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Ágnes GERGELY
( 1933 )

» Das Kobaltland (1978)
» Die Unbehüteten (2000)
» Jonathan Swifts Nächte (2010)

Biographie

1933 (5. Oktober) in Endrőd (Südostungarn) geboren; in Zalaegerszeg (Südwestungarn) aufgewachsen
1940-50 Schuljahre in Budapest und Szeged
1952 Gesellenbrief als Dreher
1957 Diplom an der Philosophischen Fakultät der Universität Budapest
1957-63 Lehrerin an einer Budapester Mittelschule
1963-71 Mitarbeiterin des Ungarischen Rundfunks
1971-74 Redakteurin der Literaturzeitung Élet és Irodalom (Leben und Literatur)
1973-74 Gast des internationalen Schriftstellerprogramms der Universität Iowa, USA
1974 Lektorin beim Szépirodalmi Verlag
1977-88 Redakteurin der Zeitschrift für internationale Literatur Nagyvilág
1988 freie Schriftstellerin und Übersetzerin
1992-2002 Dozentin im Postgraduiertenprogramm Anglistik/Amerikanistik der Universität Budapest

Wichtige Preise:
1977, 1987 Attila–József-Preis; 1985 Tibor-Déry-Preis; 1994 Milán-Füst-Preis; 1996 Kortárs-Literaturpreis; 2000 Kossuth-Preis

Das Kobaltland
1978

Errichtet auf den Mythen der Kindheit, ist Ágnes Gergelys fiktives Kobaltland eher eine allegorische Utopie, als eine gesellschaftliche Parabel. Die Gedichte des Bandes versinnbildlichen das grundlegende Lebensgefühl und die existentiellen Zweifel des modernen Menschen. Verbunden sind sie durch eine in Prosaform erzählte Rahmenhandlung: Encelado XVII, König des Kobaltlandes, diskutiert mit seinem Hofnarren über Grundfragen der menschlicher Existenz und offenbart in diesem philosophischen Gespräch eine von Humor, Ironie und Zweifel geprägte Lebensauffassung.

Die Unbehüteten
2000

Der Handlung des Romans führt in die osteuropäische Welt der Vorwendezeit. Karen, Übersetzerin und Schriftstellerin, um die Vierzig und verwitwet, lebt mit ihrer Tochter Daniela in Budapest. Seit einiger Zeit gehört auch das Mädchen Detti zur Familie, dessen Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Beide Kinder sind ungewöhnlich begabt, Daniela schreibt Gedichte, Detti musiziert. Karen lebt wie eine Fremde in der sie umgebenden Welt, ihr Denken ist nach innen gerichtet, geprägt von den Idealen der klassischen Bildung, durchwebt von unerfüllten Hoffnungen und Sehnsüchten, belastet von den Schatten der Vergangenheit. Da lernt sie in den frühen achtziger Jahren bei einer Poetiklesung in Skandinavien den Filmemacher Carlos kennen, der wie sie jüdischer Abstammung ist, der sie versteht, weil er eine ähnliche Geschichte hat. Beide fühlen sich zueinander hingezogen. Carlos kommt nach Ungarn, die Heirat wird geplant, eine Hochzeitsreise nach Venedig bis in alle Einzelheiten besprochen, doch die ungarischen Behörden verweigern dem Paar die Genehmigung für die Heirat. Bald darf Carlos aus politischen Gründen auch nicht mehr nach Ungarn einreisen, und Karen erhält nur alle paar Jahre eine Erlaubnis zur Ausreise. So bleibt ihr, über alle Ländergrenzen und den Eisernen Vorhang hinweg, nur der Traum von Venedig, während die Welt um sie herum allmählich zerfällt. Der Roman wird von einer beinahe balladenhaften Stimmung getragen und lebt von seiner großen atmosphärischen Dichte.

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