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Biographie

1888 (17. Juli) in Budapest geboren
1896 Tod des Vaters
1909 Veröffentlichung der ersten Gedichte in Nyugat, der bedeutendsten Zeitschrift der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
1912 juristisches Diplom, danach Arbeit als Lehrer
1913 Debüt mit dem Gedichtband Változtatnod nem lehet (Du kannst es nicht ändern)
1920 zwangsweise Pensionierung wegen seiner Beteiligung an der ungarischen Räterepublik von 1918
1928 sechsmonatiger Aufenthalt im Sanatorium von Dr. Grodeck in Baden-Baden
1935 bis 1942 Arbeit am Roman A feleségem története (dt. Die Geschichte meiner Frau)
1957 bis 1966 Erscheinen der Gesammelten Werke
1965 Nominierung für den Nobel-Preis
1967 (26. Juli) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1948 Kossuth-Preis

Du kannst es nicht ändern
1913

Milán Füst gilt als Begründer des freien Verses in der ungarischen Dichtungsgeschichte, seine dichterische Sprache, die sowohl traditionelle Formen (Chorgesang, Ode, Elegie) als auch Neuinterpretationen der lyrischen Traditionen einbringt, wird auch mit der Avantgarde-Dichtung seines Zeitgenossen Lajos Kassák verglichen. Die Literaturgeschichte hielt sich mit einer entsprechenden Anerkennung seines poetischen Werkes zurück; Füst geriet auch im Kreis seiner Zeitgenossen, der Dichter des Nyugat, zunehmend ins Abseits, da sich seine Poetik weniger an der ungarischen Tradition, als vielmehr an modernen Strömungen der europäischen Literatur orientierte. Füsts schriftstellerische Laufbahn – er war auch Romancier, Dramatiker und Essayist – hatte ihren Ausgangspunkt in der Nyugat-Bewegung. 1913 debütierte er mit dem Gedichtband Változtatnod nem lehet (Du kannst es nicht ändern), der von den Dichterkollegen – Kosztolányi, Karinthy, Zoltán Nagy - anerkennend zur Kenntnis genommen und als ein völlig neues Modell der Dichtung interpretiert wurde. András Petöcz, Literaturwissenschaftler, äußert sich folgendermaßen: „Füst schuf eine objektive Lyrik, der – beispiellos in der der älteren ungarischen Literatur – jegliches genrehafte Element fehlt. Häufig hinter einer Maske verborgen, spricht das lyrische Ich hier viel verhüllter, wesentlich indirekter als in der gesamten vorausgegangenen ungarischen Dichtung, und doch mit einer ungeheuren Subjektivität der Vision, des Affekts, des Gestus.“

Die Unglücklichen
1923

"Die Unglücklichen" ist ein Drama im naturalistischen Stil, das das moralische und materielle Elend einer Halbproletarierfamilie der Vorstadt zeigt. Die Figuren sprechen in messerscharfen Sätzen, sie streiten sich und haben fast komische Züge. Dahinter verbirgt sich Füsts deutliche Neugier an den seelischen Zuständen seiner Protagonisten. Das 1931 entstandene Drama "König Heinrich IV." zeugt ebenfalls von dem psychologischen Interesse, hier geht es um den Canossagang des deutschen Königs, der es als einzelner wagt, sich allem zu widersetzen. Füsts Dramen kamen jahrzehntelang nicht auf die Bühne, erst kurz vor seinem Tod wurde ihm der verdiente Erfolg zuteil.

Die Geschichte meiner Frau
1942

In seinem größten Prosawerk, "Die Geschichte meiner Frau", das auch in verschiedene europäische Sprachen übersetzt wurde, geht es um die Ehe eines holländischen Schiffskapitäns. Kapitän Störr, ein kräftiger Mann und etwas schwerfällig im Denken, hatte auf Menorca die zierliche, flatterhafte Französin Lizzy getroffen, die dort unter Emigranten, Flüchtlingen und Spionen ein undurchsichtiges Leben führte. Sie gefiel ihm, also zog er mit ihr nach Paris und heiratete sie. Ständig in der Vorstellung lebend, dass seine Frau ihn betrüge, versucht er jede ihrer Bewegungen zu überwachen, um die "Wirklichkeit" aufzudecken. Dabei verstrickt er sich immer mehr in eine Art Hassliebe. Lizzy beendet schließlich diesen Zustand, indem sie mit einem heruntergekommenen französischen Adligen nach Spanien durchbrennt. Als Jakob Störr nach vielen Jahren nach Paris zurückkehrt, glaubt er Lizzy auf der Straße gesehen zu haben. Nachforschungen ergeben, dass Lizzy schon vor Jahren gestorben ist. Da erkennt er, dass es für immer nur die Liebe zu Lizzy geben wird: "Ich glaube fest und mit aller Zuversicht, dass sie eines Tages bei sonnenhellem Wetter wieder irgendwo auftauchen wird. [...] Ich wette meine Seele, so wird es sein. Wozu sonst noch leben? Ich warte nur noch darauf, und so lange ich lebe, werde ich darauf warten. Das gelobe ich. Wem? Ich weiß es nicht." Die Figuren in dem großen Eifersuchtsepos sind nicht fest umgrenzt, so dass sich Raum "für die abenteuerlichsten psychologischen Experimente" (Mario Szenessy) mit ihnen ergeben. Beginnend in den zwanziger Jahren veröffentlichte Füst auch Romane und Novellen, in denen er die Alltagsgeschehnisse und die Beziehungen zwischen den Geschlechtern erkundet. Zu seinem Werk gehören auch philosophische und ästhetische Reflexionen, Kommentare und Abhandlungen. Der Band "Vision und Emotion in der Kunst" enthält die Texte seiner Vorlesungen, die er nach 1945 an der Budapester Universität gehalten hatte.

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