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Biographie

1897 (23. März) in Eperjes (heute Pre¹ov, Slowakei) geboren, die Familie zog später nach Bratislava um
1915-1917 im Ersten Weltkrieg an der ukrainischen Front, kehrte verwundet zurück
1919 Ausweisung seiner Familie aus Bratislava, Umzug nach Budapest
1919-1923 Studium der Germanistik und ungarischen Literatur an der Budapester Universität sowie Besuch der Musikhochschule
1923-1926 Arbeit als Journalist bei hauptstädtischen Zeitungen
1927-1948 Bibliothekar in der Stadtbibliothek von Budapest
1935-1936 Gründung einer geistigen Gesellschaft, des Insel-Kreises, und der Zeitschrift Sziget (Insel) zusammen mit dem Philologen und Religionsphilosophen Karl Kerényi
1937 Eheschließung mit der Schriftstellerin Katalin Kemény
1940-1944 Einberufung, 1942 an die russische Front versetzt, von der er desertiert
1945 Zerstörung seiner Wohnung, Bibliothek und Handschriften durch Bombenangriff
1948 totales Publikationsverbot, Verlust seiner Stelle als Bibliothekar
1951-1964 Internierung, Arbeit als Gärtner, Hilfsarbeiter in Kraftwerken und als Bauarbeiter
1964 mit 67 Jahren berentet
1968 (7. November) gestorben und in Szentendre beigesetzt

Scientia Sacra
1942-1943

Geschichte war nicht das eigentliche Anliegen dieses Denkers, der sein umfassendes Gedankengebäude bewusst nie in ein System geordnet hat. Die Krise der modernen Zivilisation ist für ihn nicht an der horizontalen, geschichtlichen, sondern an der vertikalen, metaphysischen Achse zu messen. Sein Denken reicht weiter zurück in der Zeit, bis zu den antiken und fernöstlichen Philosophien, zu den heiligen Büchern der archaischen Kulturen, die er als Quellen gültiger Informationen über das Sein , als Offenbarungen betrachtet. Die das Wesentliche betreffend übereinstimmenden Informationen aus dem alten Indien, aus China und Judäa um den weitgefächerten Anspruch auf Universalität nur anzudeuten nannte er Überlieferung , das Wissen um die universelle Struktur des Seins. (Eva Haldimann) Scientia Sacra bildet das philosophische Kernstück in Hamvas Werk.

Die Revolution in der Kunst. Abstraktion und Surrealismus in UngarnHungary
1947

Die zusammen mit Katalin Kemény, der Frau von Béla Hamvas, verfasste Abhandlung beschäftigt sich mit der Epoche der bildenden Kunst in Ungarn, die das Wirken von Károly Ferenczy, Csontváry und Lajos Gulácsy bis zur Zeit der Europäischen Schule umfasst. Dabei wurden die geistigen Perspektiven der jungen avantgardistischen Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg und die Möglichkeiten der wahrheitssuchenden Malerei besonders in den Blick genommen. Im Surrealismus und in der Abstraktion sah er das Erbe der magischen Kunst, das tremendum . Hamvas lehnte ähnlich wie Kierkegaard den starren Ästhetizismus ab, für ihn hatte die wahre Kunst immer eine erschütternde (eine tremendum hervorrufende) und eine bewusstseinshebende Wirkung. Entsprechend dieser Auffassung stellte er die realistische Kunst der abstrakten gegenüber, was scharfe Angriffe von Seiten der marxistisch geprägten Kritik, namentlich von Georg Lukács, und das völlige Publikationsverbot nach sich zog. Lukács brandmarkte die Theoretiker der Avantgarde als irrationale Idealisten und wies die Richtungen der modernen Kunst zusammen mit den theoretischen Reflexionen zurück, ihre Tätigkeit wurde als politisch schädlich verurteilt und ihre politische Loyalität in Zweifel gezogen.

Karneval
1948-1951

Der monumentale Essayroman des vielseitig aktiven Kulturhistorikers und Schriftstellers, der zum Teil kultisch verehrt wird, wurde erst 1985 aus dem Nachlass dem Publikum zugänglich gemacht. Es handelt sich um eine "metaphysische Pikareske" (Eva Haldimann), die die unendlichen Möglichkeiten oder Masken aufzeigt, in denen ein Mensch nach seiner Identität sucht. Der Karneval steht dann auch als "universale Metapher für die unendlichen Metamorphosen des Menschen in seiner metaphysischen und historischen Existenz." (Katalin Kemény) Die Hauptperson dieses unendlich farbenreichen Romans ist Mihály Bormester (Michael Weinmeister), der sich auf den Weg begibt, um zum Kern seines Ichs durchzudringen, zum einen im Raum (Kleinstadt - Land - die ganze Welt), zum anderen aber auch in der Zeit (von der Jahrhundertwende bis 1950 bzw. jenseits der irdischen Zeit). Diese Suche wird in sieben Büchern dargestellt, das beeindruckende sechste Buch schildert die Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs im engen Raum eines Budapester Luftschutzkellers. Das letzte, als Epilog zu verstehende Kapitel vermisst anhand der hinterlassenen Schriften des Mihály Bormester die Möglichkeiten menschlichen Lebens. Eva Haldimann würdigt "Karnevál" als "eine grandiose, apokalyptische Ganzheitsvision von Erfassbarem und Unfassbarem, eine Illustration der These, dass "unser Sein eine Aufgabe ist, die unsere Fähigkeiten übersteigt", die in ihrer Maßlosigkeit betroffen macht."

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