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Biographie

1923 (15. September) in Budapest geboren
arbeitet nach dem Besuch der Mittelschule als Schneiderlehrling, später Ausbildung zum Dreher
1944 Einberufung zum Militär, flieht und taucht in Budapest unter
1945 schlägt sich nach Westeuropa durch, arbeitet in Belgien im Kohlebergbau, später in den Pariser Renault-Werken
1949 Rückkehr nach Ungarn, Dreher in Budapester Großbetrieben
1951 versucht zu emigrieren, wird gefaßt und neun Monate in Kistarcsa interniert
seit 1955 freier Schriftsteller

Wichtige Preise:
1963 Attila-József-Preis; 1975 Kossuth-Preis; 1992 Lajos-Nagy-Preis; 1999 Pro Urbe Budapest

Der Lügner, Lustige Gefaehrten
1958;1966

Das Leben der ungarischen Arbeiter stellt für Fejes von Beginn an das zentrale Thema des Schreibens dar. In den beiden frühen Erzählungsammlungen "A hazudós" und "Vidám cimborák" zeigt er die Probleme junger Leute auf, in den Außenbezirken Budapests zu Hause sind und in den dortigen Großbetrieben arbeiten. Dabei richtet sich sein Blick vor allem auf die Diskrepanz, die sich zwischen ihrer monotonen, oft unmenschlichen Existenz und einem bewußt gelebtem Leben auftut. In vielen dieser Erzählungen erinnert sich Fejes auch an die eigene Kindheit im 8. Budapester Stadtbezirk, die er heiter, oft ein wenig idealisiert beschreibt, ohne dabei die Grenze zwischen Mythos und Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. In der Titelgeschichte "Der Lügner" vermag die Nostalgie noch, die Wirklichkeit mit dem schönen Schleier der Phantasie zu umhüllen, während in der späteren Erzählung "Grinsen" bereits gezeigt wird, wie die Bitterkeit des Alltagslebens die Liebe zweier junger Arbeiter zerstört.

Schrottplatz
1962

Der Roman gilt bis heute als Fejes' bekanntestes und wichtigstes Werk. Erzählt wird darin eine ungarische Familiengeschichte, die über fünfzig Jahre vom Ersten Weltkrieg bis zum Anfang der 1960er Jahre reicht und zwei Generationen umspannt. Am Beginn der Handlung steht ein Mord: Auf dem Schrottplatz hinter einer Budapester Fabrik erschlägt der Metallarbeiter János Hábetler Jr. seinen Schwager Zentay. In Untersuchungshaft genommen, schweigt er jedoch über die Gründe seiner Tat. Um die Motive dennoch zu verstehen, wird die Geschichte seiner Familie zurückverfolgt, und zwar bis ins Jahr 1917 als sein Vater, der Gelegenheitsarbeiter János Hábetler sen. aus dem Krieg heimkehrt und die Dienstmagd Mária Pék heiratet. Durch harte Arbeit gelingt den beiden der allmähliche Aufstieg. Aus der Barackensiedlung ziehen sie in eine Einzimmerwohnung, es kommen Kinder zur Welt, ihre materiellen Möglichkeiten verbessern sich. In ihrer Denkweise aber bleiben sie unverändert. Tanz, Fußball, Trinken und sich den Bauch vollschlagen, mehr kennen sie nicht. In dieser Welt wächst der junge János Hábetler auf. Er liebt ein jüdisches Mädchen, doch will er sie nicht heiraten, weil man Jüdinnen eben nicht heiratet. Er wird Soldat, weil es sein muß. Er läßt zu, daß seine Geliebte und ihr Kind in Auschwitz umkommen. Er sieht dem Treiben seiner Schwestern wütend und ohnmächtig zu. Er wird ein "zorniger junger Mann", der seine Situation nicht versteht und auf einfache, primitive Weise reagiert. Niemand ist da, der ihm einen Weg weisen könnte. Fejes zeigt in seinem Buch über die Welt von gestern auf erschütternde Weise, wie wenig die Welt von heute den Menschen zu verändern vermag. Der Roman löste bei seinem Erscheinen 1962 sowohl beim ungarischen Publikum als auch in literarischen Kreisen eine heftige Kontroverse aus, weil Fejes' illusionslose, jede moralische Wertung vermeidende Darstellung nicht den Erwartungen der Zeit entsprach.

Über die Liebe in einer naerrischen Nacht
1975

Dieser autobiographische Roman spielt in den stürmischen Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs und erzählt die abenteuerliche Geschichte zweier junger Leute, die ihr Glück machen wollen, indem sie sich einer Gruppe nach Palästina auswandernder Juden anschließen. Güterzüge und verschiedene Auffanglagern werden zu den Hauptschauplätzen der Handlung. Obwohl die beiden immer wieder versuchen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen, gelingt es ihnen nicht, der aussichtslosen Situation zu entkommen. Der Roman endet in der Nähe der französischen Grenze in einem Zug: Die Protagonisten glauben, endlich in Frankreich angekommen zu sein, die Wahrheit ist jedoch, daß der Zug sie zurück nach Deutschland bringen wird.

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