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Gyula ILLYÉS
( 1902 - 1983 )

» Petőfi (1936)
» Pusztavolk (1936)

Biographie

1902 (2. November) in Felsőrácegrespuszta geboren
1916 nach der Trennung der Eltern Umzug mit der Mutter nach Budapest
1922 Aufenthalte in Wien, Berlin und Paris, wo er an der Sorbonne literarische und psychologische Studien betreibt
1924 erste Publikationen in Emigrantenblättern, auch in Lajos Kassáks aktivistisch-expressionistischer Ma (Heute)
1926 Rückkehr nach Ungarn, Redakteur mehrerer Zeitschriften, gehörte dem Nyugat-Kreis an
1928 erster Gedichtband "Nehéz föld" (Schweres Land)
ab 1937 Auslandspressereferent bei der Nationalbank
1941 Herausgeber der Zeitschrift Magyar Csillag (Ungarischer Stern) in der Nachfolge der Zeitschrift Nyugat; März 1944 Verbot, Abtauchen in die Illegalität
1946 Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
1956 ergreift mit seinem Gedicht "Ein Satz über die Tyrannei" Partei im Volksaufstand 1956
1965 vorsichtiges Arrangement mit der offiziellen Kulturpolitik
1966 als Gast des P.E.N. in New York
1983 (15. April) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1931 Baumgarten-Preis; 1948, 1953, 1970 Kossuth-Preis; 1966 Le Grand Prix International de Poésie; 1970 Wiener Herder-Preis; 1974 höchste Stufe der französischen Ehrenlegion; 1977 Lorbeerkranz der Volksrepublik Ungarn; 1978 Prix des Amitiés Françaises; 1981 Mondello-Preis (Italien)

Petőfi
1936

In dem biographischen Essay versucht Illyés mit suggestiver Kraft die Person des jung verstorbenen Dichters, der als eine der wichtigsten ungarischen Identifikationsfiguren gilt, menschlich nahe zu bringen. Er analysiert die biographischen Fakten und Werke unter ästhetischen, psychologischen und soziologischen Aspekten, um die politischen Ansichten Petőfis zu bestimmen. So schildert Illyés die von Entbehrungen geprägte Jugend, die Wanderjahre als Komödiant und Soldat, die Liebe zu Júlia und die Revolutionstage von 1848/49 – das Leben eines Ruhelosen, der der ungarischen Poesie Weltgeltung verschaffte und dem Heinrich Heine „in Deutschland nichts an die Seite zu setzen“ wusste.

Pusztavolk
1936

Illyés gehört zu den Initiatoren und Leitfiguren der volkstümlichen Schriftstellerbewegung und war aktiv an der Erarbeitung der ideologischen Grundlagen des ungarischen Populismus beteiligt. Mit seinem autobiographisch geprägten Bericht Puszták népe (Pusztavolk) legte er ein Musterbeispiel der literarischen Soziographie vor. Das ungarische Wort 'puszta' meint außer den Ödflächen der Tiefebene den ehemaligen, hauptsächlich in Transdanubien vorkommenden Typ einer Kleinsiedlung im Umkreis eines Herrenhauses. "Das meist nur aus wenigen Häusern bestehende Dorf von etwa hundert Einwohnern umfasste den herrschaftlichen, parkumgebenen Landsitz des Grundbesitzers, eine kleine Kirche, ein baufälliges Schulgebäude und die ärmlichen Hütten des Pusztavolkes, der von den Launen der Witterung und des Grundherrn gleichermaßen abhängigen Landarbeiter ohne eigenen Grund und Boden." (Mátyás Sarközi) Illyés gibt in seinem Buch eine detaillreiche Darstellung ihres Lebens, ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, Sitten und Bräuche. In die vielen exakten Einzelbeobachtungen mischen sich auch persönliche Betroffenheit und Sympathie, denn der Autor war selbst in der Puszta geboren und aufgewachsen. Und dennoch handelt es sich nicht um einen reinen Tatsachenbericht, sondern letzten Endes um eine Erzählung, in deren "Weltbild die Doppelwertigkeit vorherrscht. Einerseits berichtet der Erzähler von der erschütternden Armut, andererseits blickt er aber elegisch zurück auf seine verschwundene Kindheit" (Mihály Szegedy-Maszák). Das Erscheinen des Buches löste eine Sensation aus, denn bis dahin war das Pusztavolk noch kein Gegenstand weder wissenschaftlichen noch politischen Interesses.

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