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Imre ORAVECZ
( 1943 )

Biographie

1943 (15. Februar) in Szajla geboren
1962 – 1967 Studium der Fächer Hungarologie und Germanistik an der Universität Debrecen
1968 – 1973 findet aus politischen Gründen keine Anstellung, arbeitet freischaffend; lebt in Budapest, Paris und London
1970 übersetzt für die ungarische Nachrichtenagentur MTI
1973 – 1974 Stipendiat an der Universität Iowa
1974 – 1976 Assistent am Fremdspracheninstitut der Wirtschaftsuniversität Karl Marx
1976 studiert an der Universität Illinois Linguistik; freischaffender Schriftsteller
1982 – 1994 Redakteur bei der Zeitschrift Élet és Irodalom, später fester Mitarbeiter
1985 – 1986 Gastdozent in Kalifornien
1990 Mitglied der Beratungskommission des Ministerpräsidenten
1991 – 1992 fester Mitarbeiter und Redakteur der Zeitung Új Magyarország
1993 fester Mitarbeiter bei der Zeitung Pesti Hírlap
1995 Dozent an der Katholischen Universität Péter Pázmány in Piliscsaba

Preise:
1970 Béla-Pásztor-Preis; 1972 Kassák-Preis; 1985 Milán-Füst-Preis; 1988 DAAD-Stipendium in Berlin; Örley-Preis; 1988 Prämie Für die Literatur der Zukunft; Attila-József-Preis (nicht entgegengenommen);1996 Sándor-Weöres-Preis; 1997 Buch des Jahres; 2001 Preis der Belletristengesellschaft; 2003 Kossuth-Preis

Buch der Hopis
1983

Das "Buch der Hopis" handelt beispielsweise von der Schöpfungsgeschichte des Indianerstammes der Hopis in Nord-Arizona. BEDEUTUNGSGEFLECHT IM KIVA Die Grube bedeutet das Nichts d. h. die Stütze der Geburt, die Erde bedeutet die Härte d. h. den Willen der Geburt, die Mauer bedeutet die Grenze d. h. den Raum der Geburt, die Säule bedeutet die Ruhe d. h. die Macht der Geburt, der Altar bedeutet das Opfer d. h. die Antwort der Geburt, das Feuer bedeutet den Wandel d. h. die Wärme der Geburt, das Bänkchen bedeutet das Warten d. h. die Zeit der Geburt, die Leiter bedeutet den Weg d. h. die Qual der Geburt, das Dach bedeutet die Höhe d. h. den Himmel der Geburt, die Öffnung bedeutet die Richtung d. h. das Ziel der Geburt (Aus "A hopik könyve", Aus dem Ungarischen übertragen von Oskar Pastior)

September 1972
1988/1993

Im Werk "1972. szeptember" (September 1972) erzählt er die Geschichte eines Liebesdramas, indem er dieselbe in eine Kette von freien Gedichten gliedert, als schreibe er einen Roman in Versen.

Fischfänger. Szajla – Fragmente zu einem Dorfroman
1998

Im Buch "Halászóember. Szajla - töredékek egy faluregényhez" (Fischfänger. Szajla - Fragmente zu einem Dorfroman) schreibt Oravecz im Grunde genommen den Roman seines Heimatdorfes in Versform nieder. Dieser letztgenannte Band ist ein Meisterwerk des Prosagedichts, frei von jedem Schnörkel, in einer klaren Sprache. Dem Rhythmus der gesprochenen Sprache angepasst, beschreibt Oravecz die Menschen, Orte, Jahreszeiten, Gerätschaften und Spiele mit nahezu soziografischer Genauigkeit, die avantgardistische Lyrik und die bäuerliche Welt nähert er einander mit einer überraschenden Natürlichkeit an, ebenso die Lyrik und die Epik. Gedicht und Prosa werden gleichsam miteinander vereint, während der Text nichts von seinem Lyrischen verliert. Oravecz ist ein bedeutender Dichter und ein bedeutender Erzähler. "Wir haben einen Zsigmond Móricz, er heißt Imre Oravecz." Auch dieser Satz stammt aus der Feder Péter Esterházys. Gedichte von Imre Oravecz sind in deutscher Sprache in dem Band "Inzwischen fallen die Reiche - Poesie aus Ungarn" beim Verlag edition die horen 1990 erschienen.

Ondroks Graben
2007

Die große literarische Sensation dieses Jahres. Es ist ein Bauernroman, ein Dorfroman, die Beschreibung des Zustandes in Ungarn auf dem Lande zwischen den Jahren 1867 und 1896. Mit diesem Buch gelingt dem Autor die vielleicht bisher beste Annäherung an das Wesen des Schicksals des ungarischen Bauern. Es handelt sich um einen Familienroman (die Geschichte der Familie Árvai wird über drei Generationen verfolgt), der jedoch gleichzeitig auch ein Bildungsroman, ein Meisterroman über den Vater-Sohn-Konflikt und nicht zuletzt ein empfindsam gezeichneter Liebesroman ist. Außerdem geht der Autor der Frage genau auf den Grund, weshalb in dieser Zeit ungefähr eine Million ungarische Staatsbürger nach Amerika taumelten. Diese außerordentlich spannende Familiengeschichte aus der Hand zu legen, fällt dem Leser schon deshalb schwer, weil es selbst Móricz und Mikszáth nicht gelungen ist, die Welt der Bauern und ihre Lebensumstände auf eine derart umfassende und sensible Art zu beschreiben. Gleichzeitig liefert der Roman, wie alle großen Werke, eine über das bäuerliche Leben weit hinausgehende, universelle Definition des menschlichen Schicksals. Oravecz beschrieb sein Heimatdorf, Szajla, bereits in seinem Gedichtroman "Fischender Mann" (1998) und tat dies nun erneut, in Form eines "richtigen" Romans. Die Handlung dieses Werks geht, wie bereits erwähnt, bis 1896 und man kann nur hoffen, daß es eine Fortsetzung dieser Geschichte geben wird. "Die empathische Neutralität der Erzählweise, deren mitfühlende (weil Mitgefühl auslösende) Leidenschaftslosigkeit ist schlicht und einfach ohnegleichen in der ungarischen Literatur." László Szilasi, Élet és Irodalom "Mit einer stillen Zurückhaltung bringt uns der Roman den Urerlebnissen der Geburt und des Todes nahe, aber auch der Kraft der Schöpfung im Sexus und dessen Fehler in manchen mißglückten Wesen." József Tamás Reményi, Népszabadság

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