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Biographie

1936 in Budapest geboren, verbringt seine Kindheit auf dem Lande
1954 Abitur in Szekszárd
1959 Abschluss des Lehramtsstudiums in Budapest
seit 1958 Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Zeitschriften
1965 Redakteur bei der renommierten Zeitschrift Élet és Irodalom (Leben und Literatur)
seit 1971 freier Schriftsteller
seit 1989 Mitglied der Redaktion von Új Idők (Neue Zeiten)
1989-90 Mitarbeit bei der Zeitschrift Magyar Fórum (Ungarisches Forun)
seit 1992 Redakteur der Zeitschrift Hitel (Kredit)
2006 in Budapest gestorben

Viele Preise und Auszeichnungen, u.a.: Attila-József-, Kossuth- und Soros-Preis für das Lebenswerk

Der weiße Tiger
1971, 1998

Ervin Lázárs einziger Roman, der im Grenzbereich von Märchen und Phantastik spielt, beginnt im Stil einer dokumentarischen Reportage: Drei Menschen erinnern sich, Makos auf einem Platz voller Menschen gesehen zu haben. An den Tiger erinnerte sich keiner. Obwohl niemand den Tiger gesehen hat, wird Makos untersagt das Tier in der Stadt herumzuführen. Hinter Schloss und Riegel sei der Platz der Kreatur. Der Tiger versucht seinem einerseits seinen Gefängnis zu entkommen, andererseits will er sich nicht von seinem Herrn trennen, der das Eingesperrtsein hinter Stahltüren augenscheinlich besser erträgt. Für das Wundertier, frei aller irdischen Bedürfnisse, es braucht weder Speis noch Trank, müsste es ein Leichtes sein, auszubrechen. Der Schlüssel, den Makos von den Behörden des despotischen Stadtchefs ausgehändigt bekam, öffnet das Schloss nicht. Doch mit der Hilfe des Tigers befreit sich Makos aus dem Gefängnis und das Tier entwaffnet und vertreibt die gegen sie ins Feld geführte Armee. Gemeinsam brechen sie Macht des Despoten. Hier könnte der Roman zu einem glücklichen Ende kommen, doch statt des "Und sie lebten friedlich bis an ihr Lebensende", beginnt nur der Sündenfall des Helden. Selbstverständlich ist auch dies ein beliebtes und häufiges Märchenmotiv. Makos entwickelt sich nach dem grandiosen Sieg über die Willkür selbst zu einem widerwärtigen Despoten, der sich lachend seiner Macht freut und Gefallen daran findet, dass seine Mitmenschen ihn fürchten. Im Verlauf dieser Wandlung wird der weiße Tiger krank und schwach. Seine weiße Farbe verliert er zusehends und auch seine Zauberkraft geht verloren, so dass Makos schließlich ohne seinen allmächtigen Helfer dasteht, als der Aufstand gegen ihn ausbricht, in folge dessen er mit Schimpf und Schande aus seiner Heimatstadt vertrieben wird.

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