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Biographie

1880 (10. Juni) in Nagykároly (heute Carei, Rumänien) geboren
1886 nach dem Tod des Vaters in verschiedenen Schulen erzogen
1898 in einer Klosterschule Abschluss mit dem Lehrerdiplom, danach Unterrichtstätigkeit in Miskolc
1899-1902 Weiterbildung und Abschluss mit dem Lehrerdiplom für Bürgerschulen in Budapest
1905 Heirat mit dem Forstingenieur Brunó Fröhlich, 1910 Scheidung
1906 Geburt des Sohnes László
1907-1915 Arbeit als Lehrerin an Budapester Mädchenschulen
1910 schloss sich dem Kreis um die Zeitschrift Nyugat (Westen) an
1911 Reise nach Paris, 1913 nach Rom
1914 Eheschließung mit dem zehn Jahre jüngeren Arzt Ervin Bauer
1914-1918 Aufenthalt in Temesvár (heute Timişoara, Rumänien), wo ihr Mann im dortigen Krankenhaus arbeitete
1918 (1. Dezember) starb sie zusammen mit ihrem Sohn an der spanischen Grippe

Farben und Jahre
1912

Magda Pórtelky, eine vereinsamte, alte Frau erzählt retrospektiv ihre Lebensgeschichte. Aus dem verarmten ungarischen Landadel stammend, blieb ihr als Frau nur der Weg in eine Ehe, die seinerzeit von der Familie arrangiert und von gesellschaftlichen Codes geregelt wurde. Bis dahin hatte Magda unter der Obhut ihrer Großmutter ein unbeschwertes Leben geführt, hatte auf den Bällen die anerkennenden Blicke der Männer genossen und sich um ihre materielle Situation keine Sorgen gemacht. Den zunächst geäußerten Widerstand gegen eine Heirat mit dem nicht ganz standesgemäßen, aber noch annehmbaren Jenő Vodicska gibt sie schließlich auf und sucht in der Einrichtung des ehelichen Heimes, in der Mutterrolle und den wachsenden Repräsentationspflichten ihre Befriedigung. Ihrer Ehe ist jedoch kein Glück beschieden, denn Vodicska ist in tiefe Schulden geraten, um die Wünsche seiner ehrgeizigen jungen Frau erfüllen zu können. Als die erhoffte Beförderung ausbleibt, nimmt sich Vodicska das Leben. Um nicht weiter auf die Gunst der Verwandtschaft angewiesen zu sein, heiratet Magda einen erheblich älteren Anwalt und bekommt noch drei Töchter. Auch diese Ehe scheitert und endet schließlich mit dem Tod des alkohol- und spielabhängigen Anwalts. Magda setzt ihre gesamte Kraft ein, um ihren Töchtern eine mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit und vor allem Bildung zu ermöglichen, damit sie einmal ein eigenständiges, erfülltes Leben führen können. Zsigmond Móricz, einer der damals führenden Literaten Ungarns äußerte sich anerkennend über den Roman: "Die Schicht der ungarischen Gesellschaft, die Margit Kaffka literarisch vermittelt, hat noch niemand so beschrieben, noch nie jemand zu beschreiben vermocht. Auch konnten viele einen solchen besonderen Extrakt menschlichen Lebens, der von weiblichem Blick, weiblicher Lebenserfahrung und weiblichem Talent zeugt, gar nicht vermitteln: Dieser Roman ist das Ergebnis wahren schriftstellerischen Talents." Die Autorin hat sich mit dem Roman auch in den aufkommenden Diskurs um Geschlechterfragen eingeschaltet.

Márias Jahre
1913

In dem erfolgreichen Roman "Farben und Jahre" hat Margit Kaffka den Untergang der ungarischen Provinz-Gentry und ihrer Lebensform beschrieben, die Erinnerungen der Magda Pórtelky knüpfen sich an melancholische Nachmittage, an düstere Bilder und vergilbte Gesichter, die die Autorin in impressionistischen Farben stimmungsvoll inszeniert. Márias Jahre, das folgende größere Werk, ist ein psychologischer Roman, in dessen Mittelpunkt wiederum ein Frauenschicksal - das der nächsten Generation - steht. Die Ehe der Heldin ist unglücklich, sie aber sehnt sich nach einem erfüllten Leben und hat sich deshalb zwischen der kleinbürgerlichen Enge und der extremen Freiheit zu entscheiden. Anknüpfend an den Roman "Farben und Jahre" wird eine Utopie weiblicher Subjektivität entworfen, die auch in den folgenden Romanen auf ihre Einlösbarkeit hin befragt wird. Auch im umfangreichsten Roman, "Stationen" (1914), geht es um den Lebensweg einer Frau. Sie versucht, sich in der Hauptstadt als Künstlerin zu behaupten. Margit Kaffka zeichnet ein genaues Bild von der literarischen Szene um die Zeitschrift Nyugat (Westen), die für die Erneuerung der ungarischen Literatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht, und entfaltet ein umfassendes Panorama der Künstlerkreise im damaligen Budapest.

Ameisenhaufen
1917

Der Schauplatz des letzten Romans ist die geschlossene Welt einer Klosterschule. Anlässlich der Wahl einer neuen Oberin treffen konservative und liberale Erziehungsideale aufeinander. Mit Hilfe verschiedener Perspektiven wird das "Gewimmel" des abgeschlossenen Ortes in den Blick genommen, dabei entfaltet sich von jedem Blickpunkt aus eine Ereigniskette. Die zwei wesentlichen Handlungsstränge tragen die Komposition des Romans: zum einen die Nachfolge der sterbenden bzw. dann verstorbenen Oberin und zum anderen die Geschichte der Erzsi Király, die sich mit dem Diplom in den Händen aus der Enge des Klosters befreit. Die Autorin konnte sich auf ihre eigenen Erlebnisse als Schülerin verschiedener Klosterschulen stützen, dieses Motiv hatte auch schon in Erzählungen und Gedichten Eingang gefunden. Der Roman wurde von der konservativen Kritik als antiklerikaler Tendenzroman angegriffen, Aladár Schöpflin, ein Zeitgenosse der Kaffka, hebt die genaue Beobachtungsgabe der Autorin hervor, mit der sie die Ereignisse in der Klosterschule als konzentrierte Erlebnisse des Lebens darstellt. Mit Margit Kaffka fand endlich auch eine Frau den Weg in den ungarischen Literaturkanon: "Ihr Schreiben vermittelt den Eindruck von jemandem, der unvermittelt zu Bewusstsein kommt: eine lange Reihe seelisch schlummernder Frauengenerationen erwachen und sehen sich zum ersten Mal mit klaren Augen um." (Aladár Schöpflin)

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