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Gyula KRÚDY
( 1878 - 1933 )

» Sindbad (1911, 1912, 1912, 1925)
» Die rote Postkutsche (1914)
» Sonnenblume (1918)
» Preis des Damen (1919)
» Das schöne Leben des Kázmér Rezeda (1933)

Biographie

1878 (21. Oktober) in Nyíregyháza (Ostungarn) geboren
1893 Erscheinen seiner ersten Schriften
1895 Tätigkeit als Journalist in Debrecen
1914 Mitglied der Petőfi-Gesellschaft
1897-1933 verfasste mehr als 60 Romane, 3000 Novellen, mehr als 1000 Zeitungsartikel und vier Dramen
1933 (12. Mai) in Budapest gestorben

Preise:
1930 Baumgarten-Preis

Die rote Postkutsche
1914

In dem Roman lässt der Autor die versunkene Welt von vorgestern mit ihren merkwürdigen, unvergesslichen Gestalten wiederauferstehen. Da gibt es Eduárd Alvinczi, den überaus wohlhabenden Herrn, einst k. u. k. Diplomat in St. Petersburg, Kartenspieler, der sich vor allem für die Frauen interessiert. Und den verträumten jungen Journalisten Kázmér Rezeda, der ewig hoffnungslos verliebt in die Traumwelt der Kartenspiele und Rennplatzwetten flüchtet und dem sich die Damenwelt stets rasch entzieht. Die "Rote Postkutsche" ist ein Kaleidoskop menschlicher Leidenschaften und Hoffnungen, in dem Krúdy die k. u. k. Monarchie, das alte Ungarn und den meist vermögenslosen oder verschuldeten Adel als visionär erlebte Vergangenheit romantisch-gespenstisch wieder auferstehen lässt. Krúdys literarischer Stil, seine Liebesmeisterschaft, Trinkfestigkeit und sein episches Talent sind Teil des unvergänglichen Legendengutes des alten Budapest. Die Literaturkritik zog zum Vergleich Marcel Proust und die Maler des Impressionismus heran, und es ist die Suche nach der verlorenen Zeit, die Zeit der Donaumonarchie, die 1918 ihr Ende gefunden hatte. Es ist aber nicht nur die Beschwörung dieser Epoche und ihres Protagonisten Franz Joseph, der oft und in ironischer Weise in den Texten Erwähnung findet, sondern eben auch das Nicht-Nostalgische in Krúdys Geschichten, das György Sebestyén als "die Geschlossenheit einer wundersamen Traumwelt, die geradezu animalische und von gewissen Modernismen so freie Kraft der Visionen, das abenteuerliche Sprachgefüge mancher Textstellen, und vor allem die Hintergründigkeit der Fabel" beschreibt. Der ungarische Literaturwissenschaftler Mihály Szegedy-Maszák stellt Krúdy in die Reihe der Erneuerer des Romans, da "er das innere Geschehen und die Intertextualität akzentuierte und die Identität der menschlichen Persönlichkeit wie auch die geradlinige Entwicklung des Erzählens leugnete."

Sonnenblume
1918

"Napraforgó" erschien zunächst als Fortsetzungsroman in einer Zeitung, um dann im gleichen Jahr noch zwei Auflagen zu erleben. Krúdy selbst sagt über den Roman, dass er modern sein möchte, sein Inhalt aber so alt sei, wie Ungarn selbst. Aus den Briefen des Autors ist zu entnehmen, dass er sich schon seit Jahren mit der Idee trug, einen Roman über Ungarn, einen "Agrarroman" zu schreiben. Die während des Ersten Weltkriegs entstandenen publizistischen Schriften bezeugen, dass er zu seiner Heimat - er stammt aus Ostungarn - starke Bindungen hatte. Es sind aber eher die so genannten Pester Romane, "Die rote Postkutsche" und "Herbstreisen in der roten Postkutsche", die hinsichtlich der Thematik und der erzählerischen Mittel für "Napraforgó" bestimmend waren. Die städtische Atmosphäre, die Straßen in der Josefstadt, die Budapester Nächte und Kneipen werden kontrastiert von der Ruhe in der Provinz und der Schönheit der ostungarischen Landschaft, wie auch die egoistische Sinnlichkeit und die oft von Gewinnsucht getriebene Liebe der käuflichen Frauen und ausgehaltenen Männer im Vergleich zu der "provinziellen" Liebe beschrieben wird. Der Roman konstituiert sich aus mehreren kleinen Geschichten, die aber auch für sich alleine stehen können. Die Romanfiguren, die träumende Evelin, der Gigolo Kálmán, der in Evelin verliebte anständige und einsame Andor Álmos, das heißblütige Fräulein Maszkerádi und der dämonische Dr. Pistoli, der schon drei Ehefrauen ins Irrenhaus gebracht hat, sind miteinander durch komplizierte Liebesverhältnisse verbunden, und wie in "Die rote Postkutsche" sehnen sich die Helden nach echter Liebe und Erfüllung. Am Ende leben Evelin und Andor in einer ruhigen, beschaulichen Liebesbeziehung.

Das schöne Leben des Kázmér Rezeda
1933

Die Hauptfigur des Romans, Kázmér Rezeda, tauchte schon im Roman "Die rote Postkutsche" auf. Nachdem der lebens- und liebesuntüchtige Troubadour Rezeda nie über das Händchenhalten seiner Herzensdame auf Spaziergängen oder zur Teestunde hinausgekommen ist und sie schließlich entsagungsvoll verabschiedet hat, erlebt er in der einsamen häuslichen Umgebung schwärmerische Verzückungen und Träume und sieht sich als unwiderstehlicher und unersättlicher Casanova. In Rezeda wird gern Krúdys Alter ego gesehen, der sich wie sein Romanheld häufig im Stadtwäldchen aufhielt. Das 1933 verfasste Werk erschien erst nach Krúdys Tod als Fortsetzungsroman und 1944 als eigenständige Buchausgabe.

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