Autorenseite

Biographie

1949 (10. Mai) in Budapest geboren
1968–73 Regiestudium an der Hochschule für Darstellende Künste in Budapest
1974-78 Dramaturg beim Ungarischen Rundfunk
1975–89 Mitglied der demokratischen Opposition; Initiator ein kollektiv geführten Samisdat-Tagebuch ungarischer Intellektueller
1978-81 Synchronlektor beim Pannonia Filmstudio
1981–83 Dramaturg an verschiedenen Theatern in der Provinz
1984–89 Regieassistenz beim Ungarischen Film
seit 1989 Dramaturg und Berater an verschiedenen Budapester Bühnen

Wichige Preise:
1989 Attila-József-Preis; 1992 Sorospreis für das Lebenswerk; 1995 Preis der Soros-Stiftung; 1999 Ernő-Szép-Prämierung (1999)

Endlich lebst du, Erzählungen
1980

In seinem ersten Erzählband stellt Kornis grotesk-verzauberte, die Gesetze von Raum, Zeit und Logik auf den Kopf stellende Prosastücke vor. Sie entspringen dem sprudelnden Bewußtsein eines Kindes, das im Budapest der fünfziger Jahren aufwächst. Als faszinierendes Puzzle wird eine Familiengeschichte lebendig, ein Kleineleuteleben in Osteuropa, das bei aller Kleinbürgerlichkeit fünftausend Jahre Historie, Leid, Phantasie und Größe in sich trägt. Es geht um das jüdische Kleinbürgertum, das dezimiert überlebt hat und sich in der neuen Gegenwart des Landes zurechtfinden muß. Geschildert wird aus der Sicht des seine Eltern mit kritischem Blick betrachtenden Kindes. Vergangenheit und Gegenwart durchdringen sich dabei ebenso wie die vielfarbigen Sprachebenen, in denen neben der Alltagssprache Argot, Gemeinplätze, Kinderreime, Schlager- und Reklametexte, Lieder der kommunistischen Jungpioniere und grotesk verwandte Zitate ungarischer Klassiker als wahrer Sprachmüll einander jagen. "Mit diesen durcheinandergewürfelten Elementen, dem tausendfach gebrochenen Spiegel, wird eine nicht immer auf den ersten Blick faßbare, aber trotzdem kohärente und in ihrem Ausgeliefertsein, ihrer Hinfälligkeit und Kompromißbereitschaft bedauernswerte Welt in einer zerbrochenen Zeit dargestellt." (Eva Haldimann, Neue Zürcher Zeitung)

Der Held unserer Geschichte
1994

Der Schriftsteller Tábor ahnt, dass seine Arbeitshemmung mit dem Schweigen zu tun hat: in einer Familie von Holocaust-Überlebenden aufgewachsen, lernte er früh, dass man in Ungarn gut daran tat, sich nicht als Jude zu erkennen zu geben. Jetzt, nach der Wende, im heißen Sommer 1992, scheint sich etwas anzukündigen. Die brutalisierte Stimmung auf den Strassen, die Auftritte der Faschisten - Budapest steht kurz vor der Explosion. Oder doch nur er, der Stadtneurotiker, der "meschuggene Tábor"? An einem einzigen Tag durchstreift er die Donaumetropole wie einst Leopold Bloom das Dublin von Joyce. Das jüdische Viertel wird obsessiv erkundet, das Mahnmal für die ermordeten Juden in einem Klagegesang beschworen, jene Märtyrermauer, die an einem Herbstsonntag in seiner Kindheit mit tausend Stimmen zu wispern und zu wimmern begann. Tábor braucht den "Imaginationsschock", um die versteinerte Vergangenheit aufzusprengen und zu dem vorzudringen, was er die "erlebte Wirklichkeit" nennt. Wie seine Suche nach einer erlösten, befreiten Sprache für den entstehenden Roman mehr und mehr zu einer metaphysischen wird, wie er erst einen Hund retten muß, um etwas von Gott und Auschwitz zu begreifen - das inszeniert Kornis als furioses Stimmungsdrama. Aber der Roman, als Triptychon angelegt, ist weit mehr: ein atmosphärisches Portrait des heutigen Budapest, eine Wiedergewinnung der Kindheit, ein dichterischer, höchst subjektiver Beweis der Existenz Gottes.

Dramen
1999

Das 1981 erstmals aufgeführte Drama "Halleluja" ist im - absurd überzeichneten - Budapester Kleinbürgermilieu angesiedelt. In einem alptraumartigen Neben- und Durcheinander zeigt es die seelische Ungeborgenheit einer ganzen Generation. Die Hauptperson, ein etwa Dreißigjähriger, durchlebt, passiv und handlungsunfähig in einem schäbigen Zimmer hockend, immer wieder die Ereignisse seines Lebens: Schule, Arbeitsplatz, Liebe, Ehe, Scheidung. Im Hintergrund liegt der senile Großvater, ein Quälgeist und Träger von Erinnerungen, aber auch ein mahnendes Zukunftsbild des eigenen Ich. In seinem zweiten Drama "Büntetések" (Bestrafungen), das dem Andenken Franz Kafkas gewidmet ist, wendet sich Kornis den inneren Situationen der Existenz zu. Die schwarz gekleidete Hauptgestalt heißt K., zehn weitere, identische Gestalten sind deren Schatten, deren vervielfachtes, widersprüchliches Ich. In neun vorwiegend pantomimischen Szenen werden die als leidvoll erfahrenen Stationen der Lebens: Geburt, Liebe, Tod durchmessen; Worte spielen eine untergeordnete Rolle und dienen nur als Anhaltspunkte für das Visuelle. Alle Texte sind Kafkas Erzählungen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefen entnommen.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN