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Károly MÉHES
( 1965 )

Biographie

1965 (20. Februar) in Pécs geboren
1979–1983 Besuch des Benediktinergymnasiums Pannonhalma
1985–1991 Studium der Fächer Hungarologie und Ästhetik an der Universität Pécs
1989 Auslandssemester an der Indiana University of Pennsylvania
1991 Mitarbeiter der Zeitschrift Új Dunántúli Napló
1999– Sekretär der Südtransdanubischen Sektion des Ungarischen Schriftstellerverbandes

Preise:
1994 Niveaupreis; 1996 Radnóti-Preis; 2000 Déry-Prämie; 2004 3. Platz beim Wettbewerb "Unsere Muttersprache"

Bald ist alles ein Geheimnis
2002

Der Band von Károly Méhes fügt sich in die Linie jener ungarischen Prosatradition, die sich auf die Erzählung einer Geschichte konzentriert. So stellt Andrea Máthé fest: "in seiner narrativen Technik und Struktur folgt er der Tradition von Mikszáth und Móricz". Der Erzähler von "Bald ist alles ein Geheimnis" ist ein Bibliothekar mittleren Alters, aus seinen Erzählungen kristallisiert sich seine Familiengeschichte heraus, von der Kindheit in den sechziger Jahren bis zum erwachsenen Mann in den Neunzigern. Der Erzähler versucht zu ergründen, wie sich die Dinge in seinem Leben entwickelt haben und warum alles so geschehen ist, wie es eben geschehen ist. In der Perspektive des Ich-Erzählers spiegelt sich ein Blickwinkel wider, in dem sich kindliches Staunen und erwachsene Reife stets abwechseln. Somit ist auch die Schilderung des eigenen Lebens, aber auch die Darstellung der Zustände in Ungarn durch das Spielerische und das Ernste bestimmt, wobei Méhes auch die Ironie keineswegs fremd ist. Der Roman verfügt über nur wenige Personen, Protagonistin ist auf den ersten Blick die "Mama", zumindest ist ihre Gestalt am genausten dargestellt. Es erscheinen weiterhin der "Papa", der die Familie verlassen hat, und der nur aus Erzählungen bekannte Großvater. Die wahre Hauptdarstellerin des Romans ist jedoch Gaby, die Ex-Frau des Erzählers, obschon ihre Gestalt durch das gesamte Werk im eigentlichen Sinne verborgen bleibt. Und doch ist sie jene Figur, nach der sich der Erzähler richtet, denn der Roman ist im Grunde genommen eine Reflexion über die einstigen Worte Gabys, die ihm vorwarf, er könne sich nur mit sich selbst beschäftigen, in ihm sei "jedes Interesse an anderen und Gefühl für andere erloschen". Méhes sucht in seinem Roman die Antwort darauf, in welchem Verhältnis ein Mann zu zwei Frauen (Ehefrau und Mutter) stehen kann, was sie miteinander und mit der Liebe anfangen können.

Weingrubers Gast
2003

In dem Band "Weingrubers Gast" hat Károly Méhes Novellen publiziert, die zuvor bereits bei verschiedenen Literaturzeitschriften erschienen sind. Ähnlich wie in seinem ersten Band "Bald ist alles ein Geheimnis" beschäftigt er sich auch hier mit der Ergründung der Vergangenheit und der Erinnerung, doch nimmt die Gegenwart in diesen Novellen eine zunehmend größere Rolle ein, während sein Thema im Grunde genommen die Suche nach der Identität ist. Der Protagonist der ersten Novelle "Die Entdeckung des Willibald Katz" scheint als erfundene Person geradewegs zu Leben zu erwachen und drückt dem "wirklichen" Leben des Erzählers ihren Stempel auf, während der Held der titelgebenden Novelle, János, ein fünfunddreißigjähriger Rechtsmediziner, der als Gast bei Herrn Weingruber in Wien eintrifft, gewissermaßen in dessen Leben tritt, indem er beginnt, das Leben seines Gastgebers - dem er überhaupt nicht begegnet - zu leben. Die Gestalten Méhes' sind einfache Menschen, die weder Kind noch erwachsen sind und in deren Leben die Vaterfigur ein großes Problem darstellt. So beispielsweise der jugendliche Held in der Novelle "Pascals Mutter", der der Mutter seines Mitschülers zum Ende der Kadar-Ära Nachhilfestunden in Russisch gibt, weil sie angeblich eine "Luxushure" ist, von der er sich die Einweihung erhofft. Die Geschichte der Bánky-Zwillinge ("Kehr dorthin zurück"), die beide von ihren Ehefrauen verlassen werden, spielt wiederum in der Gegenwart. Doch gleich wann die häufig grotesken Erzählungen spielen, fast immer handeln sie von der Demütigung und dem Ausgeliefertsein des einfachen Menschen.

Der kleine Leichenseher
2004

Mit dem Band "Der kleine Leichseher" setzt Károly Méhes seine bisherige schriftstellerische Linie fort, was keineswegs in negativer Weise zu verstehen ist. Die fünfzehn, thematisch voneinander unabhängigen Novellen sind in ihrem mal morbiden (zuweilen geradewegs an einen Schauerroman erinnernden), mal grotesken oder ironisch-humorvollen Ton unverwechselbar Novellen aus der Feder Méhes'. Seine Protagonisten sind - wie wir es von ihm gewohnt sind - vollkommen alltägliche Menschen: der sich nach der vergötterten Schauspielerin sehnende Jugendliche, eine nicht allzu schöne, ja sogar eher hässliche Frau, deren gesamtes Leben darin besteht, dass sie von ihrem Nachbarn nach dem Baden, wenn sie nackt ist, beobachtet wird, ein Dichter, ein Journalist, ein von seinem eigenen Sohn als "Henker des Geheimdienstes" titulierter Vater, ein kranker Vater und dessen Tochter, der Pfarrer und der einstige Strafgefangene, die gemeinsam ein Fußballspiel schauen usw. Diese "Helden" des Alltags konfrontieren sich in irgendeiner Weise mit der Vergangenheit, sind von einem Geheimnis umgeben, und dieses Geheimnis verbirgt sich meist in ihrer eigenen unausgesprochenen, unerzählten Vergangenheit, oder gerade in ihren eigenen verworrenen Gedanken. Auch wenn die Figuren Méhes' verschiedenen Alters sind und über unterschiedliche gesellschaftliche Stellungen verfügen, ist ihr Erscheinen doch immer authentisch. Aufgrund der Darstellungsweise des Autors, die als realistisch bezeichnet werden kann, wirken sie, als seien sie dem wahren Leben entsprungen. Erzählung und Darstellung der Charaktere entsprechen einander vollkommen, wie man es bei einer klassischen Erzählung erwartet. Des Weiteren sind die Novellen durch eine klare Sprache sowie eine einfache, gut durchdachte Struktur gekennzeichnet.

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