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Virág ERDŐS
( 1968 )

» Eurydike (2007)

Biographie

Eurydike
2007

Virág Erdős baut die Welt der Erzählungen in ihrem neuen Band um die Person, das Schicksal und die Perspektive der Eurydike auf. Da Orpheus Eurydike trotz des Verbots anschaut, darf er sie nicht wieder in die „Oberwelt“ zurückführen und sie bleibt bis zum Ende ihres Lebens (genauer gesagt Todes) die Gefangene des Hades und des Mythos. Erdős befreit Eurydike durch die Neuinterpretation des Mythos’ gewissermaßen, um sie dann in ihr Erzählband zu schließen – denn sie widmet sich Orpheus’ Frau im ersten und im letzten Text. In der ersten Erzählung geht Orpheus in den Sektionssaal, um Eurydike zu identifizieren, doch als Hades, der Mitarbeiter der Prosektur auf Eurydike deutet (oder auf die Frau, die er für Eurydike hält) bekommt Orpheus so einen Schreck, dass er flieht und nicht einmal zurückblickt. Und in dem letzten Text, einem freien Gedicht wird Eurydike von niemandem abgeholt, sie sitzt zur Jahrhundertwende im Budapester Thermalbad Rác und wartet, was sogar durch eine aus jener Zeit stammenden Fotografie bezeugt wird. Die Helden (Heldinnen) – die einen Hund gebärende Maria, der obdachlose König Salomon, der für schwachsinnig gehaltene Noah und der erfrorene Weihnachtsmann teilen allesamt Eurydikes Schicksal oder eher Schicksalslosigkeit. Erdős’ Blick wendet sich den Verlassenen und Vergessenen zu. Diese traurigen Situationen wirken dank Erdős’ Humor nicht tragisch, sondern grotesk und komisch. Das Niveau des Bandes ist vielleicht etwas schwankend, neben den Erzählungen sind auch Prosagedichte abgedruckt, nicht jede Pointe sitzt, wie sie sollte, doch gelingt es Erdős durch ihre Sprache meist, die Texte und Eurydike am Leben zu halten. Das Buch wird durch die unverwechselbaren Fotografien von Lenke Szilágyi abgerundet.

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