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Ferenc MÓRA
( 1879 - 1934 )

Biographie

1879 (19. Juli) in Kiskunfélegyháza geboren
1897–1900 Studium der Geografie an der Budapester Universität; Lehrer in Felsőlövő
1902 Mitarbeiter bei der einzigen Zeitung, die frei von Kriegspropaganda ist, Szegedi Napló
1913–19 Chefredakteur der Zeitung Szegedi Napló
1917 Direktor der Somogyi-Bibliothek und des Städtischen Museums
1922 Redakteur des liberalen Blattes Világ
1925 Reise nach Italien
1929 Reise nach Spanien
1931 Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft
1934 in Budapest gestorben

Der Wundermantel
1918

"Der Wundermantel" ist der bekannteste Roman von Ferenc Móra. Er basiert auf eigenen Kindheitserlebnissen in der bäuerlichen Welt in der Umgebung von Szeged und Kiskunfélegyháza, die er aus dem Blickwinkel des einstigen kleinen Jungen mit kindlicher Unschuld und mit kindlichem Humor beschreibt. Der Protagonist des Romans ist der kleine Gergő, der mit seinen Eltern zwar in sehr armen Verhältnissen, doch von liebevoller Zuneigung umgeben, in einer Mühle wohnt. Wie fast alle Kinder, so sehnt sich auch Gergő nach etwas anderem, nach mehr, vor allem nach Reichtum. Sein Vater, ein Kürschner, - auch der Vater von Ferenc Móra war Kürschner - beginnt, ihm einen Mantel zu weben, in dem eine Fee wohnt. Denn als der Mantel fertig ist, stirbt der Meister, und auf diese Weise gelangt die in seinem Herzen wohnende Fee in den Mantel, und so wird das Kleidungsstück zum Gewissen des Kindes. Er findet mit ihm keine Schätze wie etwa Aladin mit der Wunderlampe, sondern den wichtigsten Schatz, die menschliche Güte und Liebe. Denn der Mantel schmiegt sich nur dann wohltuend an ihn, wenn er gute Taten vollbringt und sich den anderen Menschen gegenüber wohlwollend verhält. Der kleine Junge begegnet im Laufe seiner Abenteuer allerlei Menschen, einem reichen Verwandten, der in ihm nur die unentgeltliche Arbeitskraft sieht, einem armen, etwas gehbehinderten Jungen, der ihm ein guter Freund wird. Gergő lernt schließlich, dass die Liebe das Wesentliche im Leben ist. Móra stellt jene bäuerliche Welt der ungarischen Tiefebene, aus der es ihm gelungen ist, sich hervorzutun, mit einer tiefen Zuneigung seinen dort lebenden Mitmenschen gegenüber dar.

Die Wiederbelebung Hannibals
1924/1955

Dieser Roman von Ferenc Móra hält der Gesellschaft seiner Zeit einen Spiegel vor, es ist eine mit bitterer, zugleich beißender Ironie und sehr viel Humor geschriebene Satire über die Gesellschaft der Horthy-Ära. Der Protagonist ist ein ehemaliger Lateinlehrer, der aus der Kriegsgefangenschaft in Russland nach dem Ersten Weltkrieg gemeinsam mit seiner russischen Ehefrau nach Ungarn zurückkehrt. Erst nach einer langwierigen behördlichen Prozedur kann er wieder an seiner alten Schule arbeiten, wenn auch nurmehr als Zeichenlehrer, "doch damit fand ich mich rasch ab, denn ich sah, dass ich nicht das einzige Kind der Heimat bin, das von etwas lebt, auf das es sich nicht versteht". Seine wissenschaftlichen Ambitionen hat er jedoch nicht abgelegt, und auf der Grundlage eines Pergaments, das er auf dem Dachboden einer Synagoge auf der Krim gefunden hat und in dem er liest, dass Hannibal im Laufe eines geheimnisvollen Aufstandes in Kathargo getötet wurde, beginnt er Überlegungen anzustellen, was wohl geschehen wäre, wenn Hannibal die Schlacht bei Zama gewonnen hätte. Doch seine Abhandlung wird für unpatriotisch gehalten, und er bekommt persönlich Schwierigkeiten mit den kleinbürgerlichen Kreisen, die sich in einem patriotischen Verein zusammenschließen. Móra schildert durch das Schicksal dieses Lehrers das engstirnige Denken, die erdrückende Atmosphäre dieser Zeit. Der Roman wurde allerdings seinerzeit nicht herausgegeben, selbst die literarische Zeitschrift Világ, zu deren Kreis auch Móra gehörte, wagte nicht, dieses Risiko einzugehen. Das Manuskript war angeblich verloren gegangen. Er erschien dann schließlich im Jahr 1955, doch den Interessen des damaligen Systems entsprechend zensiert. All jene Abschnitte wurden ausgelassen, welche die in der Sowjetunion herrschenden Zustände kritisch betrachteten oder von der Macht jener Zeit als unangenehm empfunden wurden. Es durfte nicht deutlich werden, dass Móra den roten Terror ebenso verabscheute wie den weißen, dass er seine Schwierigkeiten nicht nur mit dem Horthy-Regime hatte, sondern mit der Diktatur an sich. Zudem strich man nicht nur Abschnitte des Romans, ja es wurden sogar neue hinzugefügt, wie etwa Passagen, in denen die Diktatur des Proletariats propagiert wurde. Auf der Grundlage dieses Werkes entstand später ein erfolgreicher Film - "Lehrer Hannibal" von Zoltán Fábri -, der ebenfalls auf dieser verstümmelten Version basierte. Der Roman selbst, diese herausragende gesellschaftskritische Satire, musste schließlich achtzig Jahre darauf warten, in der ursprünglichen Form erscheinen zu können.

Der goldene Sarg
1933

"Der goldene Sarg" ist eine Liebesgeschichte, die im 3. Jahrhundert, zur Zeit Kaiser Diokletians spielt. Die heidnische Kaisermacht wird mit dem sich zunehmend stärker verbreitenden Christentum konfrontiert. Dem Kaiser, der versucht, die alte Welt mit der Kraft von Gesetzen zu bewahren, wird prophezeit, dass sein Sohn das Reich erneut zur Blüte führen werde, doch müsse seine Existenz bis zum Alter von zwanzig Jahren ein Geheimnis bleiben. Daher dient Quintipor am Hof seines eigenen Vaters als Sklave, während er sich in die Tochter Galerius Caesars, Titanella, verliebt. Der Roman verläuft ab da zweisträngig: Der eine Strang ist der Kampf zwischen Christentum und Heiden, der andere ist die Liebesgeschichte zwischen Quintipor und Titanella, von Móra sehr lyrisch geschildert. Die beiden Hauptmotive der Handlung treffen im tragischen Ausgang aufeinander. Móra war sich dessen bewusst, dass ohnehin das Christentum, die neue Religion, den Sieg davon tragen würde, auch er bekannte sich dazu, doch ist im Roman durchgängig zu spüren, wie sehr er der Schönheit der zum Fall verurteilten antiken Welt zugetan ist, und dass es ihm durchaus nicht leicht fällt, von dieser Welt Abschied zu nehmen. Das Römische Reich des 3. Jahrhunderts, die damaligen Bräuche und Sitten, das Verhalten und das Weltbild der Menschen schildert Ferenc Móra historisch fundiert, somit handelt es sich bei seinem Roman nicht nur um eine ergreifende Liebesgeschichte, eingebettet in eine historische Epoche, sondern zugleich um eine authentische Schilderung jener Zeit.

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