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Nándor GION
( 1941 - 2002 )

» Der Soldat mit der Blume (1973)
» Das ist unser Tag (1997)
» Goldfund (2002)

Biographie

1941 (1. Februar) in Szenttamás (heute Srbobran, Jugoslawien) geboren
1959 Facharbeiterausbildung abgeschlossen
1959-1963 Studium der Hungarologie an der Universität Novi Sad
1963-1983 Mitarbeiter beim Ungarischen Radio in Novi Sad
1983-1985 Direktor des Ungarischen Theaters in Novi Sad
1993 Übersiedlung nach Ungarn
2002 (27. August) in Szeged gestorben

Wichtige Preise:
1987 Tibor-Déry-Preis; 1988 Attila-József-Preis; 1991, 1994 Prämierung „Buch des Jahres“; 1994 Soros-Preis für das Lebenswerk; 1997 Sándor-Márai-Preis

Der Soldat mit der Blume
1973

In der dörflichen Atmosphäre der nordserbischen Batschka erlebt ein Jugendlicher die Zeit des Ersten Weltkriegs, als die dörfliche Idylle von der grausamen Realität heimgesucht wird. Das Dorf Szenttamás wird von verschiedenen Ethnien bewohnt: Ungarn, Serben und Deutsche, die sich in ihrer Lebenseinstellung, aber auch hinsichtlich ihrer materiellen Situierung unterscheiden. Im Roman werden zwei Geschichten parallel erzählt, zum einen die des schwäbischen Müllers Stefan Krebs, der sich in Szenttamás wirtschaftlichen Erfolg verspricht, und zum anderen die von István Rojtos Gallai, der stolz auf seine Abstammung aus einer Hirtenfamilie zurückblickt. Der harten Feldarbeit kann er nichts abgewinnen, er denkt lieber über den rätselhaften Soldaten mit der Blume nach, den er auf einem Bild der Kreuzweg-Stationen des Kalvarienbergs entdeckt hat. Die beiden Handlungsstränge sind eng miteinander verwoben, die wechselnden Erzähler ermöglichen einen ständigen Perspektivenwechsel auf die Geschehnisse und handelnden Personen. Am Ende des Romans verloben sich Rojtos Gallai und Rézi, die ältere Tochter des Müllers Stefan Krebs. Gion schafft in diesem Roman eine Vielzahl eigenständiger Geschichten, in denen er sich zur Kraft des einfachen Menschen bekennt. Der Roman ist höchst unmodern. Um all die Schönheiten, die dargebotenen Feinheiten, die funkelnden menschlichen und ästhetischen Werte wahrzunehmen, braucht man - Stille. Eine Stille, in der diese leisen, höchst raffinierten, unheimlich menschennahen Nuancen zur Geltung kommen, uns erreichen. (Gyula Kurucz) Für Mihály Szajbély macht den Zauber des Romans die von der konkreten Zeit fast losgelöste, ins Fabulieren hinübergleitende plastische Schilderung der Menschen aus.

Das ist unser Tag
1997

Mehr als zwanzig Jahre nach den zwei Romanen der groß angelegten Familiengeschichte des István Rojtos Gallai, "A virágos katona" (Der Soldat mit der Blume) und "Rózsaméz" (Rosenhonig, 1976), setzt Gion sein episches Projekt, das vielfältige autobiographische Züge trägt, fort und beschreibt die Zeit von 1941 bis 1945. Der Protagonist und seine schwäbische Ehefrau Rézi sind inzwischen schon Großeltern. Rojtos Gallais Erzählungen berichten von den furchtbaren Ereignissen in den vier Kriegsjahren, von der Deportation und Verschleppung der Juden, vom Entstehen der Gegensätze in der Nationalitätenpolitik und von der Umsiedlung der Szekler aus der Bukowina. Gions historische Romane werden mit denen von Gabriel García Márquez verglichen, sein Realismus sei eine Art magischer Balkan-Realismus. Der Autor bewegt sich denn auch ausschließlich in der ihm vertrauten Welt Jugoslawiens, der Wojwodina, die gleichsam eine universale Bedeutung erhält und so zu einer mythologischen Welt wird.

Goldfund
2002

Mit dem letzten Teil der Tetralogie ist die Geschichte um István Rojtos Gallai und seine Familie abgeschlossen. Die Handlung, die sich vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die fünfziger Jahre erstreckt, als sich Titos Jugoslawien aus dem unter sowjetischer Kontrolle stehenden osteuropäischen sozialistischen Staatenverbund löste, wird fast ausnahmslos aus dem Blickwinkel István Rojtos Gallais erzählt. Nach dem Krieg arbeitet er als Flurwächter, ist aber vor allem als Doppelagent unterwegs, um den Bruder seiner Frau, der in russischer Gefangenschaft ist, zu befreien. Der Roman hat gewisse märchenhafte Züge, denn die Hauptfigur, István Rojtos Gallai, macht sich auf in die unbekannte Welt wie der Held im Märchen, um seine Aufgabe zu lösen. Am Ende gelingt ihm das auch. Gyula Kurucz spricht über eine Art „feenhaften Realismus“ in Gions Romanen: „Die tiefste Trauer, der wildeste (also vorübergehende) Hass, die hartnäckigsten Vorurteile sind hier individualisiert, personenbezogen (und entspannt) dargestellt. So kann kein institutionalisierter Hass, keine Ideologie entstehen. Mit dieser märchenähnlichen (also menschlichen) Haltung wird alles zeitgemäß und situationsbezogen – also alles verzeihlich.“

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