Autorenseite

Kriszta BÓDIS
( 1967 )

» Hart wie Butter (2003)
» Der Artist (2006)

Biographie

1967 in Budapest geboren
1985-93 Studium der Psychologie und Ästhetik an der Universität Budapest
Drehte seit 1994 mehrere Dokumentarfilme
Gewann 2003 mit dem Film "Amari krisz" (Unser Schwur) den Hauptpreis des Dialektus Festivals in Budapest

Hart wie Butter
2003

Kriszta Bódis's Erstlingsroman Kemény vaj (Harte Butter / Hart wie Butter) führt in die Welt der ungarischen Roma. Erzählerin der Geschichte ist ein unter äußerst schwierigen Bedingungen aufgewachsenes fast stummes Mädchen, das seine Gedanken in einem Tagebuch niederschreibt. Sie tut dies in einer eigenwilligen, oft fehlerhaften, doch sehr lebendigen, ausdrucksvollen und authentischen Sprache. Von dieser Erzählstimme wird der Roman geprägt, und ihr verdankt er seine außergewöhnliche Wirkung. In der Barackensiedlung einer Industriestadt aufgewachsen, vom Vater mißbraucht, von der Mutter und den Geschwistern vernachlässigt, ist Großmutter Sári die Einzige, die dem empfindsamen Kind Liebe und Wärme entgegenbringt. Doch auch sie vermag den Gang der Dinge nicht aufzuhalten. Das Mädchen wird in ein staatliches Fürsorgeheim gesteckt, wo es - kaum dreizehn - den schlimmsten körperlichen und seelischen Erniedrigungen ausgesetzt ist. Dem Heim entkommen, geht sie nach Budapest und wird von einem Verwandten in die Straßenprostitution getrieben. Sie arbeitet für zwei Zuhälter, wird schwanger, bekommt mit vierzehn ein Kind, das man ihr wegnimmt. Bald landet sie einer Bagatelle wegen im Gefängnis, bringt dort, ohne Rechtsgrundlage, anderthalb Jahre zu. Ein Priester nimmt sich ihrer an, doch auch er kann ihr letztlich nicht helfen. Sie wird abermals schwanger und man ahnt, daß ihr Weg schließlich in die Prostitution zurückführen wird. Kriszta Bódis's Roman handelt vom Ausgeliefertsein, vom Kampf gegen ein Schicksal, das nicht das eigene ist, vom Leiden, vom physischen und psychischen Elend. Er zeigt die Probleme der Prostitution auf und beschreibt die brutalen Seiten der Sexualität. Der fiktionale Text ist mit soziographischen Elementen durchsetzt, in denen rechtliche, gesellschaftliche und politische Fragen beleuchtet werden. Das so entstandene Buch ist von beeindruckender Authentizität.

Der Artist
2006

Der zweite Roman der Autorin führt den Leser ebenso wie ihr erstes Werk in die Welt der aus der Gesellschaft ausgestoßenen, marginalisierten, hoffnungslosen Figuren, die kein Zuhause haben. Die Protagonistin dieses Romans ist ein dreizehnjähriges Mädchen namens Pinkler, deren Spitzname Artist(in) ist. Das kurze Leben des Mädchens ist eine Serie von Fluchtversuchen: Sie flieht von ihrem obdachlosen Vater, einem Alkoholiker, von ihrer kaputten Mutter, aus dem Kinderheim, von den mit Pferden handelnden Zigeunern, bis sie schließlich durch die Berührung eines Hochspannungskabels stirbt. Eine junge Soziologin namens Judit beginnt den Fall ein Jahr nach ihrem Tod erneut zu untersuchen, sie macht mit all denjenigen Interviews, mit denen das Mädchen zu tun hatte, so beispielsweise mit Janó, in den sie sich später auch verliebt. Der Roman erhält auf diese Weise eine Form, die am ehesten einem fiktiven Dokumentarfilm ähnelt, wobei zwei Arten von Kapiteln einander abwechseln. Einerseits gibt es monologartige Kapitel (die einzelnen Figuren sprechen, wobei sie sich sprachlich und inhaltlich selbst zu erkennen geben), andererseits gibt es erzählerische Kapitel (in denen der Leser die Ereignisse aus der Perspektive eines Erzählers verfolgt). Mit dieser Konstruktion kommt eine mosaikartige, doch durchaus Spannung aufweisende Struktur zustande. Durch die Schilderung der Welt der Schwachen und Ausgelieferten erhält der Leser ein Bild von der derzeitigen ungarischen Gesellschaft, jedoch keineswegs mit einer einfachen aktualisierenden, soziologischen Absicht, sondern mittels des allgemeingültigen, auch für das Tragische sensiblen Formats der Fiktion. "Nach ihrem beachtenswerten ersten Roman hat die Autorin eine Fortsetzung geschaffen, die das Vertrauen in sie mit der objektiven Beurteilung ihrer Leistung gleichsetzt." László Márton, Élet és Irodalom "Endlich eine Autorin, die nicht über sich selbst schreibt." Orsolya Péntek, Magyar Nemzet.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN