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Biographie

1887 (21. März) in Érsekújvár (heute Nové Zámky, Slowakei) geboren
1899 Gymnasium abgebrochen, Tätigkeit als Schlossergehilfe in seiner Heimatstadt und in Győr
1904 Eisenarbeiter in Budapester Werken und Werkstätten; Teilnahme an den politischen Kämpfen der Gewerkschaften, schloss sich den kulturellen Aktivitäten der Vereine an, lernte seine spätere Frau, Jolán Simon (1885-1938), kennen
1909-1910 zu Fuß von Budapest nach Paris
1912 erstes Buch erschienen
1915-1916 Redakteur der ersten ungarischen avantgardistischen Zeitschrift A Tett (Die Tat)
1916-1925 Redakteur der Zeitschrift Ma (Heute), die Kassák nur Wochen nach dem Verbot von A Tett gründete
1919 Mitglied des Schriftstellerdirektoriums; Auseinandersetzung mit Béla Kun, der an der Spitze der Räterepublik stand
1920 Emigration in Wien, wo er die Zeitschrift Ma erneut herausgab
1926 Rückkehr nach Ungarn, Herausgabe mehrerer künstlerischer und gesellschaftlicher Zeitschriften (Kortárs, Zeitgenosse; Dokumentum, Dokument; Munka, Arbeit), denen keine lange Lebensdauer beschieden war
1936 Gefängnisstrafe wegen des Bandes "Kommune" aus dem autobiographischen Zyklus "Egy ember élete" (Das Leben eines Menschen)
1945-1947 Herausgabe der Zeitschrift Új Idők (Neue Zeiten)
ab 1946 Vizepräsident des Künstlerischen Rates; 1947 sozialdemokratischer Abgeordneter
ab 1949 zum Schweigen verurteilt, seine Werke konnten nicht erscheinen, 1953 Ausschluss aus der Partei
1956 Rückkehr ins Literaturleben, 1957 Ausstellung seiner bildkünstlerischen Werke in Budapest
1960-1967 Ausstellungen im Ausland
1967 (22. Juli) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1965 Kossuth-Preis

Das Pferd stirbt und die Vögel fliegen aus
1922

Das 1922 in Wien entstandene Poem "Das Pferd stirbt, die Vögel fliegen aus" hat eine zentrale Stellung in Kassáks Dichtungen inne. Das in freien Rhythmen gestaltete epische Gedicht erzählt von der Vagabondage des Dichters quer durch Europa nach Paris und nimmt in seiner sprachlichen Innovation und assoziativen Komposition Gestaltungselemente der zeitgenössischen Dichtung vorweg. Das Wiener Exil war eine Zeit, in der Kassák künstlerisch sehr aktiv war und sich neuen Strömungen öffnete (z. B. dem Konstruktivismus in seiner Malerei).

Das Leben eines Menschen, dt. Als Vagabund unterwegs, 3. Band
1928-1935

Das achtbändige Leben eines Menschen gilt als eines der Meisterwerke der autobiographischen Literatur. Darin schildert Kassák sein Leben bis zur Emigration: die Entscheidung als Kind, einen eigenen Lebensweg einzuschlagen, die Entwicklung vom einfachen Schlosserlehrling bis zum akzeptierten Künstler. Die Reiseaufzeichnungen seiner Wanderung nach Paris liegen auch in deutscher Sprache vor (Als Vagabund unterwegs, 1979): "Bettelnd und schnorrend zieht der junge Ungar im Jahre 1907 durch die Slowakei, durch Österreich, Deutschland, Belgien und Frankreich, schließt staunend erste Bekanntschaft mit den schönsten Schätzen europäischer Kultur, teilt in Obdachlosenasylen sein Quartier mit Landstreichern und lauscht in den Heimen der Arbeitervereine den Debatten zwischen russischen Emigranten, Anarchisten und Sozialisten. Anregende wie enttäuschende Erlebnisse schärfen seinen Blick und lassen ihn auch die Stadt seiner Träume, die Metropole an der Seine, nun viel nüchterner sehen." (Klappentext)

Gesammelte Gedichte, 2 Bde
1970

Lajos Kassák zählt zu den herausragenden Künstlern auf dem Gebiet der Literatur und bildenden Kunst der europäischen Avantgarde und hatte als Protagonist in Ungarn eine entsprechende Wirkung auf die dortige literarische Entwicklung. Sein Oeuvre umfasst mehr als 2000 Gedichte, Sonette, Oden und Epen. Aber auch als Prosaschriftsteller konnte er sich einen Namen machen, u.a. mit Romanen, die das proletarische Leben darstellen, und autobiographischen Schriften. Daneben verfasste er auch eine Vielzahl von Kritiken, Aufsätzen und publizistischen Arbeiten. Nicht zu vergessen ist seine Tätigkeit als Übersetzer, u. a. von Walt Whitman. Der erste Gedichtband "Eposz Wagner maszkjában" (dt. Epos in Wagners Maske) mit seinen expressiven freien Versen erregte sofort Aufmerksamkeit. Kassák brachte in seiner Dichtung eine konsequente Antikriegshaltung zum Ausdruck, so imitieren die onomatopoetisch gefärbten Zeilen (z. B. "Brr...bum......bum...bum") das Furcht erregende Einschlagen von Geschossen. Eine besondere Sympathie galt der Arbeiterbewegung, die in dem Gedicht "Mesteremberek" (Handwerker) zum Ausdruck kommt. Trotz seiner Solidarität mit der Revolution von 1918 und der ungarischen Räterepublik gab Kassák nicht seine ideologieunabhängigen künstlerischen Prinzipien preis, was ihm Béla Kuns persönliche Verurteilung der Zeitschrift Ma (Heute) als "Produkt bourgeoiser Dekadenz" einbrachte. Im Wiener Exil entstanden u. a. die numerierten Gedichte und Beispiele für die Entwicklung seiner visuellen Lyrik ("Képköltemény", Bildgedicht). Nach seiner Rückkehr nach Ungarn musste er feststellen, dass die avantgardistische Bewegung kaum noch aktiv war, was eine Isolierung seiner Person nach sich zog und sich in einer Reihe kontemplativ-philosophischer Gedichtbände artikulierte ("Ajándék az asszonynak", Meiner Frau zur Gabe; "Fújjad csak furulyádat", Spiele nur deine Flöte). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Kassák nicht bereit, seine Kunst in den Dienst des stalinistischen Personenkults zu stellen, er hatte zehn Jahre Publikationsverbot. Erst fast siebzigjährig konnte er nochmals mit einigen lyrischen Sammlungen Zeugnis von seiner poetischen Kunst ablegen, das Motto des Bandes "Vagyonom és fegyvertáram" (Mein Besitz und meine Waffenkammer) fasst das Credo seines Lebenswerks zusammen: "Bin jedermann bekannt und dennoch allen fremd. Grab meine Wurzeln aus, zähl meine Zweige, und du wirst mein Geschwister sein."

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