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János LACKFI
( 1971 )

» Leichenbeschauer (2007)

Biographie

Leichenbeschauer
2007

Außergewöhnlich und spannend wird der Roman von János Lackfi durch einen erzählerischen Kniff: Wieder und wieder wechselt er die Perspektive. Zunächst erzählt Jancsi, etwa zehn Jahre alt, von seinem Alltag im Ungarn der 70er und 80er Jahre. Blaue Schulkittel, billiges Kantinenessen, heroische, sowjetische Kriegsgeschichten, erste Mädchenerfahrungen... Er sieht sich von grotesken, gestörten Erwachsenen umgeben. Abrupt geht die Sprache des pubertierenden Jungen in die des erwachsenen Mannes über. Die Sichtweise ändert sich. Was das Kind Jancsi nur unbewusst wahrnahm, wird nun kritisch reflektiert, in den historischen Kontext gestellt. Das damalige Kádár-Regime mit seinen sozialistischen Denkstrukturen wird lebendig. Ständig werden die beiden Blickwinkel mit einander verwoben, Briefe und Tagebucheinträge fließen ein. Der Pubertierende erlebt seine Gegenwart nicht tragisch. Nur für den Leser wird klar: Die Erwachsenen, die Eltern sind Opfer des Kádár-Regimes. In der sonderbaren, traurig-fröhlichen Welt der Kinder dieser Zeit begreift Jancsi das nicht. "Jedem Anschein zum Trotz ist Leichenbeschauer ein Vaterroman, oder zumindest ein Roman über das Fehlen des Vaters: Detail für Detail weist auf die letzten Seiten des Buches hin, auf den Selbstmord des Vaters." Tibor Bárány, Élet és Irodalom

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