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Judit BERG
( 1974 )

» Rumini (2006)

Biographie

Judit Berg wird am 28. Januar 1974 in Budapest geboren. Schon in der frühen Kindheit erzählt sie sich mit ihren Geschwistern viele Märchen und Geschichten.
Mit fünfzehn Jahren verbringt sie eine längere Zeit in New York und lernt dort fließend Englisch und Spanisch.
An der Eötvös Loránd Universität in Budapest macht sie ihr Diplom als Lehrerin in den Fächern Englisch, Ungarisch und Dramaturgie.
Sie arbeitet als Lehrerin, Lektorin, Übersetzerin und schreibt Artikel für Kulturzeitschriften.
Ihre heutige Tätigkeit als erfolgreiche Kinderbuchautorin hat sie ihren vier Kindern zu verdanken. Nach ihrem zweiten Kind beginnt sie moderne Märchen zu schreiben.

2007 Die besten Kinderbuch des Jahres (Rumini)
2011 Attila József Preis

Rumini
2006

Der Abenteuerroman für Kinder wurde 2006 beim ungarischen IBBY zum Kinderbuch des Jahres 2006 gewählt. Ende 2007 erschien die Fortsetzung "Rumini Zúzmaragyarmarton" (dt. Rumini in der Raureifkolonie). Der Held des Abenteuerromans, der Mäuserich Rumini, ist Schiffsjunge auf dem Mäuseschiff "Königin der Winde". Ziel der Schifffahrt ist die Pelestadt auf der Peleinsel. Dort sind der weltgrößte Hafen und der berühmte Basar. Man bekommt die ausgefallensten Zaubermittel: Wachstums- und Schrumpfpulver, unsichtbarmachende Hüte, Wundercremes etc. Die Mäusebesatzung hat den Auftrag, den König der Pelestadt auch mit den wundersamsten Dingen zu beliefern. Die Segelfahrt verspricht Abenteuer, Gefahren und Überraschungen, denen sich Rumini und seine "Nagerkollegen" mit Hilfe von Geschick, Phantasie, Mut und vielen Zaubermitteln stellt. Die erste Herausforderung ist der Kampf gegen einen Riesenpolypen im Schlamm-Meer. Das Ungetüm reißt Stücke aus dem Bug, woraus Rumini schließt, dass es sich von Holz ernährt. Die Mäuse werfen dem hungrigen Tier sämtliche Holzvorräte zum Fraß vor und retten so ihre eigene Haut und das Schiff. Nun müssen sie die nächste Insel ansteuern, damit sie ihren Holzvorrat wieder auffüllen und das Schiff reparieren können. Die Insel der Blätter scheint mit ihrem dichten Wald genau die Richtige für ihr Vorhaben. Durstig und erschöpft vom Kampf trinkt fast die gesamte Mäusebesatzung vom frischen Quellwasser der Insel und sinkt kurz darauf in einen komaartigen Schlaf. Rumini und sein Freund Balikus haben nicht davon getrunken und sie werden wieder vor eine neue Herausforderung gestellt: Blätterartige Gestalten wollen die schlafenden Mäuse gerade davontragen, denn der König der Insel möchte sie als Geisel nehmen. Sollten Rumini und sein Freund Balikus es jedoch schaffen, die Insel von den blätterfressenden Schädlingen zu befreien, würden sie ihre Kollegen wieder freilassen. Das Schnellalterungsmittel kommt ihnen zu Hilfe: Aus den Würmern werden binnen kurzer Zeit wunderschöne Schmetterlinge, die alsbald davonfliegen. Die Blättergestalten sind sehr dankbar. Sie entlassen ihre Geisel, helfen bei der Reparatur des Schiffes, geben die heilende Frucht des Ritzeratze-Baums und reichen Rumini eine geheimnisvolle Papierrolle, die Piratenratten bei ihrem letzten Besuch auf der Insel vergessen hatten. Der Schatz, der auf dem Papier verzeichnet ist, befindet sich auf der Felseninsel. Auf dem Weg dorthin bezwingen sie den gefährlichen Meerdrachen durch das einschläfernde Quellwasser der Blätterinsel. Auf der Felseninsel dann gerät Rumini in die Gefangenschaft der Piratenratten, was ihm und der gesamten Besatzung später großen Nutzen bringen wird. Am Ende des Romans müssen sie nämlich erneut den Drachen passieren, doch dieses Mal schläfern die Mäuse ihn nicht ein, sondern wenden die Tricks der Piratenratten an.... Jede neue Gefahr ergibt am Ende einen Gewinn, der bei der nächsten Herausforderung eingesetzt werden kann. Eine zusammenhängende Kette von Abenteuern zieht sich durch die gesamte Geschichte und hat damit die klassischen Elemente eines Abenteuerromans: plötzliches Auftauchen einer Gefahr (Spannungsaufbau), aktives Bekämpfen der Gefahr (Spannungshöhepunkt) und die Überwindung der Gefahr (Entspannung). Der Roman hält einen konsequenten Spannungsbogen, da die Dinge alle miteinander zusammenhängen. Sehr phantasievoll und mit viel Witz beschreibt Berg die verschiedenen Nagetiere (Mäuse, Ratten, Hamster), die Abenteuerschiffe und die phantasievollen Zaubermittel und -gegenstände, so dass die kleinen Leser in die Welt der Seeabenteuer und Zaubereien eintauchen können. Mit "Rumini" ist Judit Berg eine harmonische Genremischung von Abenteuerroman, Märchen und Zauberroman gelungen; Themenbereiche, die z.B. durch Harry Potter, Tintenherz, Sharky oder auch durch den Film "Ratatouille" sehr präsent und beliebt bei den Kleinen im Alter von ca. vier bis zehn Jahren sind. Leseprobe aus dem 5. Kapitel: Blätterchen Alsbald befand sich die gesamte Besatzung auf der Insel. Nur Fritzi, der großgewachsene, mundfaule Matrose blieb auf dem Schiff und hielt Wache. Im Kampf gegen den Riesenpolypen verletzte er sich seine Hand, die nun mit einem riesigen Verband umwickelt war. Doktor Cincogi, der Schiffsarzt, verordnete Ruhe und nur geringfügige Arbeit. -Beim Holzfällen kannst du sowieso nicht helfen, Fritzi, sagte der Kapitän zu ihm. Am besten wird es sein, du bleibst zur Wache hier. Falls du irgendeinen Verdacht schöpfst, blase einmal in dein Horn. Wenn du Gefahr siehst, blase dreimal hinein. Fritzi schlug die Hacken zusammen: - Verstanden, Herr Kapitän. Auf der Insel entdeckten sie sofort eine wunderbare Quelle mit frischem Wasser. Doktor Cincogi schnupperte zunächst daran und dann nahm er auch einen Schluck von dem kristallklaren Wasser. - Das ist sehr gut. Es hat einen ganz besonders süßlichen Geschmack. Alle sehnten sich schon nach einem Glas frischen Wassers. Das Wasser, das sie in den Fässern auf dem Schiff hatten, war schon ein wenig abgestanden und seit Tagen tranken sie nichts anderes mehr. Der Kapitän gab also die Erlaubnis, die Trinkflaschen zu füllen, bevor sie sich an die Arbeit machten, und befahl, ebenso die leeren Fässer auf dem Schiff mit dem Quellwasser wieder aufzufüllen. Dann teilte er die Besatzung in Gruppen ein. Die meisten von ihnen blieben bei Papa Dolman, um Holz zu fällen und damit das Schiff zu reparieren. Anton und der Kapitän nahmen Peterchen Käsenarr an ihre Seite, um die Insel zu erkunden. (...) Bald kam Leben auf die Wiese. Auf den Ästen der rotstämmigen Bäume war Bewegung zu sehen. Rumini und Balikus konnten aber kein einziges Blätterchen erkennen, denn sie sahen den wirklichen Blättern so ähnlich, dass es unmöglich war sie von ihnen zu unterscheiden, sie ahnten jedoch, dass mindestens tausend kleine Wesen sie von jedem Winkel der Lichtung her beobachteten. Endlich erschien Zirok aus den Rissen der Felswand. - Ich habe mit dem König gesprochen. Er erwartet euch in der ersten Halle. Wenn ihr wirklich helfen wollt, habt ihr nichts zu befürchten. Rumini und Balikus schauten sich an. Große Lust hatten sie nicht, einfach so mir nichts dir nichts in die Felswand reinzumarschieren. Wer weiß, ob dort nicht doch eine Falle auf sie wartete. - Nur einer von uns sollte reingehen, schlug Balikus vor. Der Andere wartet hier draußen mit den beiden Geiseln. - Das ist eine gute Idee, nickte Rumini. -Ich gehe. - In Ordnung. Wenn sie dir etwas tun, schrei, dann komme ich zu Hilfe. Rumini folgte Zirok auf dem engen Weg. Nach einigen Schritten gelangten sie in eine riesige Felsenhalle. Es war nicht dunkel, denn das Sonnenlicht drang durch eine Wiese, die über ihnen lag hindurch. In der Halle wimmelte es von Blätterchen. Die meisten von ihnen ähnelten Zirok und seinen Kameraden, unter ihnen waren aber nicht nur blätterartige Gestalten. Einige sahen auf den ersten Blick wie Baumrinde, Moos oder einfach wie Grasbüschel aus. In der Mitte saß der König auf einem Thron aus roter Rinde. Seine Krone schmückten Misteln, seine Statur erinnerte an dornige Zweige. Mit knarrender Stimme ergriff er das Wort: - Ich grüße dich, Unbekannter. Zirok sagt, ihr seid unsere Freunde. Meine Wachleute hingegen meldeten, dass ihr zwei meiner Untertanen in einer geschlossenen Dose gefangen haltet. Zirok meint, ihr würdet uns im Kampf gegen unsere Feinde behilflich sein. Meine Soldaten aber behaupten, dass eure Kameraden die Bäume der Insel gefällt hätten. Sprich nun. Wer seid ihr, und was wollt ihr von uns? Rumini verbeugte sich. - Ich grüße euch, König der Blätterchen. Mein Name ist Rumini. Wir sind Mäuse von weit her aus dem Mäuseland. Vor vielen Wochen sind wir mit dem Schiff zur großen Peleinsel aufgebrochen. Unsere Schiffsladung erwartet der König der Peleinsel. Der Südwind aber trieb uns auf das Schlamm-Meer, wo uns ein Riesenpolyp bedrohte und unser Schiff beschädigte. Damit wir die beschädigten Stellen wieder ausbessern können, haben wir hier angelegt. Für die Reparaturen benötigen wir Holz. Wir wussten nicht, dass ihr hier auf der Insel lebt und wir wussten auch nicht, dass man hier keine Bäume fällen darf. In unserem Land verbrauchen sie viel Holz zum Bauen und zum Heizen. - Auch wir benutzen das Holz für dies und das, doch nur solches, das der Wind aus der Erde gerissen oder der Blitz niedergeschlagen hat, sagte der König schon mit einer freundlicheren Stimme. - Ich würde gerne wissen, was mit meinen Kameraden geschehen ist! Soweit ich weiß, haben deine Leute sie fortgeschleppt. Der König schaute Rumini an: - Die alle sind meine Geisel. In der innersten Halle bewacht sie mein mutigster Soldat, schmetterte der König - Ich bitte dich, lass sie frei. Glaub mir, wir werden der Insel nichts mehr zu Leide tun. Wenn wir ein paar Bäume bekommen könnten, die vom Blitz getroffen wurden, dann könnten wir auch damit die „Königin der Winde“ reparieren. - Nur nachdem du mir geholfen haben wirst, unsere Feinde zu besiegen, werde ich deine Kameraden frei lassen. - Aber ohne den Kapitän kann ich nichts machen. - Dein Kapitän schläft noch. Bis morgen wird er auch nicht aufwachen. Wenn ihr bis dahin die Würmer ausrottet, dann kann ich sie frei lassen. Ihr werdet Holz bekommen, Nahrung und wir helfen euch bei der Reparatur des Schiffes. Andernfalls werdet ihr alle sterben. Übersetzt von Julia Balogh

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