Autorenseite

Biographie

1894 (18. Oktober) in Budapest geboren
1919 Unterstützung der Räterepublik, Selbstmord des Vaters
1924-1938 Aufenthalt und Arbeit in Prag, Wien, Perugia, Berlin, Dubrovnik und Mallorca
1938 politische Gefangenschaft
1956 Teilnahme am Volksaufstand
1957-1960 sieben Jahre Haft, nach drei Jahren entlassen
1963-1968 Publikationsmöglichkeit, ausgedehnte Reisen, gewähltes Mitglied dreier Akademien
1977 (18. August) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1947 Baumgarten-Preis

Niki oder Die Geschichte eines Hundes
1956

1956 Niki. Egy kutya története (dt. Niki oder Die Geschichte eines Hundes) Es ist die Geschichte einer Foxterrier-Hündin, deren Herr, ein ungarischer Ingenieur in führender Position und ein verantwortungsvoller Kommunist, in der Zeit des Stalinismus in Ungarn verhaftet und nach fünf Jahren überraschend wieder freigelassen wird. Der Hund war dem Professor und Bergbauingenieur János Ancsa und seiner Frau zugelaufen und konnte anfangs nur schwer die Zuneigung besonders des Mannes erringen. Das Leben des Ehepaars war bis dahin in völliger Einsamkeit in einem dörflichen Vorort bei Budapest verlaufen. Der Hund Niki schafft es, in den verkrampften Alltag des älteren Ehepaars, dessen einziger Sohn im Krieg gefallen war, etwas Leichtigkeit zu bringen. Nach einem Sommer voller Freiheit folgt der Umzug in die Großstadt und die mühsame Gewöhnung an die neuen Lebensumstände. Zu der mangelnden Freiheit gesellt sich noch der Verlust des selbst gewählten Herrn: Eines Tages wird der Ingenieur Opfer von Parteiintrigen und ohne Angabe von Gründen verhaftet. Seine Frau bleibt allein mit dem Hund und in Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes zurück. Die Sorge um ihren Mann, die ungewohnte Arbeit für den dürftigen Lebensunterhalt und die Einengung ihres Lebensraumes durch zwangsweise eingewiesene Mieter überfordern die Frau, so dass ihre ohnehin schwache Gesundheit weiter leidet, sie schnell altert und verfällt. Die gesamte Geschichte wird aus der Perspektive des Hundes erzählt und ist daher scheinbar frei von emotionalen Urteilen. Ähnlich wie ein Kind weiß er nichts von der großen Politik, er spürt nur langsam die Folgen, als sein geliebter Herr verschwunden ist. Als der Ingenieur nach Jahren das Gefängnis wieder ohne Angabe von Gründen - verlassen darf, findet er seine seelisch gebrochene Frau neben der Leiche der Hündin vor. Dieser Tod symbolisiert das vergeblich gebrachte Opfer aber vielleicht ist er auch Ausdruck dafür, dass der Mensch das mit freiem Willen und Selbstdisziplin zu überstehen vermag, was das Tier nicht mehr erträgt. Wie jede Parabel ist auch diese mehrdeutig. Sie beinhaltet ebenso die Unmöglichkeit, derartige Kränkungen wieder gutzumachen, wie auch jenes Vertrauen und jenen Optimismus, die Ancsa erneut zu seiner Frau führen. (Tamás Ungvári)

Liebe
1956

1956 Szerelem (Liebe) Die Erzählung spielt in den fünfziger Jahren, zur Zeit des Personenkults, in Ungarn. Ein Inhaftierter wird freigelassen und kehrt zu seiner Familie zurück. Déry hält jeden Augenblick dieses Weges minutiös fest: Wie die Hauptfigur aus der Zelle gebracht und in Zivil gekleidet wird, zunächst in dem Glauben, nun hingerichtet zu werden. Aber er wird nach sieben Jahren Haft freigelassen. Dann die Fahrt mit dem Taxi, die Begrüßung der Nachbarn und schließlich das Wiedersehen mit Frau und Kind. Diese Novelle diente als Vorlage zu dem Spielfilm Liebe, den der bekannte ungarische Regisseur Károly Makk 1970 drehte – das Drehbuch schrieb György Konrád – und der 1971 auf dem Filmfestival von Cannes mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde.

Kein Urteil
1969

1969 Ítélet nincs (dt. Kein Urteil) Dérys Lebenslauf ist gekennzeichnet von ideellen und weltanschaulichen Wenden. In den autobiographischen Bekenntnissen Ítélet nincs (Kein Urteil) sucht er seine ehemaligen Weggefährten auf und zeichnet die Erlebnisse seines Lebens nach. Dabei geht er auch mit sich selbst ins Gericht: Ich erinnere mich an einen Abschnitt meiner Jugend, in dem ich die Kriterien des richtigen Lebens in einem Schlagwort komprimieren zu können vermeinte: Garten und Landstraße. Der Garten, in dem ich die Natur zu meinem Zuhause zurechtstutze und Trost finde vor den Behelligungen der Außenwelt, und die Landstraße, die mich, von hier weg und hierher immer zurückführend, in die kleinen und großen Abenteuer der Menschheit laufen lässt.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN