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Endre Andor GELLÉRI
( 1906 - 1945 )

Biographie

1906 (30. März) in Budapest geboren
1921 bricht Schule nach der vierten Gymnasialklasse ab
1923-1926 besucht auf Wunsch des Vaters eine Gewerbeschule; Ausbildung zum Schlosser
1926-33 arbeitet in zahlreichen Berufen, u.a. als Maschinenschlosser, Transportarbeiter, technischer Zeichner, Tuchfärber, Vertreter, Erzieher; dazwischen häufig arbeitslos
1924 erste Novelle erscheint in der Zeitung Az Est (Der Abend)
1928 erste Veröffentlichung in der bedeutenden Literaturzeitschrift Nyugat (Westen)
1928 mehrwöchiger Stipendienaufenthalt in Deutschland, später in Italien
1931 Milán Füst wird sein väterlicher Freund und Mentor
1933-42 dauerhafte Anstellung in einer Textilfabrik
1940-45 wiederholt zum Arbeitsdienst eingezogen
1945 Deportation ins Konzentrationslager Mauthausen, dann Gunskirchen
1945 stirbt nach der Befreiung des Lagers an einer Typhusinfektion und den Folgen körperlicher Entkräftung

Wichtige Preise:
1931 Mikszáth-Romanpreis; 1934 Baumgarten-Preis, 1935 Literaturpreis der Zeitschrift Nyugat für beste Novelle

Durstige Lehrjungen
1933

Der zuerst im Buchverlag der renommierten Literaturzeitschrift Nyugat (Westen) publizierte Band enthält vierzehn frühe Novellen des Autors. Sie spielen meist an der geographischen und psychologischen Peripherie der Großstadt. Ihre Helden sind einfache, kleine Leute: Lastträger, Blaufärber, Lehrjungen aus den äußeren Bezirken von Óbuda. Erzählt wird von alltäglichen Ereignissen: einem Sonntagsausflug in die Budaer Berge, einem gefundenen Heller, dem Transport eines zentnerschweren Geldschrankes. Durch seine zwischen Vision und Wirklichkeit schwebende Sprache umgibt Gelléri diese alltäglichen Dinge mit dem Zauber der Poesie. In den Geschichten klingt eine traumgeborene Stimmung, eine mitunter beinahe mystische Märchenhaftigkeit auf. Mit seinem ersten Novellenband fand der Autor auf Anhieb die Anerkennung der Kritik. Dieser junge Mann ist ein Poet, ein wirklicher Künstler. Wer ihn einen Naturalisten nennt, den kann man nur auslachen. Die Wirklichkeit ist für ihn nur ein Sprungbrett. Er schöpft aus seiner Phantasie. Um die Figur eines Lastträger zu schaffen, ist mehr Vorstellungskraft nötig, als für die Beschreibung irgendeines vom Mondlicht beschienenen Traumes. Über seinem zauberhaften Realismus schweben Leichtigkeit und Glanz. (Dezső Kosztolányi, Nyugat)

Blitz und Feuer am Abend
1940

Im Hintergrund des 1940 erschienenen Bandes steht die über Europa heraufziehende Kriegsgefahr. Gelléri entwirft gespenstische Visionen von Verfall und Vernichtung, zeigt aber zugleich seine große Begabung, das Tragische mit dem Komischen auf eine leichte, spielerische Weise zu verbinden. In der Novelle "Villám és esti tűz" (Blitz und Feuer am Abend) schlägt vor den Augen der in einer Schusterwerkstatt zum Abendbrot versammelten Meister und Gehilfen in die brodelnde Fischsuppe der Blitz ein. Der Anblick des explodierenden Suppenkessels ist dargestellt wie eine surrealistische Vision, die mit dem kurzen Satz schließt: "Und am nächsten Tag brach der Krieg aus", eine Ankündigung der Apokalypse. "Die Novellen dieses Bandes: "Blitz und Feuer am Abend", "Jamaika Rum", "Georgi, der Barbier" und "Esel der Jugend" sind in gewisser Hinsicht noch schöner als die vorherigen, weil in ihnen der spielerische Geist noch mehr zur Entfaltung kommt. Man kann eine ganze Novelle hindurch bis zum Ende lächeln und merkt erst dann, wie traurig sie eigentlich ist. Unter der heiteren Oberfläche liegt eine tiefe Traurigkeit. Diese Novellen bekräftige nur meine bisherige Ansicht: Gelléri ist einer unserer besten Autoren, nicht nur unter den zeitgenössischen." (Milán Füst)

Die Geschichte eines Selbstgefühls
1957

Die unvollendet gebliebene Autobiographie entstand in den vierziger Jahren, in den kurzen Perioden der Freiheit, die Gelléri zwischen wiederholten Einberufungen zum Arbeitsdienst blieben. Auf Anraten von Freunden begann er, in ungebundener Tagebuchform die Geschehnisse seines Lebens aufzuzeichnen und Gedanken über Eltern, Kindheit, Jugend, Liebe und die Herausbildung der eigenen Persönlichkeit festzuhalten. Das so gesammelte Material war als Quelle für einen späteren autobiographischen Roman gedacht. Diese Prämisse entband den Autor von der Einhaltung strikter Kompositionsprinzipien und von den Zwängen der Chronologie. Es entstand ein Selbstbild, das sich aus einer lockeren Kette von Einzelepisoden, assoziative Bildreihen und größeren Erinnerungsblöcke zusammensetzt, die auf eine scheinbar zufällige, willkürlich und spielerische Weise miteinander verbunden sind. Wie ein Leitmotiv tauchen immer wieder Fragen nach dem Grund des Sein und der eigenen Identität auf: Wer bin ich? Warum wurde ich geboren? Wozu lebe ich? Der rhapsodische Charakter des Werkes, der neben Wichtigem auch Überflüssiges zuläßt, Unklarheiten und Widersprüche akzeptiert und ein Hinübergleiten ins Traumhafte toleriert, birgt den Vorteil, daß der Autor aus diese Weise dem eigenen Ich sehr nahekommt. Das Buch läßt sich als Autobiographie lesen, die den Prozeß der Selbstzensur nicht durchlaufen hat.

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