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Iván MÁNDY
( 1918 - 1995 )

Biographie

1918 (23. Dezember) in Budapest geboren
1945 Redakteur der Zeitschrift Újhold (Neumond)
1948 erhält den Baumgarten-Preis; danach fast ein Jahrzehnt mit Publikationsverbot belegt
1954 freier Schriftsteller
1988 Kossuth Preisträger
1989 Mitglied des Redaktionskommittee der Zeitschrift Holmi
1990 Vorsitz im Kuratorium des György-Rónay-Preises
1991 Mitglied des Magistrats von Budapest
1992 Präsident der Akademie für Literatur und Kunst
1995 in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1948 Baumgarten-Preis; 1969 Attila-József-Preis; 1985 Tibor-Déry-Prämierung; 1988 Kossuth-Preis; 1992 Preis der Soros-Stiftung für sein Lebenswerk

Frühe Romane und Erzählungen
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Iván Mándy gilt als einer der originellsten ungarischen Prosaisten des 20. Jahrhunderts und wurde 1993 von der Ungarischen Akademie für den Literaturnobelpreis nominiert. Schon die frühen Romane tragen die unverkennbaren Züge seiner Erzählkunst. Schauplätze sind die Außenbezirke der Großstadt, die armseligen Vorstädte mit ihren schillernden, skurrilen Existenzen. Im Mittelpunkt des 1948 erschienenen Romans "Francia kulcs" (Nachschlüssel) steht ein Vater, der mit seinen Sohn in schäbigen Hotelzimmern lebt. Er ist Journalist mit unternehmerischen Ambitionen, dessen hochfliegende Pläne stets jämmerlich scheitern. Zu dieser Vaterfigur wird Mándy in seinen späteren Roman und Erzählungen immer wieder zurückkehren. Hier schildert er ihn aus der Sicht des Kindes als liebenswerten, wenn auch verantwortungslosen Bohemien. Der ebenfalls autobiographische Roman "A huszonegyedik utca" (Die einundzwanzigste Straße, 1948) beschwört Schauplätze und Stimmungen der Kindheit herauf. Der grauen Wirklichkeit stellt Mándy die romantisch gefärbte Welt der "Einundzwanzigsten Straße" gegenüber, wie sie die lebhafte Phantasie eines kleinen Jungen erfindet, wo man "vom Kaufmann die Orangen auch umsonst bekommt, weil man ja nicht immer Geld hat, und im Kino auch keine Eintrittskarte lösen muß." In den Kurzgeschichten findet Mándy seine Helden ebenfalls von Anfang an der Peripherie der Großstadt: Vagabunden, Diebe, Trödler, Schwarzhändler. Den skurrilen Figuren am Rande der Gesellschaft, die die ärmlichen Plätze und Straßen der äußeren Józsefstadt bevölkern, gilt sein liebevolles Interesse ebenso wie den kleinen Leuten, die hinter den Fassaden mit dem bröckelnden Putz zu Hause sind: Hauswarte, Untermieter, junge Journalisten, erfolglosen Schriftsteller und Studenten. "Dieser wimmelnden Budapester Vorstadtfauna nimmt sich Mándy an; er ist abwechselnd komisch, burlesk, ergreifend, realistisch oder ins Surreale hinüberschwingend. Seine Geschichten haben kein Anfang, keine Ende: Es sind Ausschnitte von einem Ort, einem Bewußtsein, zeitlos, grenzenlos." (Eva Haldimann, Neue Zürcher Zeitung)

Am Rande des Spielfelds
1963

Ein Mann steht am Rande eines öden Fußballplatzes in einem armen Budapester Außenbezirk und beobachtet zusammen mit einer Handvoll heruntergekommener Gaffer das Spiel zweier obskurer Mannschaften. Er lauert auf einen günstigen Augenblick, um die große Torwarthoffnung für den Verein seines Herzens abzuwerben. Doch um ihn herum streichen auch professionelle Werber wohlhabenderer Fußballvereine, eine gefährliche Konkurrenz, die seine Hoffnungen zu zerstören droht. Die Handlung spielt in den späten zwanziger Jahren, der Mann "am Rande des Spielfelds" wird von allen nur Tschempe-Pempe genannt. Die Liebe zum Fußball und die Großzügigkeit gegenüber den Spielern haben ihn zuerst um sein Sportgeschäft und dann um seine Frau gebracht. Er haust in einem Keller, weiß nicht, wovon er ein Stück Brot kaufen soll, doch ein fast magisches Interesse zieht ihn immer wieder zum Sportplatz hinaus. Dort wird er von seiner Leidenschaft aufgesogen. "Der Roman wahrt eine fast vollkommene Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Innerhalb dieses Rahmens spielt Mándy mit Schicksalen und Wörtern wie die Fußballer mit dem Ball. So gewinnt der Roman seinen träumerischen Rhythmus, den Zauber seiner Atmosphäre." (Eva Haldimann, Neue Zürcher Zeitung) Der Roman gilt als Mándys bedeutendstes Prosawerk.

Kino alter Zeiten
1967

Das Kino der zwanziger Jahre, die Flimmerwelt des Stummfilms ist das ausschlaggebende Erlebnis eines Jungen, den der hochstaplerisch veranlagte Vater, ein begabter, dennoch erfolgloser Journalist, von Hotel zu Hotel schleppt. Die Besuche mit dem Vater in übelriechenden Vorstadtkinos gehören zu den Glanzpunkten seiner unsteten, melancholischen, der Träumerei verschriebenen Kindheit. Im Kopf des Jungen mischen sich Phantasie und Wirklichkeit zu einem eigenen Film, in dem Charlie Chaplin, Rudolpho Valentino und Greta Garbo ihre Rollen spielen. "In diesen Erzählungen setzt Mándy nicht nur der aufregenden, sein Leben weitgehend bestimmenden Welt der Leinwand, sondern auch dem Vater ein Denkmal, mit dem ihn eine von Haß und Verachtung durchzogene, verschämte Zärtlichkeit, ja Solidarität verband." (Eva Haldimann, Neue Zürcher Zeitung)

Im Durchzug
1992

Die späten Arbeiten Mándys kreisen um das Thema Alter und Tod. Seine Protagonisten, in deren Leben sich Träume, Sehnsüchte und harte Tatsachen unentwirrbar verflechten, stehen stets "im Durchzug", wie die Bewohner der schäbigen Mietskaserne der Titelerzählung dieses Bandes. Es sind Menschen, die bessere Tage kannten. "Niemand vermag diese Gestalten und die sie umgebende, trostlose Welt der sich verselbständigenden Dinge mit derart jenseitigem Leuchten zu erfüllen wie dieser Klassiker und gleichzeitig große Außenseiter der ungarischen Literatur. Wie in Filmszenen gleiten Vergangenheit und Gegenwart in Erinnerungs- und Traumbruchstücken ineinander. Bitterkeit und Versöhnung, Ironie, Humor und ein allem zugrundeliegendes Wissen um das Ende bilden eine eigen und einzigartige Mischung, deren Ergebnis bedeutende Dichtung ist." (Eva Haldimann, Neue Zürcher Zeitung)

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