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Péter LENGYEL
( 1939 )

» Scherben (1978, 2000 )
» Nebenfiguren (1980, 1993 )
» Kopfsteinpflaster (1988, 1994 )

Biographie

1939 (4. September) in Budapest geboren
1960–62 Dramaturg am Madách Theater in Budapest
1962 Spanisch- und Russischdiplom der Universität in Budapest
1963 einjährige Tätigkeit als Lektor an der Universität in Havanna
1962–75 Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften u.a. Élet és Irodalom (Leben und Literatur) und Mozgó Világ (Welt in Bewegung)
1975–1988 arbeitet für eine Leuchtreklamefirma in Budapest
1990–1993 gibt Kurse für Kreatives Schreiben an der Loránt-Eötvös-Universität in Budapest

Wichtigste Preise:
1983 Attila-József-Preis; 1988 Buch des Jahres (Macskakő); 1989 Preis für die Literatur der Zukunft; 1990 Pro Urbe-Preis; 1992 Tibor-Déry-Preis; 1995 Milán-Füst-Preis; 1996, 1998 Preis der Soros-Stiftung; 1999 Sándor-Márai-Preis

Scherben
1978, 2000

Der in neunjähriger Arbeit entstandene Roman gilt als Meilenstein der ungarischen Literaturgeschichte. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Suche nach einer totgeschwiegenen Zeit, nach vier Jahrzehnten ungarischer Geschichte von den späten dreißiger bis zu den siebziger Jahren. Für den 1939 geborenen Protagonisten János Bárán war das Jahr 1945 eine wichtige Zäsur im Leben. Er mußte feststellen, daß ihm die Erinnerungen an den im Donbogen ums Leben gekommenen Vater und damit die eigenen Wurzeln verloren gegangen waren. Jahre später, als Erwachsener begibt er sich auf die Spurensuche. Er befragt Verwandte, begeht Orte schlimmer und guter Kindheitserinnerungen, klappert Budapester Straßen ab, fährt mit der Straßenbahn umher. Seine Fahndung führt ihn bis in die Sowjetunion, an die Stelle des Kriegsgefangenenlagers, wo der Vater starb. Und weiter zurück in den Frühling 1938, als sich der Vater und die Mutter zum ersten Mal trafen. Aus den ruhelosen Gängen und Fahrten schält sich nach und nach die Geschichte des Kindes, der Familie, einer Stadt und eines Landes heraus. Nicht zuletzt ist der Roman auch eine Hommage an Budapest. Bedenkt man die Verbrechen der Ideologie gegen die Sprache, kann man ermessen, welche Bedeutung Lengyels Bestreben hat, in diesem Roman den Worten ihre ursprüngliche Bedeutung wiederzugeben.

Nebenfiguren
1980, 1993

Zehn Jahre wurde dieser Roman von der ungarischen Zensur zurückgehalten und war, als er 1980 schließlich in einer kleinen Auflage erscheinen konnte, innerhalb weniger Tage vergriffen. Er gilt als das erste Dokument der stillen Revolte an ungarischen Universitäten in den sechziger Jahren. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein von der Universität relegierter junger Mann. Erzählt wird wie er und andere junge Leute ihren Platz im Leben suchen, sich von den Werten der Vätern abgrenzen und dabei ihren Blick nach Westen richten. Damit wurde "Mellékszereplők" rasch zum Roman einer ganzen Generation. Der schmucklose, realistische Stil von Lengyels früherer Prosa wird in diesem Werk mit Archaismen und den sprachlichen Mitteln der Parodie und des Humors bereichert. Ebenso nutzt der Autor Verfremdungseffekte, wie Zeitmontagen, scharfe Schnitte und Objektivierungen.

Kopfsteinpflaster
1988, 1994

Unter dem Deckmantel eines Krimis um eine gewitzte Bande von Panzerschrankknackern der fröhlichen Budapester Gründerzeit schildert der Roman nicht nur das pulsierende Leben der ungarischen Hauptstadt zur Zeit der Fertigstellung des Kopfsteinpflasters der Ringstraße, sondern schlägt auch einen großen Bogen durch die Windungen der Geschichte bis hin zur Gegenwart. Die Handlung spielt auf zwei geheimnisvoll miteinander verbundenen Zeitebenen: Auf der einen treffen wir den Ich-Erzähler des Krimiteils, Mitglied jener auf Schmuckraub spezialisierten Bande und zugleich Pianist in einem als Vergnügungslokal getarnten Bordell, in dem alle Fäden des großen Einbruchs zusammenlaufen. Hier tritt eine weitere wichtige Figur, der sympathische Inspektor Dr. Dajka auf, ein sensibler Mann mit scharfem Verstand. Auf der Zeitebene der Gegenwart unterbricht der sich einschaltende Autor immer wieder die Handlung, um sein Publikum, in diesem Fall seine heranwachsende Tochter, auf eindringliche und lebensnahe Weise in die Geschichte der Hauptstadt einzuführen und dabei das Auf und Ab seines eigenen Lebens zu schildern. Unter dem Deckmantel des Kolportageromans - als solcher ist das Buch im Untertitel ausgewiesen -, verbirgt sich ein bedeutender, topographisch enorm kenntnisreicher, beeindruckend phantasievoller, stilistisch bravouröser Roman, der die Welt von heute aus der Welt von gestern zu begreifen versucht. "Macskakő ist einer der individuellsten, spielerischsten und geheimnisvollsten Roman der letzten Jahre." (Imre Szász)

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