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Ferenc KARINTHY
( 1921 - 1992 )

» Epopöe (1970)

Biographie

1921 in Budapest geboren
1941-45 studiert Ungarisch, Italienisch und Englisch, Doktor der Linguistik
1947 Stipendien in Frankreich, in der Schweiz und in Italien
1948 Baumgarten-Preis
1949-50 Dramaturg des Nationaltheaters
1950, 1954, 1974 Attila-József-Preisträger
1951-53 Mitarbeiter der Zeitungen Szabad Nép und Magyar Nemzet
1953-56 Dramaturg am Budapester Madách-Theater
1955 Kossuth-Preis
1957-60 übersetzt die Werke von Machiavelli und Molière
1965-75 Dramaturg an Schauspielhäusern in Miskolc, Szeged und Debrecen
1968-69 Vortragsreisen in den USA
1972-76 zu Gast bei Schriftstellerverbänden in den USA, Australien, der Sowjetunion und Kuba
1992 stirbt am 29. Februar in Budapest

Baumgarten-, Attila-József- und Kossuth-Preisträger

Epopöe
1970

Mal der Turmbau zu Babel, mal Gullivers Reisen und schließlich Kafkas Prozeß. Budai fliegt zu einem Kongreß nach Helsinki, doch die Maschine landet unter mysteriösen Umständen anderswo, in einer immensen, ihm unbekannten Stadt. Darüber hinaus ist ihm, dem gebildeten, polyglotten Ungarn, der dreißig Sprachen spricht, Linguist und Spezialist für Etymologie, das dort gesprochene Idiom vollkommen unverständlich. Die fremde Sprache erweist sich all seiner Bemühungen und Methoden resistent. Er versteht kein Sterbenswort. Während er verzweifelt versucht, auf seinen ursprünglich eingeschlagenen Weg zurückzugelangen, umfangen ihn die Mauern des Unverständnisses immer enger. Hinter der familiär, bekannt anmutenden Fassade einer großen, modernen Stadt scheint alles fremd und inhuman. Die Unmöglichkeit der Kommunikation beschert Budai einen Gefängnisaufenthalt, aber auch ephemere Liebeleien. Schließlich nimmt er selbst an einem Aufstand teil, von dem er nicht die Bohne versteht. Der Wissenschaftler verwandelt sich in einen ungebildeten und armen Immigranten in einem infernalischen Labyrinth. Alle minutiösen Beschreibungen, wissenschaftlichen Hypothesen, linguistische Experimente und menschlichen Versuche, diese utopische Welt zu verstehen, scheitern. Wo sind wir? Wo befindet sich dieses absurde Land, in dem Einsamkeit, Gleichgültigkeit, Unverständnis und Kommunikationslosigkeit herrschen? Karinthys allegorischer Roman, voll grimmigen Humors erschien im Jahre 1970, zu Zeit der "moderaten Diktatur". Ein großes Werk. Pardon, ich vergaß zu erwähnen, dass Budai im Flugzeug einschläft...

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