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Biographie

1887 in Budapest geboren
1893 Tod der Mutter
1906 erste Publikationen in Zeitungen
1908 beginnt in der Zeitschrift Nyugat (Westen) zu publizieren
1931 Einladung zu einer internationalen Konferenz
1936 Hirnoperation in Schweden
1938 stirbt in Siófok

Die Reise nach Faremido
1915

"Die Reise nach Faremido" ist eine gesellschaftskritische Satire, die im Gewand einer phantastischen Reise à la Jonathan Swift daherkommt und in letzter Konsequenz Karinthys Pazifismus herausstreicht. Sie beleuchtet die moralische Ordnung einer sich selbst vernichtenden Menschheit und deren gedanklichen Mechanismen. Gulliver nimmt als Wundarzt an Kriegshandlungen teil. Dank der Kämpfe kann er Wunden kennenlernen, die ihm im zivilen Leben nie begegnet wären. Der Krieg erweist sich also als "nützlich" für die Fortentwicklung der Chirurgie. Gulliver zieht als "Freiwilliger", allerdings wird seine Entscheidung durch eine Einberufung bestärkt. Schließlich flieht der Wundarzt von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges in ein unbekanntes Reich, nach Faremido, dessen Bewohner die Menschheit für eine parasitäre Krankheit halten, die sich allerdings selbst auffressen wird. In Faremido leben sonderbare Maschinenmenschen. Musik ist ihre Sprache, ihre Hirne Quecksilber, ihre Augen ähneln fotographischen Geräten. Die Bäume haben Menschengestalt. Die Parodie als Methode und die Phantastik als Mittel die Sinnlosigkeit zu entlarven bilden eine Versuchsanordnung, mit der sich die Sinnlosigkeit der wirklichen Welt darstellen läßt. Die Entlarvung ruft allerdings keine Verblüffung, sondern Gelächter hervor. "Die Reise nach Faremido" ist eine bissige Satire auf Kriegsbegeisterung und Kriegshysterie. Der Reiseband, ebenso wie seine Fortsetzung "Capillaria" (Gullivers sechste Reise) (1921), in dem Karinthy die Geschlechtsverhältnisse zwischen Mann und Frau aufdeckt und aufzeigt, daß sie nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen können, ist ein Science-Fiction-Roman, in den Fußstapfen der Schriften von H. G. Wells. Wie wahrhafte siamesische Zwillinge erschienen die beiden Bände bisher in deutscher Sprache immer in einem Umschlag.

Reise um meinen Schädel
1937

Karinthy beschreibt, nicht ohne Humor, die wahre Geschichte seiner Krankheit, die Hirnoperation in Schweden und seine Heilung. Es handelt sich nach Ansicht vieler Kritiker dabei um sein bestes Werk, eine eigenständige Schöpfung nicht nur in der ungarischen, sondern auch in der Weltliteratur. Die Krankheit trifft ihn überraschend, mitten im Alltagsleben seiner selbst und der Familie. Alle Ärzte, die er konsultiert, sagen etwas anderes. In der Wiener Klinik, in der seine Frau studiert, stellt sich heraus, dass der Schriftsteller Karinthy unter einem Gehirntumor leidet. Über Berlin begibt er sich zur Operation nach Stockholm. Der chirurgische Eingriff wird ausführlich beschrieben, hier finden wir nicht nur das niedergeschrieben, was er selbst erlebte, sondern hier schöpft er auch aus den Beobachtungen und Erfahrungen seiner Frau, die an der Operation teilnahm. In einer zweiten Erzählschicht teilt der Autor seine eigenen Gedanken und Gefühle mit. Auf der Schwelle des Todes stehend, berichtete Karinthy fast aus dem Jenseits. Das Kapitel beschreibt den Sieg des menschlichen Willens und der Kunstfertigkeit der Mediziner über ein bösartiges, niederträchtiges Geschwür. Bei jeder Bewegung im Hirn hört er den Nordwind knistern und brausen, in dem der Patient versucht mit dem Arzt im gleichen Rhythmus zu atmen, will er dessen Rettungswerk so gut wie möglich unterstützen. In nächsten Kapitel sieht er sich schon im heimischen Budapest, läßt seine Freund Revue passieren, die lebenden, wie die toten. Es folgt die Beschreibung seiner Genesung. Die 1001. Operation des schwedischen Professors gelingt, der Schriftsteller ist befreit von allen Symptomen der Müdigkeit und Niedergeschlagenheit und mit unverminderter Energie kann er sich wieder seinem Schaffen widmen. Er macht sich gegen den Rat seiner besorgten Freund an die Niederschrift der Operation, im Kaffeehaus "Central" auf Rechnungszettel.

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