Autorenseite

Biographie

1925 in Budapest geboren
1943 Abschluss des Gymnasiums
1944 Verschleppung in das Zwangsarbeitslager Bor; Befreiung durch die Partisanen
1944 – 1951 Emigration nach Palästina, Soldat bei der israelischen Armee
1951 Rückkehr nach Ungarn, wo er zunächst als Maurer arbeitet
1955 – 1956 am Kisfaludi-Theater in Győr als Dramaturg tätig
1956 – 1958 Mitarbeiter beim Ungarischen Rundfunk
1958 – 1965 Dramaturg beim Staatlichen Puppenspieltheater
1972 – 1974 Dramaturg beim Staatlichen Puppenspieltheater
1975 – 1990 Mitarbeiter der literarischen Zeitschrift Élet és Irodalom
1990 – 1994 Mitarbeiter bei der Zeitung Kurír
1994 – Mitarbeiter bei der literarischen Zeitschrift Élet és Irodalom
1997 (22. November) in Budapest gestorben

Preise
Attila-József-Preis (1978), Tibor-Déry-Preis (1984), Aranytoll-Preis (1992), Gyula-Krúdy-Preis (1993), Literatúra-Preis (1995), Márai-Preis (1997)

Die sieben Tage des Abraham Bogatir
1968

Das Werk spielt 1947 in Palästina, der Held des Romans ist ein in Russland geborener Siedler mittleren Alters, Abraham Bogatir, ein Kommunist, der sich in den zwanziger Jahren in Palästina niedergelassen hat. Er glaubt nicht an die Gewalt, seine Weltanschauung ist durch die alltäglichen Begebenheiten des Lebens bestimmt, durch die Arbeit, die Liebe, die zwischenmenschlichen Beziehungen. Trotz dessen entscheidet er, David, dem jungen Terroristen, Unterschlupf zu gewähren. Das Weltbild des jungen Mannes ist ideologisch stark geprägt, er schreckt vor nichts zurück, nicht einmal vor dem Auslöschen von Menschenleben, denn er lebt nach dem Motto: Das Ziel heiligt die Mittel. Kardos schildert in seinem Roman mittels der Entfaltung und Konfrontation dieser beiden Lebensanschauungen die komplizierte politische Situation der unter britischer Oberhoheit stehenden Region Palästina, die angespannten ethnisch-religiösen Gegensätze, das Zusammenleben von Arabern, Juden und Briten, das ab der zweiten Hälfte der vierziger Jahre zunehmend stärker von Konflikten belastet ist und immer schwieriger wird. Dieses Verhältnis führt schließlich zu blutigen bewaffneten Auseinandersetzungen, an deren Ende die Entstehung des Staates Israel steht. In seinem autobiografisch inspirierten Roman beschreibt György G. Kardos den Zustand der Jahre vor der Staatsgründung komprimiert in den Ereignissen einer Woche. Dem Roman wurde 1968, als er erschien, sowohl von Seiten der Kritik als auch bei den Lesern große Anerkennung zuteil.

Zapfenstreich
1971

Der zweite Teil von György G. Kardos' Palästina-Trilogie spielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Gedera, in einem heruntergekommenen Lungensanatorium von bedrückender Atmosphäre. In dem schäbigen Sanatorium von Professor Mendez, eingekeilt zwischen arabischen und jüdischen Siedlungen, werden jene lungenkranken polnischen Soldaten - die Mitglieder der so genannten Anders-Armee - gepflegt, die im Krieg als Kontingent der britischen Armee kämpften und nun - neben ihrer schweren Erkrankung - unter der verworrenen politischen Situation nach dem Krieg und ihren zerfallenden nationalen Träumen leiden. Das Sanatorium ist im Grunde genommen eine Sterbeklinik, für die Patienten gibt es keine Chance, geheilt zu werden, sie warten hier auf ihren Tod. Die stickigen Krankensäle werden durch die Erinnerung an die europäischen und afrikanischen Kriegsschauplätze, an die gegenseitig zugefügten Verletzungen, durch das ständige Aufbrechen der körperlichen und historischen Wunden noch unerträglicher. Der einzige Mensch, der versucht, seine Würde und Menschlichkeit zu bewahren, der Rache und andere niedere Instinkte ablehnt, ist der im Sterben liegende Oberst Bugajski, ein einstiger Diplomat, ein strenger Soldat alter Schule. Die Patienten pflegt Abed, ein junger Araber, der sowohl polnisch als auch hebräisch und englisch spricht. Kardos schildert diese traurige Welt voller Bitterkeit, die Abed unverständlich und merkwürdig erscheint, aus dessen reinem, kindlich unschuldigen Blickwinkel.

Das Ende der Geschichte
1977

"Das Ende der Geschichte" ist der dritte Band der Palästina-Trilogie Kardos'. Das Werk spielt kurz nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg, in der Anfangszeit der Entstehung des Staates Israel. Der Protagonist des Romans ist ein junger Soldat namens Uri, der seinen Militärdienst in einem Lager fünfzehn Meilen von Beer Sheva entfernt leistet und sich dann nach seiner Entlassung aus dem Militär auf den Weg nach Gedera macht. Uri, der Ich-Erzähler, erkennt während seiner Reise die Tragödie des Sieges, die problematischen Umstände der Entstehung des neuen Staates. Es berührt ihn, dass die einstigen Verfolgten nun ihre ehemaligen Schicksalsgenossen, die arabischen Fellahs, von ihren Feldern vertreiben. Er selbst versucht, seine gute Laune, seinen Humor zu bewahren und die Menschen, denen er bei seiner Reise begegnet, zur Einsicht zu bringen. Die Versöhnung wird durch die große Politik (bis zum heutigen Tage) allerdings nicht begünstigt. So schreibt György G. Kardos, "das gemeinsame Schicksal ist nicht in der Lage, die Vielfältigkeit zusammenzuhalten". Die schwerwiegenden Spannungen, der erwachende und durch die Politik angeheizte Nationalismus, die verzweigten ethnischen, religiösen, sprachlichen und kulturellen Gegensätze lassen für die Zukunft nicht viel Gutes erhoffen. Im Laufe des Romans erkennt Uri, dass die Rückkehr nach Ungarn die einzige Lösung für ihn wäre. Dies ist das Ende der Geschichte, doch nur der Geschichte Uris, das heißt György G. Kardos'. Die große Geschichte des Nahen Ostens hat jedoch, bestimmt durch die gleichen Anspannungen und Konflikte, bis zum heutigen Tage kein Ende gefunden.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN