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Krisztián GRECSÓ
( 1976 )

» Klatschmama (2001)
» Lange nicht gesehen (2005)
» Tanzschule (2008)

Biographie

1976 geboren in Szegvár (Südostungarn)
1994-99 Studium an der Attila József Universität Szeged
2000-06 Redakteur der literarischen Zeitschrift Bárka

Schreibt regelmäßig für das Feuilleton des Tagesblattes Délmagyarország und für das Internetkulturmagazin www.terasz.hu
Vorstandsmitglied des Attila-József-Kreises
Stellvertretender Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Szépírók Társasága

Preise:

1995 Attila-Gérecz-Preis (bester erster Gedichtband); 1998 Soros-Preis der Kategorie Report; 1999 Zsigmond-Móricz-Stipendium; 2000 Stipendium der Stadt Szeged; 2001 Stipendium des "Nemzeti Kulturális Alapprogramm"; 2001 Unterstützung der Stiftung "Für Szeged"; 2002 Sándor-Bródy-Preis (Bester erster Prosaband des Jahres); 2002 István-Örkény-Stipendium; 2002 Faludy-Preis; 2003 Stipendium des "Nemzeti Kulturális Alapprogramm"; 2004 Tibor-Déry-Preis; 2006 Attila-József-Preis

Klatschmama
2001

Krisztián Grecsó ist 2001 mit diesem Erzählband auf der Bühne der zeitgenössischen ungarischen Prosa aufgetaucht beziehungsweise auf diese gesprungen. Denn das Buch sorgte nach seinem Erscheinen für allerlei Medienrummel, wurde gleichzeitig jedoch von der Kritik sehr gelobt - zu recht. Diese zwölf Erzählungen sind erfrischend frech, zeugen von enormen Scharfsinn und einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe. Auch wenn sich einige Bewohner des Dorfes Szegvár in den Figuren wiedererkannten und gekränkt fühlten: diese Erzählungen sind keine harsche Kritik an dörflichen Lebensformen oder gar konkreten Personen, sondern vor allem wunderbar daherrollende Geschichten, exzellente Beobachtungen. Die Helden dieser quasseln und tratschen nach Lust und Laune. Und dann kommt Grecsós geschickte Feder daher, um diesen Redefluß zu notieren. Die Texte wirken sehr authentisch, doch haben sie nichts trocken Ethnographisches an sich, vielmehr sprudelt das Leben aus ihnen wie die Worte aus den Mündern ihrer Figuren. Schauplatz der Erzählungen ist ein kleines Dorf namens Sáraság im Süden der ungarischen Tiefebene. Dieser Ort trägt denselben Namen wie jener in Grecsós Roman "Isten hozott" (Willkommen in Sáraság), man erkennt auch manche Figuren wieder und dennoch wähnt man sich ganz woanders. In seinem Roman dominieren magisch-realistische Elemente und hier organisiert sich alles um Klatsch und Tratsch. Eine kleine nebensächliche Information wird in den großen Kessel der Dorfmeinung geworfen, gut angebraten, einige pikante Einzelheiten dienen als scharfer Paprika und dann kommen, durch den aufreizenden Geruch angestachelt, allerlei Köche mit den verschiedensten Zutaten herbeigeeilt: Legenden, Landespolitik, Träume und Fragen nach Leben und Tod werden gut miteinander verrührt. Die Suppe, die so langsam köchelnd entsteht, ist ein unheimlich humorvolles, kluges Buch ohne jegliche Puszta-Pseudoromantik. Unter dem Mantel dieses neuen, modernen Dorflebens blinzeln alte Traditionen und Gewohnheiten hervor, die Vergangenheit ist eng verwoben mit der Gegenwart. Sprachlich erinnern diese Geschichten - vor allem die längste und beste Erzählung Ich, András Schriwanek - an die mal traurig, mal heiter komischen, aber immer sehr menschlichen Geschichten des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal.

Tanzschule
2008

In Krisztián Grecsós Romanwelt hat manchmal auch das Gulasch eine Seele, während die des Menschen in einer schattigen Weinlaube gerade mit dem Teufel plaudert. Nach dem mythologischen und gleichzeitig äußerst realen Dorf seines vorangegangenen Romans Isten hozott (dt.: Lange nicht gesehen, Claasen Verlag, Berlin 2007), ist der Schauplatz von Tánciskola die Kleinstadt der südlichen ungarischen Tiefebene, so wie sie zu jeder Zeit war und ist, in der sich das Leben zwischen dörflicher Nähe und großstädtischer Weite abspielt. Der Held, Dr. József Voith oder wie er einmal genannt wird, Dr. Jocó (Jocó als Koseform von József) kommt nach seinem Juraabschluss an der Universität Szeged mäßig begeistert in Tótváros an, um seine Karriere an der lokalen Staatsanwaltschaft zu beginnen. Er wohnt bei seinem Onkel, dem etwas exzentrischen Biologie- und Sportlehrer, Lajos Szalma. Er lernt Szalmas Freunde und Freundinnen kennen und wird von seinem Onkel in sein Wochenendhaus mitgenommen, wo Jocó und die anderen mithilfe verschiedener Rauschmittel große Reisen machen. Auf diesen trifft er mal den Teufel höchstpersönlich, mal sieht er sich selbst von außen. Seine Ängste und Selbstvertrauensprobleme lösen sich langsam, sein ganzes Wesen verändert sich. Der bis dahin eher zurückhaltende Jocó geht plötzlich mit mehreren Frauen Beziehungen ein, von denen jedoch keine unbetrübt ist. Am Ende des Romans, nach all den Abenteuern in Tótváros, unglaublichen Entdeckungen und den Tragödien in seiner Heimatstadt, Feketeváros, muss sich Jocó eingestehen, dass er erwachsen geworden und nun die Zeit gekommen ist, einen entscheidenden Schritt zu tun. Er entschließt sich zu diesem an Heiligabend und dieser Schritt ist, wie es der Titel schon andeutet, ein richtiger Tanzschritt. Doch mit wem und wohin - das soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Grecsó kennt die von ihm beschriebene Welt sehr genau, das zeigt sich auch in diesem Roman, in dem er uns seine wendungs- und detailreiche Geschichte mit einer Art magischem Naturalismus erzählt.

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