzt
ca. 1650 entstand der Balassi-Kodex, der Fragmente der Gedichte enthält
1874 Balassi-Kodex aufgefunden, 1879 erstmals publiziert
1958 Entdeckung der "Szép magyar comoedia" (Schöne ungarische Komödie)

Sämtliche Werke
1999

Bálint Balassi führte ein sehr individuelles Leben, die Nachwelt sah in ihm den tollkühnen Soldaten und hitzigen Frauenheld und erinnerte daher an sein Temperament und an den ausschweifenden Lebenswandel. Die ersten bekannten Gedichte entstanden um 1575, es handelt sich um Liebeslieder und Huldigungsgedichte für Damen und junge Mädchen bekannter ungarischer Adelsfamilien, die die üblichen Regeln der Renaissance-Poesie bzw. humanistischen Liebeslyrik befolgen. Sein erster Gedichtzyklus, die Anna-Gedichte, schrieb er unter dem Eindruck der spannungsgeladenen Beziehung zu Anna Losonczy. Die Texte sind ein freimütiges Bekenntnis seiner Leidenschaft ("Losonczy Anna nevére", Auf Anna Losonczys Namen). Nach einigen Jahren der Trennung versuchte er erneut, die Gunst der inzwischen verwitweten Anna zu erringen, und arbeitete ab 1587 an dem Julia-Zyklus, der in der poetischen Terminologie Einflüsse neulateinischer Dichter (Michael Marullus, Hieronymus Angerianus und Janus Secundus) aufweist, aber gleichzeitig einen Traditionsbruch darstellt. Denn Balassi drückt durch die poetische Symbolik seine Emotionen aus und gesteht seine übersprudelnden Gefühle mit der Natürlichkeit der lebendigen Sprache ein. Erstmals in der ungarischen Lyrik wird eine lebendige Frauenfigur gestaltet; Balassi hält ihre Bewegungen, ihre Gefühlsregungen und andere alltägliche Augenblicke in poetischen Bildern fest. Es wird vermutet, dass der Dichter Petrarcas "Il canzoniere" kannte, denn auch dieser ordnete seine Gedichttexte in Zyklen an. Die Coelia-Gedichte, die an Anna Szárkándy Wesselényi gerichtet waren, sind zwar nicht mehr so glühend leidenschaftlich, dafür aber umso sinnlicher, bewegter und erotischer. Die Verwendung von Binnenreimen und Reimspielen erzeugt in den Texten eine besondere Musikalität. Mit seinem individuellen Strophenschema, der so genannten Balassi-Strophe schuf er eine neue, den anderen Versformen überlegene Strophenform. In den so genannten Soldatenliedern besingt er im Vergleich mit der Natur das freie und ungebundene Leben des Kriegers. In den lyrischen Bildern zeigt sich die Lebensfreude und enge Verbindung zur Natur ("In laudem temporis", "Für Weintrinker"; "In laudem confiniorum", "Lob der Grenzhüter"). Die für die Renaissance-Dichtung markante Einheit von Himmlischem und Irdischem zeigt sich auch bei Balassi, denn neben der Liebe und dem Soldatenleben spielt thematisch auch die Suche nach Trost bei Gott eine Rolle in seinen lyrischen Texten. Die religiösen Gedichte sind auch immer erfüllt von seinen irdischen Gefühlen, von Leidenschaft, Zweifel, Zorn und Aufruhr. Im Flehen um Vergebung der Sünden und um Ruhe und Frieden verhandelt der Dichter mit Gott, er hätte in seinem Leben schon einen ausreichenden Preis für die Erteilung der Absolution gezahlt. Seine letzten religiösen Lieder wenden sich schon dem Todesgedanken zu ("Nincs már hová lennem", Mir steht kein Weg mehr offen). Balassis Werke gelangten erst im 19. Jahrhundert an die Öffentlichkeit, ein Teil war aber schon zu seinen Lebzeiten bekannt und an den Höfen in handschriftlichen Kopien verbreitet worden. Die Liebesgedichte wurden erst im so genannten Balassi-Kodex entdeckt und 1879 erstmals publiziert.

Schöne ungarische Komödie
1999

"Die Schöne ungarische Komödie" ist eigentlich eine Übersetzung des Schäferspiels "Amarilli" des Italieners Cristoforo Castelletti, die Balassi aber nach eigenen Konzeptionen umarbeitete. In dem Prolog widmet er das Stück "den edlen und hochwohlgeborenen Damen Siebenbürgens" und führt seine literarischen Ziele aus: "Nun, ich wollte eben die ungarische Sprache damit bereichern, man sollte erfahren, dass auch im Ungarischen sein kann, was in anderen Sprachen ist [...]." Die Komödie spielt in Arkadien: Credulus, der sich seit 17 Jahren versteckt hält, verliebt sich in eine Frau namens Julia, die seiner verstorbenen Geliebten Angelica sehr ähnlich sieht. Sylvanus, Julias Freund, liebt ebenfalls Julia und verlässt für sie Galatea. Julia möchte aber ihrem alten Geliebten Thyrsis nicht untreu werde. Nach vielen Verwicklungen finden die Liebenden jeweils ihren Partner, und es stellt sich heraus, dass Credulus in Wirklichkeit Thyrsis und Julia die tot geglaubte Angelica ist. Balassi übersetzte außerdem die Tragödie "Jephta" von Buchanan ins Ungarische.

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