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Vilmos CSAPLÁR
( 1947 )

» Hitlers Tochter (2009)

Biographie

Hitlers Tochter
2009

Hitlers Tochter Für seinen neuen Roman hat Vilmos Csaplár einen provokativen Titel gewählt. Einen Titel, der einen aufhorchen lässt. In diesem, sich in einer verwobenen Handlung, auf mehreren Erzählsträngen entfaltenden, Roman wird durch die Freiheit und die Spontaneität der Fiktion die Radikalität des Faktenmaterials und der Realität der Geschichte des 20. Jahrhunderts noch gesteigert. Das ist ein gefährliches, ein riskantes Spiel. Noch viel mehr, ein äußerst ernstes. Darüber ist sich auch Csaplár im Klaren, denn sein allwissender Erzähler ist distanziert, kühl und bestimmt. Wie sollte der Leser ihm den sonst auch glauben, dass der junge, am Anfang seiner Karriere stehende politische Aktivist, der statt dilettantischer Stilleben nun bereits grauenvolle historische Visionen malt, in einer ungarischen Großküche in München das Küchenmädchen Fanni Kucor, die obendrein auch noch jüdicher Herkunft ist, schwängert? Csaplárs Erzähler erscheint stets vollkommen unerwartet an den verschiedensten Schauplätzen der ungarischen und europäischen Geschichte. In den am besten gelungenen Teilen des Romans spürt man die Erfahrungen, die Csaplár als Drehbuchautor gemacht hat. Er zieht den Leser geschickt in das Geschehen herein, charakterisiert prägnant und lässt seine Figuren sehr lebhaft sprechen. Er arbeitet mit schnellen Wechseln und einem guten Gefühl für Proportionen. Auch das Jahr 1944 fehlt aus dem historischen Kaleidoskop nicht. Den Einfall der Deutschen in das umzingelte Budapest und den damit einhergehenden Leidensweg der Bevölkerung stellt er von unten, aus der Froschperspektive dar. Dem Dilemma der Budapester Juden widmet er hierbei besondere Aufmerksamkeit. Was wäre besser für sie? Wenn sie wüssten, was sie erwartet und sie sich darauf vorbereiten könnten? Lohnt es sich, ist es überhaupt möglich, mit den Nazis zu verhandeln? Kann man mit ihnen Vereinbarungen treffen? Menschenleben wie Gold kaufen? Bei diesen Passagen ist der unaufgeregte Ton und die hin und wieder bittersaure Ironie des Erzählers besonders wichtig. Ebenso gilt dies für die Szenen der ungarischen Revolution von 1956. Von Bedeutung sind auch die Quellen, die Csaplár sorgfältig in seinen Roman eingebaut hat. Gerade wegen der Wahrheit der Fiktion. Hitlers Tochter setzt sich aus Familiensaga-Splittern und Schicksalsscherben zusammen, mit denen Csaplár die Karnevalsfarben der grauenvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts malt.

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