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Zsigmond MÓRICZ
( 1879 - 1942 )

» Gold im Kote (1910)
» Herr Bovary (1911)
» Zaubergarten (1922)

Biographie

1879 in Tiszacsécse geboren
1899 Studium der Theologie in Debrecen
1900 studiert Geisteswissenschaften und Jura in Budapest
1908 seine erste Novelle erscheint in der Zeitschrift Nyugat
1910 Journalist, Kriegsberichterstatter
1923 – 1933 Redakteur der Zeitschrift Nyugat
1939 – 1942 Redakteur der Zeitschrift Kelet Népe
1942 in Leányfalu gestorben

Gold im Kote
1910

"Gold im Kote" ist zwar ein früher Roman des bedeutenden ungarischen Erzählers Zsigmond Móricz, doch entfaltet sich bereits hier sein Talent als Prosaschriftsteller und sein Engagement für das "Volk". Das "Volk" von Móricz ist nicht romantisch, besteht nicht aus gut gelaunten, molligen Frauenzimmern und feschen Burschen, es ist kein Konglomerat, das rassische Charakteristika trägt und sich von anderen "Völkern" unterscheiden will, sondern es sind die Bauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die in gewissem Maße noch in mittelalterlichen Verhältnissen lebten, beziehungsweise von der "herrschaftlichen" Welt in mittelalterliche Verhältnisse gezwungen wurden. Es ist jenes Volk, das tatsächlich auf den ungarischen Feldern lebte. Und Móricz wusste sehr wohl, dass es in diesen Schichten des Volkes ebenso viele begabte Menschen gab wie in jeder anderen. Der Protagonist des Romans, Dani Turi, ist nun gerade ein solcher begabter, gut aussehender und charmanter Bauernbursche. Für ihn ist die Welt des einstigen Leibeigenendorfes von Beginn an zu eng, sie nimmt ihm geradewegs die Luft. Er ersehnt sich mehr, sehr viel mehr als sich ein Mensch in den damaligen Verhältnissen und aus seiner gesellschaftlichen Schicht überhaupt erträumen konnte. Er heiratet die Tochter eines der wohlhabendsten Bauern, auf dem als Mitgift mitgebrachten Gut erzielt er bald Erträge, die bislang in der Gegend unvorstellbar waren. Er will mehr Boden, noch mehr, um es zu noch mehr zu bringen. Dani Turi rebelliert, er kann und will die bestehenden Verhältnisse nicht akzeptieren. Doch vergebens verbergen sich in ihm Stärke, Begabung und Leidenschaft, seine Geschichte wird nicht zur Erfolgsgeschichte, ganz im Gegenteil wird sie die Geschichte des Scheiterns. Er ist mit seinen Sehnsüchten und seinem Kampf allein. Wie sehr er sich auch bemüht, er ist doch nicht in der Lage sich zu entfalten, und dafür ist nicht der Kuss einer Frau die eigentliche Ursache, sondern die Wirkung. Die Ursache liegt tiefer, in der ungarischen Gesellschaft der Zeit.

Herr Bovary
1911

Der ein Jahr nach "Gold im Kote" erschienene Roman "Herr Bovary" führt den Leser nun in die Stadt. Wohl nicht in eine Weltstadt, sondern eher ans Ende der Welt - im Ungarischen lautet der Titel wörtlich "hinter Gottes Rücken" -, nach Ilosva, wo nichts geschieht und es auch keine Chance gibt, dass je einmal etwas geschehen könnte. Das einzige Ereignis in der Stadt ist der Jahrmarkt. Die Figuren des Romans sind typische Bewohner einer Kleinstadt: der unglaublich dümmliche, unerträgliche langweilige Lehrer, seine junge hübsche Frau, der sich langweilende Schüler, der Notar. Was sie miteinander verbindet, ist die Liebe, beziehungsweise sind alle in Frau Bovary verliebt. Der Name ist kein Irrtum, obgleich der Lehrer Veres, und seine Frau demnach Frau Veres, heißt. Die Ehefrau ist unglücklich, frustriert, dabei macht die ganze Stadt ihr den Hof, was nur der dümmliche Ehemann nicht bemerkt. Auch fällt ihm nicht auf, dass einer der Verehrer ihn - daher der deutsche Titel - Herrn Bovary nennt, er versteht nicht, was dies bedeutet, denn dazu ist er zu ungebildet. Die dramatische Spannung des Romans ergibt sich weniger aus der Handlung als vielmehr aus der meisterhaften Darstellung der Charaktere. Die Handlung ist eher einfach: Die Ehefrau verführt den Notar, doch sie werden vom Schüler dabei gestört, woraufhin Frau Veres den Schüler verführt. Das Ende ist tragisch und lächerlich zugleich: Frau Veres erfährt, dass ihr Geliebter auf der Flucht von einer anderen Frau, beim Sprung aus dem Fenster stirbt, woraufhin sie es ihm gleichtun will, jedoch nur auf den Hintern fällt, ihr passiert nichts. Die Gerüchteküche beginnt jedoch, wie es in einer Kleinstadt üblich ist, zu brodeln, doch der Lehrer Veres nimmt auch dies nicht zur Kenntnis. Alles bleibt, wie es war, und alles geht weiter wie bisher. Móricz ist es in diesem Roman gelungen, die Trostlosigkeit der ungarischen Provinz auch ohne eine große Handlung darzustellen, einen bedeutenden Roman mit Hilfe seiner ausgezeichneten Menschenkenntnis zu schreiben - eine Hommage an Flaubert.

Zaubergarten
1922

"Der Zaubergarten" ist der erste Band der Siebenbürgen-Trilogie von Zsigmond Móricz, der durchaus auch als eigenständiger Band gelesen werden kann. Das Werk entstand 1922, das heißt kurz nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem für Ungarn so schmerzvollen Frieden von Trianon, als das Land mehr als zwei Drittel seines bisherigen Gebietes und einen Großteil seiner Bevölkerung verlor. All dies, der Weltkrieg sowie die Wirkung von Trianon, ist in diesem Roman spürbar: Nicht nur die Antikriegshaltung des Schriftstellers kristallisiert sich heraus, sondern auch der tiefe Schmerz aufgrund der Zerissenheit des Landes. Móricz empfand die Situation des gerade verlorenen Zaubergartens, Siebenbürgens im 17. Jahrhundert, ähnlich der aktuellen Situation Ungarns. Der Protagonist des Romans ist Fürst Gabriel Báthory, der aufbrausende, abenteuerlustige Soldat. Er repräsentiert den Krieg, die großen Konzeptionen. Doch gleich wie authentisch die Darstellung der Epoche ausfällt und wie geschickt Móricz die Fiktion mit der Wirklichkeit vermischt, so dass dem Leser alles historisch authentisch erscheint, ihn interessiert nicht die Geschichte an sich, sondern der Mensch, das heißt die Frage, ob eine Persönlichkeit den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen in der Lage ist. Der andere Protagonist des Romans ist der andere Fürst Gabriel Bethlen. Im Vergleich zu Báthory ist er wesentlich zurückhaltender, farbloser. Er ist derjenige, der das Vorankommen nicht in den großen Konzeptionen, sondern beispielsweise im Handel, in der nüchternen Realität sucht. Er ist das vollkommene Gegenteil Báthorys. Während Báthory aus dem Glanz der Höhe tief fällt, erhebt sich Bethlen aus der Tiefe in die Höhe. Móricz weiß, dass der rechte Weg jener Bethlens ist, doch gilt seine Sympathie, seine Bewunderung Báthory. Die anderen beiden Bände der Trilogie sind "Der große Fürst" und "Schatten der Sonne".

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