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Kálmán MIKSZÁTH
( 1847 - 1910 )

Biographie

1847 geboren in Szklabonya (heute Sklabiná, Slowakei)
1863 beginnt während seiner Schulzeit in Selmecbánya (Banská ©tiavnica) zu schreiben
1866 studiert Recht an der Budapester Universität
1871 bricht das Studium ab, kehrt zu seinem Vater zurück und arbeitet in Bürgermeisteramt
1873 zieht er nach Budapest, heiratet heimlich Ilona Mauks
1875-76 totales Finanzdesaster, Mikszáth zwingt seine Frau zur Scheidung
1877 arbeitet als Journalist
1882 nach zwei erfolgreichen Büchern, anerkannter Autor, heiratet seine geschiedene Frau wieder
1892 Abgeordnetentätigkeit bis zu seinem Tode
1896 Präsident der Journalisten-Assoziation
1910 Feier zu seinen vierzigjährigen Schriftstellerjubiläum. Zwölf Tage darauf stirbt er am 28. Mai

Sankt Péters Regenschirm
1895

Mikszáth schrieb seinen ersten Roman im Jahre 1894 während seiner Kur in der Steiermark. Den Kern des charmanten, romantischen Werkes, in das viele Jugenderinnerungen einfließen, bildet eine Legende. Die Handlung bestimmt die aufregende Geschichte eines Regenschirms, in dessen Stiel ein reicher Mann sein Vermögen versteckt, damit die Verwandtschaft es seinem illegitimen Sohn nicht wegschnappen kann. Da er eines überraschenden Todes stirbt, nimmt er das Geheimnis mit ins Grab. Ein armer Hausier kauft den für wertlos gehaltenen Schirm und schützt damit ein im Regen vergessenes Kind, die Schwester eines Priesters. Das Volk glaubt an ein Wunder, das es dem heiligen Petrus zuschreibt. Auf der Suche nach dem Schirm, dessen Geheimnis der illegitime Sohn schließlich erfahren hat, verliebt er sich in die Schwester des Priesters. Das Glück der beiden ist nicht das Vermögen, das inzwischen ohnehin in Flammen aufgegangen ist, denn der Schirm bekam einen neuen Stiel und der alte wanderte ins Feuer, sondern ihre Liebe für einander. Ein seltener Fall Mikszáths Werken, dass den Helden das Glück zuteil wird. Gewöhnlich scheitern sie an gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Regeln oder an der Willkür der Väter. Der Schriftsteller schafft ein heiteres Idyll, die Geschichte wird lang und breit erzählt, mit vielen Abschweifungen, die jedoch nicht Selbstzweck sind, sondern das Bild abrunden und ausschmücken. Immer neue Hindernisse verwehren die Auflösung, doch schließlich, ganz am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Und wie gesagt: Ende gut, alles gut.

Seltsame Ehe
1900

"Seltsame Ehe" eröffnet die Epoche der großen realistischen Romane im Schaffen des dreiundfünfzigjährigen Mikszáths. Enttäuscht wendet er sich "von der geschminkten Dame" und der offiziellen Politik ab und ist frei von Hoffnungen und Illusionen. Der Roman, eine Provokation des Klerus, erzählt die Geschichte einer unter Zwang geschlossenen Ehe und des Kampfes für deren Auflösung. Ein reicher Magnat lockt einen Studenten in sein Schloss und verheiratet gewaltsam ihn mit seiner Tochter, obwohl der Junge ein paar Tage zuvor sich mit einer Bürgerstochter verlobt hat. Die Eheschließung soll den Umstand vertuschen, dass der örtliche Priester das Magnatenmädchen verführt und geschwängert hat. Nach seiner Befreiung versucht der Zwangsverheiratete unter Einsatz seines Vermögens und mit der Hilfe einflussreicher Gönner, die Ehe annullieren zu lassen, doch er unterliegt in allen kirchlichen Instanzen. Eine Geschichte muss immer wahr sein, nicht so wie sie sich zugetragen hat, sondern wie sie sich hätte zutragen können, sagt Mikszáth und in diesem Sinne hat er einen Dokumentarroman geschrieben, da das Thema auf einer wahren Begebenheit basiert, auch wenn in der Wirklichkeit eine Liebesehe nach ihrem Scheitern geschieden werden soll und der Anwalt zu diesem Zweck Gerüchte in die Welt setzt, sie sei unter Zwang zustande gekommen. Der Zwangsverheiratete Buttler wird von Zweifeln geplagt, Mikszáth formt ihn bewusst nach Shakespeares Hamlet, Opfer eines verhängnisvollen Schicksals. Die eigentlichen Hauptfiguren des Romans sind der Klerus, gegen den Mikszáth zu Felde zieht, und das Volk mit seinen Legenden und Märchen. Ein Schatz aus dem der Schriftsteller reichlich schöpft.

Die Geschichte des jungen Noszty mit der Mari Tóth
1906

"Die Geschichte des jungen Noszty mit der Mari Tóth" ist der letzte, zugleich stärkste Roman Mikszáths. Der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum, der um die Jahrhundertwende das gesellschaftliche Leben Ungarns bestimmte, bildet den Hintergrund für eine Mitgiftjagd, die auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Der jüngste Spross einer verschuldeten Adelfamilie soll den drohenden Abstieg aufhalten und sich mit Mari vermählen, dem Kind einer in Amerika zu Reichtum gelangten Bürgerfamilie, die in die Heimat zurückgekehrt ist. Zwei Welten prallen aufeinander, zwei unterschiedliche Einstellungen. Maris Vater ist nicht nur der Gegenpol zur herrschenden Aristokratie, sondern vertritt auch Mikszáths politische Überzeugungen. Das in Ausland erwirtschaftete Vermögen hat ihn nicht zu einem gierigen Kapitalisten werden lassen, vielmehr lebt er puritanisch, bescheiden und stellt sich in den Dienst des Fortschritts und sozialer Ideen. Adelsspross Noszty, in dem vielleicht doch noch ein guter Kern steckte, wenn die Gesetze der Gentry ihn verdorben hätten, wirbt nicht auf dem direkten Weg um das schöne, junge, edle Bürgerfräulein, sondern mit einem Netz aus Ränkespiel. Das amerikanische Fräulein, wie sie sich selbst nennt, aufgewachsen mit freier Luft und freier Rede, weist den Adligen schließlich ab. Das Happy End bleibt aus. Zur Enttäuschung der Leser, nicht nur zur damaligen Zeit. Ab 1906 wurde der Roman in Fortsetzungen der Sonntagszeitung veröffentlicht. 1953 erschien die erste deutsche Übersetzung unter dem Titel "Die Hochzeit des Herrn von Noszty", die zweite 1989 unter dem Titel "Die Geschichte des jungen Noszty mit der Mari Tóth" im Manesse Verlag. Beide Ausgaben sind leider nur antiquarisch zu erhalten.

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