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Biographie

1825 (18. Februar) in Komárom (Komárno, Slowakei) geboren
1841-1842 Schüler am Reformierten Kollegium von Pápa, Beginn der Freundschaft mit Sándor Petőfi, einem der bedeutendsten ungarischen Dichter, geschlossen
1842-1844 Jurastudium in Kecskemét und Pest (Budapest)
1847 Redakteur der beliebten Zeitschrift Életképek (Lebensbilder), die zum Sprachrohr der jungen Literaten wurde
1848 einer der Führer der revolutionären Bewegung, an der Abfassung der 12 Punkte beteiligt
1854 beliebter Journalist bei Vasárnapi Újság (Sonntagszeitung) und bei anderen Blättern; korrespondierendes Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, ab 1861 ordentliches Mitglied und 1892 Mitglied des Präsidiums
1860 Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft
1861-1896 Abgeordneter der Landesversammlung, Vertrauter des liberalen Ministerpräsidenten Kálmán Tisza (1875)
1863-1882 unterstützte mit der Zeitung A hon (Die Heimat) die Politik Tiszas
nach 1870 große Auslandsreisen
1894 anlässlich des 50. Jahrestags seines schriftstellerischen Wirkens Edition der einhundert Bände umfassenden Jubiläumsausgabe seiner Gesammelten Werke (1894-1898)
1897 durch den König ins Magnatenhaus berufen
1899 Heirat der damals zwanzigjährigen Bella Nagy
1904 (5. Mai) in Budapest gestorben

Ein ungarischer Nabob
1853-54

Zwischen 1853 und 1855 entstanden die zwei bedeutenden Romane "Egy magyar nábob" (Ein ungarischer Nabob) und die Fortsetzung, "Kárpáthy Zoltán" (Zoltán Kárpáthy), die die Auseinandersetzungen der Reformzeit thematisieren. Der alte, rückständige Kárpáthy, Hauptheld des ersten Romans, verbringt seine Tage mit Nichtstun, Essen und Trinken in Gesellschaft der Kleinadligen der Gegend. Sein Neffe Abellino führt in der Hoffnung auf das zu erwartende Erbe ein ähnliches Leben in Paris. Diese Hoffnung zerschlägt sich allerdings, als János Kárpáthy sich eine blutjunge Frau nimmt, die ihm einen Sohn schenkt. Jókai schildert in prächtigen Anekdoten und Genrebildern, der bevorzugten Gattung der romantischen Volkstümlichkeit, das Wesen von Menschentypen, vornehmlich den ungarischen Adligen in der so genannten Reformzeit. Fast unberührt von politischen Bewegungen oder Ideologien stellt er die Fehler und Unzulänglichkeiten seiner Figuren dar, aus den charakterlichen Mängeln entspringt sein Humor. In der Darstellung des Helden in Kárpáti Zoltán zeigt sich Jókais optimistische Fabulierfreude, die idealistisch verklärte Zeichnung seiner Person hat durchaus märchenhafte Züge. Die Vermischung realistischer Erzählweisen mit märchenhaften Momenten machte den großen Erfolg beim damaligen Lesepublikum im In- und Ausland aus.

Die Baradlays
1869

Nach 1867, dem Jahr des österreichisch-ungarischen Ausgleichs, verfolgte Jókai vor allem das Konzept des heroischen Romans, die Themen waren den verschiedenen Unabhängigkeitskämpfen Ungarns entnommen. Mit "A kőszívű ember fiai" lässt er die bewegte Zeit der Revolutionstage von 1848/49 in einer monumental aufgebauten Handlung wieder lebendig werden. In der literarischen Gestaltung der Freiheitskriege, einer Art Heldendichtung des Freiheitskampfes, schaffte Jókai eine historische Identifikationsfolie für das kulturelle Gedächtnis der ungarischen Gesellschaft. Trotz einiger Kritik gelang es, dass "ein Epos, das den Ruhm der Nation thematisierte, zur populären Lektüre, zu einer wirklich bewusstseinsformenden Kraft" wurde. (László Rónay) Kasimir Baradlay, der "Mann mit dem steinernen Herzen", lehnt als konservativer Gutsherr große Veränderungen, die die alte feudale Ordnung gefährden könnten, ab. In seinem letzten Willen verfügt er daher für seine drei Söhne entsprechende Positionen, auf denen sie die alte Hierarchie verteidigen sollen. Seine Frau Marie wirkt allerdings mit einer liberalen, ungarisch-nationalen Erziehung auf die Söhne ein, so dass sie in der Zeit der Revolution und des Freiheitskampfes ihre Verantwortung heroisch wahrnehmen. Ödön, der älteste Sohn, spielt in der ungarischen Freiheitsbewegung als Obergespan eine wichtige Rolle, sein Bruder Richard ist Husarenrittmeister in Wien. Der jüngste Bruder Jenő ist in einem Wiener Ministerium tätig. Da er wegen seiner weniger aktiven Teilnahme an den Freiheitskriegen im Gewissenskonflikt steht, übernimmt er die Rolle des ältesten Bruders als Angeklagter vor dem Kriegsgericht und wird zum Tode verurteilt.

Ein Goldmensch
1872

"Az aranyember" gilt als beliebter Roman Jókais. Die Hauptfigur ist der reiche Kaufmann Mihály Timár, ein mutiger und geschickter Donauschiffer, der zufällig in den Besitz des beträchtlichen Vermögens eines türkischen Kaufmanns gelangt. Auf seinem Totenbett nimmt der türkische Kaufmann Timár das Versprechen ab, sich um seine Tochter zu kümmern. Trotz fehlender Liebe auf beiden Seiten heiraten sie, die Ehe wird aber nicht glücklich, obwohl der Kaufmanns außerordentlich erfolgreich seine Schätze vermehrt. Timár flieht aus der auf Geld und Reichtum fixierten bürgerlichen Welt, um auf einer verborgenen Donauinsel schließlich sein wahres Glück zu finden. Diese Niemandsinsel steht für das ersehnte und doch unerreichbare Paradies.

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