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Biographie

1690 (? August) in Zágon (heute Zagon, Rumänien) geboren
1700-07 Besuch der Jesuitenschule in Klausenburg (heute Cluj-Napoca, Rumänien)
1707 am Hof des siebenbürgischen Fürsten Rákóczi II.
1711 zusammen mit dem Fürsten Reise nach Polen, später nach England
1713-17 Aufenthalt in Frankreich am Hof Ludwig XIV.
1717-20 in die Türkei, nach Rodosto verbannt; 1735 Tod des Fürsten Rákóczi II.
1785 Führer der ungarischen Kolonie in der Türkei
1761 (2. Oktober) in Rodosto gestorben
1794 erste Herausgabe seiner Schriften

Privatbriefe
1758

1759 bekam Mikes von den Habsburger Behörden die Erlaubnis, Korrespondenz mit seinen Verwandten in Ungarn zu führen. Er konnte nun in wirklichen Briefen über seine Erlebnisse in der Türkei berichten, übernahm aber dazu Teile aus dem fiktiven Briefwechsel der vergangenen Jahre. Mikes ahmte mit seinem fiktiven Briefwechsel nicht nur eine besonders in Westeuropa gepflegte literarische Form nach (in den Pariser Salons kursierten z. B. private Briefe der Marquise de Sévigné), sondern verband damit auch gewisse schriftstellerische Ambitionen:"„Fast alle Leute schreiben Briefe, aber nicht jeder kann so schreiben, dass man seine Freude daran hat. Manche vermögen zwar auszudrücken, was sie sagen wollen, tun es aber trocken und langweilig, und manchen gelingt es, die kleinste Sache so auszuschmücken, dass sie gefällt."

Briefe aus der Türkei
1717-1758

Kelemen Mikes, der als einer der bedeutendsten ungarischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts vor der Aufklärung gilt, wurde vor allem durch seine 207 Briefe umfassende fiktive Korrespondenz bekannt, die er in einundvierzig Jahren zwischen 1717 und 1758 in Rodosto (Türkei) abfasste. Als Kammerherr des Fürsten von Siebenbürgen, Ferenc Rákóczi II., folgte Mikes dem Fürsten zunächst nach Polen, 1713 schließlich nach Frankreich, wo Ludwig XIV. bis zu seinem Tod (1715) dem Verbündeten Schutz und alle Ehren gewährte. Der französische Hof mit seinem mondänen Leben sorgte dafür, dass Mikes Zugang zu Kunst und Bildung fand, sicherlich auch zu der damals beliebten epistolaren Literatur - der berühmte Briefwechsel zwischen Marie de Rabutin Chantal, Marquise de Sévigné und ihrem Cousin, Roger de Rabutin, Comte de Bussy, erschien 1716 bereits in der neunten Auflage. Der Epistelschreiber Mikes konnte aber durchaus auch an eine ungarisch-siebenbürgische Traditionsreihe anknüpfen: z. B. an die Memoirenliteratur des siebenbürgischen Fürsten Miklós Bethlen (1642-1716). 1717 folgte Mikes seinem Fürsten in die Türkei, der sich an der Seite eines mächtigen Verbündeten eine Stärkung der antihabsburgischen Koalition versprach, doch scheiterte seine historische Mission, und er musste sich mit der endgültigen Emigration in Rodosto abfinden. Unmittelbar nach der Ankunft in der Türkei schrieb Mikes seinen ersten Brief, als Adressaten wählte er eine imaginäre Cousine, die Gräfin P. E. in Konstantinopel, die - wie Paul Kárpáti treffend bemerkt - mit den Attributen der idealen Frau nach den Ideen der europäischen Aufklärung versehen, die Heimat als Frauenbildnis symbolisierte. In Mikes' Briefen finden sich Eindrücke und Beobachtungen über das Leben und die Sitten der Türken, über politische Ereignisse und über die Ansiedlung der ungarischen Emigrantengruppe in der Türkei; oft sind Anekdoten und moralisierende Betrachtungen eingeflochten. Die Schilderungen zeugen von einer breiten Belesenheit (etwa der aus dem Englischen übersetzten Zeitschrift "Le Spectateur", 1714-1726; Bayles "Dictionnaire historique et critique", 1695-1697; Fénélons und Fleurys Schriften). Soweit die Forschung den Weg des Epistelmanuskripts rekonstruieren konnte, gelangten die Briefe in die Hände von István Kulcsár, einem jungen engagierten Literaten, der die Herausgabe der Texte mit Hilfe des Grafen György Festetics schließlich 1794 bewirken konnte.

Erklärung zu den Episteln und Evangelien
1741

Übersetzung und Kommentar einer theologischen Schrift unbekannter Herkunft.

Allgemeine Lehren zur Form des Katechismus
1744

Übersetzung des Katechismus von Francois Aimé Pouget.

Vergnügliche Tage
1745

Freie Übertragung der "Journées amusantes", einer zwischen 1722 und 1731 entstandenen Novellensammlung von Madame de Gomez (1684-1770). Mikes verwendet sechs Episoden aus dem Original, verlegt jedoch den Schauplatz der unter dem Einfluss der barocken Schäferidyllen stehenden Geschichten in das siebenbürgische Klausenburg.

Der Königsweg des Kreuzes
1747

Übersetzung und Bearbeitung der in Dialogen gehaltenen Legende des Benediktinermönchs Benoit van Haeften. Das lateinische Original stammt aus dem 17. Jahrhundert, Mikes' Übersetzung basiert auf der französischen Übertragung.

Die Lebensgeschichte des Jesus Christus
1748

Übersetzung eines Lebenslaufes von Christus, der von dem Theologen Le Tourneux auf der Grundlage des "Neuen Testaments" geschaffen worden war und der den damaligen Leser vor allem wegen der beschriebenen exotischen Landschaften fesselte.

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