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Peter HAJNÓCZY
( 1942 - 1981 )

Biographie

1942 geboren in Porcsalma, von Béla Hajnóczy adoptiert
1959 als Arbeiter tätig
1962 beendet die József-Eötvös-Hochschule in Fernstudium
1976 wird freier Schriftsteller
1979 einzige Auslandsreise nach London
1981 stirbt in Porcsalma

Der Heizer
1975

Hajnóczys Erzählung „Der Heizer“, die Titelgeschichte seines ersten Bandes, ist Heinrich von Kleist gewidmet. Sein Mihály Kohlhász ist kein Pferdehändler, sondern ein ungarischer Arbeiter, ein Kesselheizer und es geht nicht um die „alte Chronik“, sondern um eine Geschichte der Gegenwart. Hajnóczy schreibt auf Kleistsche Art mit altertümlich verschachtelten Sätzen, viele Details verzögern den Lauf der Geschichte und erzeugen Spannung. Der Einbruch des Bösen vollzieht sich durch die Einstellung der kostenlosen Milchausgabe. Der Heizer sieht sich eines halben Liters Milch beraubt, des „Schutzgetränkes“ der Arbeiter. Die Frage, die Kleist und Hajnóczy in ihren Werken gleichermaßen stellen, ist die Grundfrage der menschlichen Existenz: Was tun? Wie handeln, wenn es die gewohnte Ordnung nicht mehr gibt und das Recht sich als Willkür der Mächtigen entlarvt? Der Heizer duldet keine Demütigung und läßt sich auch nicht von dem Gewerkschaftsvertrauensmann korrumpieren, er kündigt schließlich seine Stelle und gibt seine Familie auf. In seiner Frau fand er keine Stütze, nicht wie der Roßhändler bei Kleist. Hajnóczys Kohlhaas ist gleichzeitig ein Anti-Kohlhaas, dessen Feuer symbolisch und sarkastisch bleibt. Seiner Feuervision folgt keine Mordbrennerei, sondern eine Reihe von kuriosen Akten, an deren Ende der Heizer sich wieder an seinem Arbeitsplatz einfindet und Frau und Kind zurückkehren. Er macht jeden Morgen lächelnd einen Spaziergang, bei dem er ein Mantra vor sich her murmelt. Der Heizer glaubt nur noch an die Erwärmung der „kalten“ Welt durch seine Körperwärme.

Der Tod ritt aus Persien hinaus
1979

Hajnóczys bekanntestes und gleichzeitig erfolgreichstes Buch. Es erschein 1979. Kritiker und Literaturwissenschaftler konnten keine Einigkeit darüber erzielen, ob sie das Werk als Roman betrachten wollen. Sicher handelt es sich um Hajnóczys längsten, zusammenhängenden Text, der wiederum fremde und eigene Textbruchstücke als Mosaik auslegt. Im Gegensatz zu dem atemporalen Vorgängerwerk mit dem schlichten Titel "M", gibt es hier zwei Zeitebenen. Erzählt werden ein paar Stunden aus dem Leben des alkoholkranken Schriftstellers, eingestreunt die Geschichte der Liebe eines Jungen und Krisztinas. Am Ende beider Erzählstränge lauert der Tod. Drohendes delirium tremens bei dem erwachsenen Mann, siebzehn Todesvisionen. Der Junge lernt Krisztina in einem Schwimmbad kennen. Das Mädchen hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft, Schlagersängerin möchte sie werden und eine Familie gründen, auch ihre Vergangenheit, das Entkommen aus einem Konzentrationslager ist klar. Über alle möglichen Kleinigkeiten führt sie Buch und steuert die Beziehung, während der Junge sich mit Kunst beschäftigt, wissend, dass dem Mädchen davon nie wird sprechen können. Krisztina verachtet Alkohol und Zigaretten, der einsame Junge passt sich an, weil er das Mädchen nicht verlieren will. Der Alkohol spielt hier, wie auch im Leben des Schriftstellers, eine entscheidende Rolle und bringt den Jungen in eine paradoxe Situation. Wenn er nicht trinken darf, verliert er seine Freiheit, wenn er trinkt, verliert er das Mädchen und damit sich selbst. Die Novelle wurde kürzlich verfilmt.

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