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Biographie

1943 (23. September) in Budapest geboren
bis 1955 in verschiedenen jüdischen Erziehungsanstalten aufgewachsen
1964-1967 Studium der deutschen Geschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität
1967 Tätigkeit als Historiker am Budapester Museum der Arbeiterbewegung
1968 Beteiligung an der demokratischen Opposition Ungarns, Verurteilung wegen staatsfeindlicher Aktivitäten („Maoistenprozess“), Berufs- und teilweise Publikationsverbot
1979 erstes Buch in Deutschland erschienen
1984-1986 Stipendiat des DAAD in Berlin, Tätigkeit in der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen
1987-1995 Mitarbeiter bei deutschen Rundfunksendern und Zeitungen, lebte abwechselnd in Wien und Budapest, ab 1995 Wohnsitz in Berlin
1992 Vorstandsmitglied der Heinrich Böll-Stiftung
1995-1999 Leiter des Hauses Ungarn in Berlin

Wichtige Preise:
1990 Preis des Magvető-Verlags; 1995 Adelbert-von-Chamisso-Preis; 1999 Andreas-Gryphius-Sonderpreis

Die Beschneidung
1990

Mit Witz und Ironie, aber auch mit Wehmut und Sarkasmus beschreibt György Dalos aus dem Blickwinkel eines heranwachsenden Kindes die kleinbürgerliche jüdische Welt Budapests in den dramatischen Jahren 1955/56. Robi Singer, der kurz vor seiner Bar-Mizwa-Feier steht, wird mit dem in ganz Ostmitteleuropa aktuellen Problem jüdischer Identität konfrontiert. Der zwölfjährige Robi ist Halbwaise und lebt in der Woche im jüdische Internat, die Wochenenden verbringt er bei seiner Mutter und Großmutter. Aber nicht nur das Pendeln zwischen diesen beiden Welten bereitet ihm Probleme: Er ist mitten in der Pubertät, kann sich und seinen Körper nicht leiden und fühlt sich zwischen den Identitäten hin- und hergerissen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Robis verpasste Beschneidung. Jeder jüdische Säugling wird am achten Tag nach der Geburt rituell beschnitten. Da Robi aber in einem Budapester Luftschutzkeller zur Welt kam, blieb keine Zeit für den "Berit". Dies soll nun nach Beschluss der jüdischen Gemeinde nachgeholt werden.

Der Gast aus der Zukunft
1998

Das zufällige Treffen Anna Achmatowas, einer der bekanntesten russischsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, und Isaiah Berlins, britischer Diplomat in Moskau, in einer Novembernacht im Jahre 1945 hatte für die Achmatowa zeitlebens Folgen: Spionagevorwürfe, Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, Internierung ihres Sohnes. György Dalos und seine Mitarbeiterin gingen anhand von Moskauer Aktenmaterial und Gesprächen mit Zeitzeugen dieser Nacht und ihren Folgen nach. "Entstanden ist ein Bild des Kalten Krieges - von innen -, das Protokoll einer Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Staat, eine Geschichte über die Freiheit des schöpferischen Geistes und die Dämonie der Macht, eine bewegende Geschichte über die irdische und die himmlische Gerechtigkeit." (Klappentext)

Der Gottsucher
1999

Die Hauptfigur des Romans ist wie schon in "Die Beschneidung" ein pubertierender Junge, der im Budapest nach dem Volksaufstand von 1956 mit seinem Alltag nicht zurecht kommt. Die Geschichte um Gábor Kolozs, der nicht nur kleinwüchsig, sondern nach dem Urteil des Lehrerkollegiums seiner Schule auch ein Versager ist, spielt im kleinbürgerlichen Milieu einer jüdischen Familie in Budapest. Der Vater, ein ehemaliger Arzt, leidet nach den traumatischen Erlebnissen im KZ Mauthausen an Depressionen, die Mutter verdient als Näherin den Lebensunterhalt der Familie. Gábor Kolozs findet sich plötzlich wieder als Anlass des Interessenkonflikts zwischen dem neu eingesetzten Direktor István Ludasi und dem zum Musiklehrer degradierten Dr. Rezső Paulik. Ludasi, der von den Lehren der sowjetischen Pädagogik überzeugt ist, versucht den Jungen für die kommunistische Ideologie zu begeistern. Rezső dagegen möchte seinen Schüler zu Gott führen. Aber Gábor ist selbst auf der Suche nach seiner Identität, die Aufmerksamkeit des Schuldirektors schmeichelt ihm, und so integriert er sich zunächst in die kommunistische Gemeinschaft, bis er durch ein kathartisches Erlebnis auf einer Maikundgebung zu sich selbst findet. Den Roman hat György Dalos seinem Vater Andor Deutsch gewidmet, der 1945 in einem Arbeitslager zu Tode kam. "Auch dieser Roman ist gegen das Vergessen der lastenden Geschichte Ungarns in diesem Jahrhundert mit feiner Ironie geschrieben. Es ist ja gerade György Dalos' Kunst, eine Atmosphäre herzustellen, die durch die unaufdringlich gewinnende Art seines Erzählduktus entsteht." (Hans-Jürgen Schmitt, Süddeutsche Zeitung)

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