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István KEMÉNY
( 1961 )

» A Kafka-paradigma (1993)
» Lebendige Sprache (2006)
» Lieber Unbekannte (2009)

Biographie

Lebendige Sprache
2006

In diesem Lyrikband rechnet der reife Mann mit seinem bisherigen Leben ab, was zugleich auch eine historische und existenzielle Abrechnung ist. Das zentrale Motiv des Bandes ist der Tod. In dem titelgebenden Gedicht führt der Dichter ein Gespräch, mit einer Poetik, die zur lebendigen Sprache degradiert ist. Durch den Band zieht sich eine einzige Geschichte: der angekommene Mann betrachtet seine Familie, die Arbeit, sein Leben, gelangt bis zum Kain-Mythos und beginnt vor der Berührung durch den Tod zu fliehen. Den Anfangs- und Endpunkt des Bandes zeigt jeweils ein zufällig gefundener Handschuh an. "Ein sehr bedeutender Dichter erklärt hier, bescheiden und selbstbewusst, affirmativ und zweifelnd: 'Hier stehe ich nun, / und weiß, was ich weiß' - und als Leser können wir ruhig mit Freude sagen: Dieser Dichter, der hier steht, weiß außerordentlich viel." István Margócsy, Élet és Irodalom "Verwundbare Ehrlichkeit und Selbstironie, Humor und Melancholie..." Győző Ferencz, Népszabadság

Lieber Unbekannte
2009

Lieber Unbekannte ist der mit viel Hingabe, Sorgfalt und Fleiß geschriebene Roman eines bedeutenden, gewichtigen Dichters. Ein Buch, in dem der persönliche Bezug eindeutig spürbar ist. Hinter dem Unbekannten des Titel verbirgt sich das unbekannte Leben, die unbekannte Welt, welche der junge Protagonist des Romans, Tamás Krizsán, näher kennen lernen will. In dieser Hinsicht ist das Buch ein wahrhaftiger Abenteuerroman, das Weltentdeckungsabenteuer eines Jugendlichen. Der Erzähler – Tamás – erinnert sich an diesen Prozess, wobei er gleichzeitig ein Bild der letzten 40 bis 50 Jahre der ungarischen Geschichte zeichnet: angefangen mit Skizzen der 60er bis hin zum fein ausgearbeiteten Porträt der 80er. Der Blickwinkel des aus dem Erwachsenenalter auf seine Kindheit zurückschauenden Erzählers eignet sich besonders dazu, das damalige Leben, den voller Widersprüche steckenden Alltag aus heutiger Sicht zu interpretieren. Dabei stellt er seiner Familie ein Denkmal, rechnet aber zugleich mit ihr ab. Hier und da tauchen verstreut Tagebuchauszüge, Briefe, Gedichte und verschiedene andere Texte auf. Das Leben in der Literatur, die Selbstverständlichkeit der Kultur bestimmen das Bewusstsein des Erzählers. Diese Sicht wird durch die Metapher der Bibliothek unterstrichen. Unser Protagonist arbeitet in seiner Jugend in der Bibliothek, was aber noch wichtiger ist, er lebt förmlich hier. Dieser Ort ist der Ausgangspunkt zahlreicher Geschichten, die Wiege zahlreicher Entdeckungen. Ein verstecktes (oder gar nicht so verstecktes) Ziel jeder autobiographisch inspirierten Beschreibung ist, dem Erzähler die Möglichkeit zu geben, auch sich selbst zu treffen. Mit sich als lieben Unbekannten. Dazu muss er aber auch Unliebsamkeiten und Melancholie erforschen. Die Prosa des Romans wurde vom Dichter Kemény geschrieben. Was gleich mehrere Folgen hat: einerseits kann man den Text als einen lyrischen bezeichnen, der von dichten und originellen kleinen Szenen bereichert wird, andererseits ist die Sichtweise des Lyrikers auch in der Komposition, der Struktur, den Textverhältnissen spürbar (was in diesem Fall den Mangel einer epischen Sichtweise bedeutet). „Alles ist wahr und natürlich auch dessen Gegenteil, aber vor allem alles” – lautet das Motto des Romans. An seinen besten Stellen erweist sich István Keménys Roman als eine Kartographie dieses vor allem alles.

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