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Biographie

1885 (29. März) in Szabadka (heute Subotica, Serbien) geboren
1901 Publikation des ersten Gedichtes in der Zeitung Budapesti Napló (Budapester Tageblatt)
1904-1906 Universitätsbesuch (Germanistik, Hungarologie, Philosophie) in Budapest und Wien
1906 Mitarbeiter beim Budapesti Napló (Budapester Tageblatt)
1908 Veröffentlichungen in der Zeitschrift Nyugat (Westen), dem bedeutendsten literarischen Blatt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert, und einer der leitenden Mitarbeiter
1913 Ehe mit der Schauspielerin Ilona Harmos
1919 Mitarbeiter bei der Zeitschrift Új Nemzedék (Neue Generation), 1920 bei der Zeitung Pesti Hírlap (Pester Nachrichtenblatt)
1930 Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft, Wahl zum Vorsitzenden des ungarischen P.E.N.-Klubs
1936 (3. November) nach langjähriger Krankheit in Budapest gestorben

Der blutige Dichter
1922

Die Handlung des ersten Romans von Kosztolányi ist in das antike Rom verlegt, wo es um abstrakte, philosophische und moralische Probleme von Macht und Moral, Weisheit und Gerechtigkeit geht. Die Hauptfigur ist Nero, der Dichterkaiser, der sein gestörtes Selbstwertgefühl mit Genieposen und Aggressionen zu kompensieren sucht. Seneca, der humanistische Weise, vertritt eine Haltung, die von Vernunft und Kompromissbereitschaft geprägt ist. Kosztolányi stellt hier eine Grundfrage, die nach dem Verhältnis von Geist, Begabung und Tyrannei, eine Frage die damals eine besondere Aktualität besaß. "Nero ist wild und groß zuweilen in seiner verzweifelten Ohnmacht; aber als Figur stelle ich Seneca über ihn, diesen Dichterhöfling und Sophisten von Meisterglätte, der dennoch ein wirklicher Weiser ist, ein wahrhaft großer Literat, und dessen letzte Stunden mich erschüttert haben, wie weniges in Leben und Kunst. [...] Ja, das ist gut, ist vortrefflich, ist meisterhaft. Und es gibt noch mehr dergleichen in dem Roman, dessen eigentümliche Intimität sich übrigens nicht nur im Seelisch-Innermenschlichen, sondern auch im Sozialen bewährt, und der mit ganz leichter, anstrengungsloser Gebärde Bilder und Szenen aus dem Leben der antiken Weltstadt emporruft, die amüsanteste Gesellschaftskritik sind." (Thomas Mann)

Anna Édes
1926

Im August 1919, kurz nach dem Zusammenbruch der Räterepublik Ungarn, ermordet Anna Édes, ein williges und freundliches Dienstmädchen im Haushalt des Ministerialbeamten Kornél Vizy, ihren Dienstherrn und dessen Frau. Sie wird verhaftet und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, ohne dass im Mordprozess ihre Motive aufgeklärt werden konnten. Anna ist ein Bauernmädchen, das ihre Arbeit gern und genau verrichtet und sich im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen als wahre "Perle" für ihre Dienstherren erweist. Als das Ehepaar Vizy einige Tage abwesend ist, lässt sich das Dienstmädchen willig von Jancsi Patikárius, einem jungen Verwandten der Vizys, verführen. Auf die von Jancsi vorgeschlagene Abtreibung angesichts der eingetretenen Schwangerschaft reagiert sie genauso gelassen wie auf den Heiratsantrag des Schornsteinfegers Báthory. Mit der Begründung, die kranke Frau Vizy nicht verlassen zu wollen, schlägt sie Báthorys Angebot aus. Nach dem Festessen anlässlich der Beförderung des Ministerialbeamten begeht Anna scheinbar völlig unmotiviert den Mord an dem Ehepaar. Nur der Nachbar und Hausarzt der Vizys äußert sich zu dem möglichen Motiv: "Eine Maschine hat man aus ihr gemacht [...]. Sie wurde unmenschlich behandelt."

Ein Held seiner Zeit. Die Bekenntnisse des Kornél Esti; Die Abenteuer des Kornél Esti
1933

Die Episoden der Abenteuer des Esti Kornél bilden einen Lebensroman, der alle Bereiche des menschlichen Daseins berührt und immer auch Züge des Spielerischen, Grotesken und Bizarren aufweist. Z. B. dann, wenn Kornél Esti eine Nacht lang mit einem bulgarischen Schaffner ein Gespräch führt - ohne auch nur ein Wort Bulgarisch zu beherrschen. Péter Esterházy formuliert es in seinem Nachwort zur deutschen Ausgabe folgendermaßen: "Kornél Esti gibt der Welt ihre Farben. Er färbt das Leben. Kornél Esti: ein Regenbogen. Ein Regenbogen in der kalten, dunklen Nacht." Die deutschen Rezensenten haben das Buch wohlwollend aufgenommen: "Das Buch nimmt im Schaffen Kosztolányis gewissermaßen den Rang ein wie Thomas Manns Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, heißt es doch schon im Untertitel Die Bekenntnisse des Kornél Esti. Es ist zugleich Divertissement und Experiment, Maskerade und Konfession, Jugenderinnerung und Altersresümee. Hier spielt einer diese sehr ernsten Spiele: mit der Sprache, mit den eigenen Einsichten, mit den Literatenalbernheiten, den Eisenbahnabenteuern, den Erlebnissen im Ausland. Hier setzt ein Repräsentant durchtrieben seine Repräsentanz aufs Spiel und schafft sich hochstaplerisch ein chaotisches Alter Ego. Denn dieser Kornél Esti, dieser Held seiner Zeit, ist gleichzeitig Gegenspieler und Wunschbild des Autors, und beide zusammen verkörpern den alten Konflikt zwischen Kunst und Leben, nur dass sie sich hier wie zwei Komplizen verständigen: Ich erlebe, du überlieferst, ich erzähle, du schreibst." (Dieter Hildebrandt, Die Zeit)

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