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Biographie

1959 (23. April) in Budapest geboren
1978-1983 Studium der Hungarologie, Germanistik und Soziologie an der Budapester Loránd-Eötvös-Universität
1983-1990 Lektor beim Helikon-Verlag
seit 1991 freischaffender Schriftsteller, zahlreiche Übersetzungen aus dem Deutschen (u.a. Novalis, Gryphius, Goethe und Kleist)
1987 Stipendiat des Europäischen Übersetzer-Collegiums in Straelen
1995-1996 Gast des Literarischen Colloquiums Berlin
1998-1999 Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD

Preise:
1985 Debütpreis ungarischer Autoren; 1988, 1999 Milán-Füst-Preis; 1991 Tibor-Déry-Prämierung; 1992 Forintos-Preis; 1992 Preis der Kelemen-Mikes-Gesellschaft, Holland; 1993 Kosztolányi-Preis der Soros-Stiftung, Júlia-Szinnyei-Gedächtnispreis, Ernő-Szép-Preis; 1994 Buch des Jahres; 1996 Imre-Madách-Preis der Soros-Stiftung; 1997 Attila-József-Preis; 1999 Buchpreis des Jelenkor-Verlages; 2001 Belles Lettres-Preis


Groß-Budapester Schreckensjagd
1984

Der Leser wird von einem nicht festzumachenden Ich-Erzähler durch ein real-fiktives Budapest geführt. László Márton sagt über seine beschriebenen Orte, fiktiven Landschaften, Ideen und Figuren, dass sie "sehr wohl mit der 'real existierenden' Welt eng verknüpft sind, es handelt sich jeweils um die Rekonstruktion eines 'real existierenden' Details."

Asyl
1984

"Menedék" ist kein Roman im Sinne der Romantradition des 19. und 20. Jahrhunderts. Márton folgt mit seiner Strukturierung - auf drei verschiedene Handschriften zurückgreifend - der Mode des Briefromans aus dem 18. Jahrhundert (z. B. Choderlos de Laclos), steht aber auch in der Tradition von Sören Kierkegaard und James Joyce. Der Protagonist befindet sich in einer labyrinthartigen Welt, die einen Spiegel der Komplexitäten und Schwierigkeiten einer individuellen Weltsicht darstellt. Die Einbindung in die Gemeinschaft und Selbstreflexion werden durch die eindimensionale Sicht auf das Leben zum unauflösbaren Paradoxon. Die Disharmonie zwischen Innen- und Außenwelt veranlassen den imaginären Ich-Erzähler, schließlich verschiedene Sichtweisen zu integrieren. "Mártons Erzählstil ist eigenwillig, phantasie- und kenntnisreich, verleitet zu einem mehrperspektivischen lustvollen Lesen, das dem Wandern und Entdecken in verschiedenen Welten entspricht." (Barbara Strohschein)

Bruderschaft I-III: Erzwungene Freilassung, Drei himmlische Blutstropfen, Die Schwierigkeiten der Botschafterwege
2001-2003

Die Romantrilogie handelt von Sándor Károlyi, dem Obergespan des Komitats Szatmár, die Geschichte spielt zwischen 1697 und 1698. Der erste Roman berichtet davon, wie Sándor Károlyi seinen tot geglaubten älteren Bruder István in Wien wiedertrifft, im zweiten bringt Károlyi seinen Bruder nach Hause, hat aber die Vermutung, dass István vielleicht gar nicht sein Bruder ist, sondern nur den Namen, den damit einher gehenden Rang und den Besitz angenommen hat. Im dritten Roman prozessiert Sándor Károlyi deshalb gegen den vermeintlichen Bruder, um die wahre Identität aufzudecken. Obwohl sich die Handlung über kaum eineinhalb Jahre erstreckt, umfasst der erzählte Zeitraum mehrere Jahrhunderte, da die Geschichte von verschiedenen Zeitpunkten aus betrachtet wird. Das Auftreten realer historischer Persönlichkeiten wie Sándor Károlyi, der einstige verräterische Kuruzengeneral, der Kardinal Kollonich und Samuel Köleséri lässt zunächst an einen historischen Roman auf der Grundlage wahrer Begebenheiten denken, aber Wirkliches und Fiktives sind untrennbar miteinander verwoben, wie es in mittelalterlichen und barocken Werken gepflegt wurde.

Was du sahst, was du hörtest
2008

László Márton ist einer der talentiertesten und gebildetsten Erzähler der zeitgenössischen ungarischen Literatur. Seine Texte sind meist charakterisiert durch große Kunstfertigkeit, spannendem und reflektiertem Handlungsaufbau, sowie unterhaltsamer und gedankenanregender Intellektualität. Einerseits gibt es diese Geschichten, die im Ungarn des vergangenen Vierteljahrhunderts und heute spielen, wobei die Zeit vor zwanzig Jahren stehengeblieben zu sein scheint, so dass die Gegenwart anachronistisch wirkt und das Leben in den 70er und 80er Jahren wiederum auf bizarre Weise aktuell. Andererseits blickt der Erzähler fast immer hinter die Kulissen der Geschichten und betreibt dabei nicht nur Gedanken-, sondern auch Narrationspiele, spiegelt die Handlung, lässt Namen sprechen und tritt in Interaktion mit dem Leser. Ein Teil des Bandes besteht aus Texten in denen es – im Sinne des Titels – keine Geheimnisse, Rätsel, Merkwürdigkeiten gibt, alles ist sichtbar und hörbar, wobei sich das Wesen der Erzählungen aus den Proportionen ergibt, in denen der Erzähler seine, manchmal vielleicht etwas übertriebene, Allwissenheit dosiert. Dann gibt es aber auch Texte, in denen etwas unsichtbar, unhörbar und alles nur zu erahnen ist. Hier wird dem Leser auch mehr Einsatz abverlangt, das Gleichgewicht zwischen Heiterkeit und Grauen zu finden. Mártons Erzählungen kennzeichnen groteske Situationen, bizarre Wendungen, absurde Perspektiven, tragisches Aufblitzen und manchmal den Kern treffender, manchmal eher uferloser sprachlicher Witz. Diese, von einem dem Autor zum Verwechseln ähnlichen Erzähler erzählten, Welt wirkt, mit ihrer seltsamen Illusion von Realismus, mit den Budapester Schauplätzen, historischen und kulturellen Referenzen und den Gestalten aus der späten Kádár-Ära undvon heute, zugleich sehr bekannt und verwirrend fremd. Ja, und das ist wohl auch das Ergebnis eines der originellen literarischen Tricks, um die Márton nie verlegen ist.

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