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László GARACZI
( 1956 )

Biographie

1956 (17. Juli) in Budapest geboren.
1981 Diplom an der Pädagogischen Hochschule
1988 Diplom in Philosophie an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest
ab 1982 freier Schriftsteller und Übersetzer

Wichtige Preise:
1985 Zsigmond-Móricz-Stipendium; 1990 Preis für die Literatur der Zukunft; 1990 H. C. Kaser-Preis; 1991 Milán-Füst-Preis; 1992 Soros-Stipendium; 1994 Alföld-Preis; Tibor-Déry-Prämie; 1996 DAAD-Stipendium; 1998 Gyula-Krúdy-Preis; 2001 Ernő-Szép-Prämie, Attila-József-Preis; 2002 Sándor-Márai-Preis

Plastik
1985

In seinen kurzen Geschichten, die spielerisch durch die Verwendung von "doppeldeutschen" Karten generiert werden, spielt Garaczi ganz nach avantgardistischer Manier mit der Sprache; er liefert eine Vielzahl von Parodien, Zitaten und Anspielungen, von "ideologischen Restposten" und amerikanischen Kinomythen. Diese Verfahrensweise erweist sich als probates Mittel, um neue Wahrnehmungsweisen zu erschließen. Der Autor ist ständig dabei, herkömmliche Erzählmodi zu unterlaufen, um so das lineare Denken des Lesers zu irritieren. "...ein cooles, herausforderndes Stück Prosa, das den Leser an der Nase herumführt, so daß er manchmal nicht weiß, ob die Schuld am Nichtverstehen er selbst trägt, oder ob der Text gar nicht in jeder Hinsicht verstanden werden will." (Zsuzsanna Gahse, DIE ZEIT)

Kein Schlaf!
1992

(Novellen) Die Kurzprosa von Garaczi löste in der ungarischen Literaturkritik Diskussionen aus. Seine Texte haben fragmentarischen Charakter und weisen eine Reihe von intertextuellen Bezügen auf. Die narrativen Verfahren betten die Gasttexte in neue Kontexte ein und schaffen damit lebendige, teils ironisch gefärbte Assoziationsfelder, die die Fantasie des Lesers in verschiedene Richtungen schweifen lassen. Dezső Tandori spricht davon, dass "die einzelnen charakteristischen "Geschichten" fast aus dem Nichts hervortauchen, aber nur, damit ihnen ein bizarrer (absurder? Nein, nicht einmal so absurder) Kommentar nachfolgen kann, noch dazu einer, der eine Offenbarung verspricht, dem eigenen Wertesystem gemäß, aber in der sprachlichen Form, die dem gegebenen kleinen Werk entspricht."

Die wunderbare Busfahrt. Bekenntnisse eines Lemuren
1998

Garaczi ist einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren Schriftstellergeneration Ungarns. Seine autobiographisch inspirierten Prosastücke lassen Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, an die Schulzeit und sexuelle Erlebnisse, an Paraden und Drogen, an Busausflüge und Sekretärinnen mit Haarknoten, an die Zeit des "real existierenden Sozialismus" im Ungarn der sechziger und siebziger Jahre wach werden. Zsuzsanna Gahse hält höchstes Lob für den Autor bereit: "Ein wunderbares Buch!", denn der Autor versteht es, verschiedene Zeitebenen miteinander zu verschachteln und so zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her zu springen. Karl-Markus Gauss hat sich beim Lesen sichtlich amüsiert, besonders wie der kindliche Held mit von "moralischen Skrupeln kaum geschwächter Energie" seine Kindergärtnerinnen terrorisierte und sich allen "sozialen Anforderungen" entgegenstellte. Garaczi stellt sich mit seiner Prosa in die Tradition von Iván Mándy und Lajos Parti Nagy, die ebenfalls der witzigen und spielerisch leichten gegenüber der schmerzlichen, erwachsen ernsten Erzählweise den Vorrang geben.

MetaXa
2006

Dieser Roman ist der elfte Band Garaczis, der außer Romanen auch Dramen schreibt und regelmäßig im Feuilleton publiziert. Im Gegensatz zu seinen beiden früheren Kurzromanen, die durch stark autobiographische Züge gekennzeichnet waren, reflektiert der Autor in diesem Werk nicht vordergründig den eigenen Lebensweg. Garaczi versucht diesmal gerade durch das Sich-Entfernen von dem Ich die Funktionsweise des Bewußtseins und dessen Strom darzustellen. Der Held, der nach einer nicht genau definierten persönlichen Tragödie (vielleicht einem Selbstmordversuch) in eine psychiatrische Anstalt kommt, schreibt seine Erinnerungen auf Rat seiner Ärztin nieder. Der Autor imitiert den Stil eines häufig abschweifenden, lockeren, aufgewühlten Menschen, der Text an sich ist jedoch paradoxerweise äußerst strukturiert, gut proportioniert und diszipliniert. Der Held (der sich im dritten Kapitel wiederum auf Rat von Frau Dr. Hirsch den Namen Felix gibt) steht und quält sich zwischen zwei Frauen, hat musikalische Ambitionen, findet jedoch seinen Platz in der Welt nicht. Seine außergewöhnliche Geschichte - angefangen bei der Party in Farkasrét bis hin zum Sprung in die Donau von der Erzsébet-Brücke - entfaltet sich in einer von vielen kleinen Bildern, Szenen und Motiven durchsetzten, äußerst verwobenen und fragmentarischen Erzählung, sozusagen in einem den Bewußtseinsstrom geschickt darstellenden Großmonolog. Der Roman besteht aus einem einzigen, mit ausschließlich Kleinbuchstaben geschriebenen Satz, den der Autor in vier Kapitel unterteilt hat (ICH, DU, ER/SIE, X). Am Ende des Satzes, das heißt des Romans, steht kein Punkt. Auch diese formalen Entscheidungen verstärken das Gefühl, daß hier jemand wirklich für sich selbst schreibt und nicht für andere, ja, daß er sein eigenes Innenleben aus sich herausschreiben will. Im Laufe des Imitierens dieser Absicht baut sich eine sprachliche Welt auf, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt - voller ironischer, witziger und spielerischer Elemente und den Schwingungen der Seele folgenden, brillanten Miniaturbeschreibungen. "Das größte Verdienst Garaczis liegt hier in der rohen und verspielten Unverschämtheit der von ihm angewandten sprachlichen Gesten - also darin, daß er sprachliche Ornamentik radikal zur Geltung kommen läßt - und in der grenzenlosen Freiheit im Nebeneinanderreihen verschiedenster sprachlicher Formen." István Margócsy, Élet és Irodalom "MetaXa ist nicht nur ein außerordentlicher Roman in Garaczis Lebenswerk, sondern in der zeitgenössischen ungarischen Prosa allgemein." Béla Bodor, Litera.hu

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