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Biographie

1863 (3. August) in Agárdpuszta als Sohn eines gut situierten Maschinenschlossers geboren
1868 Umzug der Familie nach Budapest
1870-1875 wechselte die Familie mehrmals den Wohnsitz innerhalb Ungarns
1879 Tod des Vaters
1882-1886 Tätigkeit als Lehrer und Journalist
1889 Journalistische Arbeit in Szeged
1893 politischer Journalist in Budapest
1895 erster Kurzroman und Gedichtband erschienen
1897 Umzug nach Eger, wo Gárdonyi bis zu seinem Lebensende ein zurückgezogenes Leben führte
1899 Reise nach Konstantinopel, um Material für seine historischen Romane zu sammeln
1910 Wahl zum korrespondierenden Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
1922 (30. Oktober) in Eger gestorben

Mein Dorf
1898

Der Novellenband "Mein Dorf" brachte Gárdonyi den ersten literarischen Erfolg, nachdem er zuvor Kolportageromane und die Serie Gábor Göre, Andekdoten mit gemütlichen, aber eher lächerlichen Bauerngestalten, verfasst hatte. Die in Ich-Form geschriebenen 46 kleinen Erzählungen zeigen idyllische Bilder aus dem bäuerlichen Leben und sind ein eher fiktives Tagebuch von Gárdonyis eigener Lehrerkarriere, die in vier Dörfern Westungarns erfolglos verlief. Das Grundmotiv des gesamten Erzählzyklus ist die Suche nach Stille, ruhigem Glück und bescheidenem Erfolg in einer aufrichtigen Welt, die sich am deutlichsten in der Sehnsucht nach der Kindheit ausdrückt. Die Kritik fand einerseits lobende Worte für Gárdonyi, weil der sich der bäuerlichen Psyche zuwandte, die romantisch idealisierte Darstellung des Dorflebens wurde allerdings kritisiert.

Ich war den Hunnen untertan
1901

Gárdonyi konnte sich vor allem mit seinen historischen Romanen in die Literaturgeschichte einschreiben. Auch in seinem zweiten Roman bietet die ungarische Geschichte, diesmal die Zeit des Hunnenkönigs Attila, den Hintergrund für die Handlung des Buches. Es wird die Geschichte zweier hoffnungslos Liebender erzählt. Mit einer byzantinischen Gesandtschaft des Kaisers Theodosius kommt Zeta, ein ehemaliger Sklave eines römischen Herrn, zu den Hunnen. Im Lager des sagenumwobenen Attila verliebt er sich in die schöne Hunnin Emöke und wird zum glühenden Bewunderer Attilas, vor dem das ganze Abendland zittert. Zeta weiß, daß er als Sklave nie um Emöke werben darf, doch da bietet ihm das Schicksal eine Chance: Zeta kämpft inmitten der riesigen hunnischen Völkerscharen gegen die Westgoten und Römer in der katalaunischen Ebene und kehrt aus dem großen Krieg siegreich wieder zurück in die Nähe Emökes. Nun hofft Zeta, endlich auf Anerkennung seiner Verdienste, auf Ruhm und Ehre, die es ihm ermöglichen, um Emöke zu werben. (Klappentext)

Der Wein
1901

Das beste und beliebteste Stück Gárdonyis basiert auf einer Erzählung aus der Novellensammlung "Az én falum" (Mein Dorf) und zeigt den verderblichen Einfluss des Alkohols am Beispiel des jungen Bauern Baracs. Obwohl Baracs weiß, dass der Alkohol bei ihm zu Jähzorn und Tätlichkeiten führt, lässt er sich von seiner Frau zu einem Glas Wein überreden. Da es bei dem einen Glas nicht geblieben ist, verliert er im Rausch die Kontrolle über sich und beleidigt seine Frau schwer. Daraufhin verlässt sie ihn mit dem kleinen Sohn. Erst viel später versöhnt sich das Paar wieder. Anhand des Alltags einfacher Bauern gestaltet Gárdonyi ein dem Naturalismus verpflichtetes Drama, das sich aus dem psychologisch motivierten Zusammenspiel charakteristischer Figuren aus der so genannten "bäuerlichen Literatur" Ungarns aufbaut.

Die Sterne von Eger
1901

Der wohl bekannteste und erfolgreichste Roman Gárdonyis handelt von den Anfängen der Grenzburgkämpfe der Ungarn gegen die Türken nach der verlorenen Schlacht bei Mohács (1526), die Handlung selbst spielt von 1533 bis 1552. Im Mittelpunkt steht die sich entwickelnde Liebe zweier Kinder, ihrem Erwachsenwerden und schließlich ihrer Heirat in einer der bewegtesten Zeiten der ungarischen Geschichte. Der arme Dorfjunge Gergő Bornemisza wird zusammen mit seiner Spielgefährtin Éva Cecey, der Tochter des Gutsherren, von umherstreifenden türkischen Soldaten geraubt. Gergő gelingt es, sich und das Mädchen aus der türkischen Gefangenshaft zu befreien; er wächst am Hofe des einflussreichen Magnaten Bálint Török auf. Nach vielen dramatischen Ereignissen treffen sich Gergő und Éva wieder, sie geloben sich ewige Treue und heiraten. 1552 eilt Gergő auf Bitten des Burghauptmanns István Dobó nach Eger, um gegen die Türken zu kämpfen. Eger ist die letzte standhafte ungarische Bastion und das Tor zu dem noch in ungarischer Hand befindlichen Oberungarn. Am 16. Oktober 1552 muss der Sultan mit seinem Heer abziehen, Gergő kann seinen entführten Sohn gegen ein türkisches Kind freikaufen. Eger ist zwar gerettet, Ungarns Schicksal aber ist ungewiss. Die Beschreibung der Belagerung von Eger beruht überwiegend auf geschichtlichen Forschungsergebnissen Gárdonyis, der selbst viele Jahre in Eger wohnte. Das Buch zählt auch heute noch zur beliebtesten Lektüre der ungarischen Jugend und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Die Gefangenen Gottes
1908

Nach den erfolgreichen Büchern "Sterne von Eger" (elf deutsche Auflagen) und "Ich war den Hunnen untertan" (acht deutsche Auflagen) ist der Schauplatz in "Die Gefangenen Gottes" das ungarische Mittelalter die Zeit nach der Verheerung des Landes durch die Mongolen. Gárdonyi schildert die Geschichte der heiligen Margarethe, Königstochter aus dem Hause der Arpaden, aus der Perspektive eines Laienbruders, der im gleichen Kloster auf der Donauinsel lebt, die heute ihren Namen trägt.

Idas Scheinehe
1920

"Suche Ehegatten für meine Tochter. Mitgift Betraegt 300.000 Kronen in Bar." - als der junge Maler Csaba diese verstörende Anzeige in der Zeitung liest, ist er empört. Was muss dahinterstecken, wenn ein Vater seine Tochter quasi "verkauft"? Doch die Höhe der Mitgift laesst ihn nicht ruhen: Die Spielsucht seines Schwagers hat die Familie seiner geliebten Schwester in den Ruin getrieben und auch das Erbe der Eltern aufgebraucht. Mit diesem Geld könnte er sie retten. Die "verkaufte Braut" entpuppt sich zur Überraschung Csaba's als schönes sund kühles Maedchen, das wesentlich intelligenter und durchsetzungsfaehiger ist, als seine Sanftmut es zunaechst vermuten laesst. Seit Generationen ist diese Geschichte über eine romantische Heirat der etwas anderen Art einer der Liblinge der ungariscen Leserinnen. (Klappentext der deutschen Ausgabe,2008)

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