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Menyhért LAKATOS
( 1926 - 2007 )

» Bitterer Rauch (1975)

Biographie

1926 (11. April) in Vésztő (Südostungarn) geboren
1954-69 Studium an der Technischen Universität in Budapest; nach einer Ingenieurausbildung zunächst in der Kommunalverwaltung, dann als Ingenieur und Werksleiter tätig
1969-75 Mitarbeiter der Soziologischen Forschungsgruppe für Roma-Fragen an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
1970 Vizepräsident des Weltverbandes der Sinti und Roma
Ab 1973 freiberuflicher Schriftsteller; Engagement in verschiedenen Organisationen Ungarns, die sich der Kultur der Sinti und Roma widmen (z. B. im Kulturverband der ungarischen Sinti und Roma), sowie in der Politik
Am 21. August 2007 gestorben

Preise:
1976 Milán-Füst-Preis; 1976, 1993 Attila-József-Preis; 1995 Prämierung „Buch des Jahres“; 1999 Lorbeerkranz der Republik Ungarn

Bitterer Rauch
1975

Menyhért Lakatos zeigt in seinem ersten Roman mit dokumentarischer Genauigkeit die Gegensätze der dörflichen Gesellschaft und der Welt der Roma in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Aus eigener Anschauung schildert der Autor das Leben der Roma sowie den alltäglichen Kampf gegen die Vorurteile und den Hass ihrer Mitmenschen. Der kleine Zigeunerjunge hört gespannt seiner Großmutter zu, wenn sie aus ihrem früheren Leben erzählt, als sie noch mit ihrem Stamm umherzog. Er möchte auch in die Welt hinausziehen, muss aber schon bald erkennen, dass es für Roma schwer ist, einen Platz zu finden. Als einziges Kind aus dem "Zigeunerdorf" darf er das Gymnasium besuchen, wird aber von seinen Mitschülern gedemütigt und schließlich offiziell von der Schule verwiesen. Langsam erwachsen werdend fühlt er immer deutlicher, dass er sich von dem Leben der Seinen immer weiter entfremdet. Als bald nach Kriegsbeginn die Bewohner der Siedlung getrennt und zum Arbeitsdienst oder in vergitterten Waggons abtransportiert werden, erkennt er die Hoffnungslosigkeit seiner Träume. "Der in einer organisierten Gesellschaft lebende Mensch blickt mit einer gewissen Nostalgie auf diese frei geglaubte, von Vorurteilen und Bedingungen unberührte Lebensform. [...] Es ist das Verdienst des Romans von Menyhért Lakatos, dass er diese Illusionen verabschiedet, ohne die natürlichen Grenzen des Romans zu sprengen. [...] Es wäre gut möglich gewesen, dass die Neuartigkeit des Themas den soziographischen, das seltsame Leben des Zigeunertums den ethnographischen Elementen Vorzug leistet, dass die schmerzhaften Erlebnisse, das menschenunwürdige Schicksal die gesellschaftsverbessernde Meditation, die lyrische Klage begünstigen. [...] Der Autor ist all diesen Gefahren aus dem Weg gegangen." (György Bessenyei: Bist du Zigeuner?)

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