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Géza OTTLIK
( 1912 - 1990 )

» Die Schule an der Grenze (1959)
» Prosa (1980)
» Buda (1993)

Biographie

1912 (9. Mai) in Budapest geboren
1923-29 besucht die Militärschule in Köszeg und absolvierte die Kadettenanstalt in Budapest
1931-35 Studium der Mathematik und Physik an der Universität in Budapest
1931 erste Erzählungen in literarischen Zeitschriften
1939 Mitarbeiter der bedeutenden Literaturzeitschrift Nyugat (Westen)
1945-46 Dramaturg beim Ungarischen Rundfunk
1945-47 Sekretär des Ungarischen PEN-Clubs;
1949-57 Publikationsverbot, lebt von literarischen Übersetzungen
1960 Studienreise nach London, galt als einer der besten Kenner englischer und amerikanischer Gegenwartsliteratur, überträgt u.a. Dickens, Shaw, Hemingway
1990 (9. Oktober) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1981 Attila-József-Preis; 1985 Kossuth-Preis; 1988 Ernő-Szép-Preis; 1990 István-Örkény-Preis

Die Schule an der Grenze
1959

Trotz eines nur schmalen Lebenswerks, gilt Ottlik als derjenige Autor, der am entscheidensten auf die ungarische Prosaliteratur der zweiten Jahrhunderthälfte eingewirkt hat. Sein 1959 erschienener Roman "Iskola a határon" (Die Schule an der Grenze) wurde zum eigentlichen Kultbuch der nachfolgenden Schriftstellergeneration. Es beschwört die beklemmende Atmosphäre einer Militärschule an der ungarischen Westgrenze herauf, in die im Herbst des Jahres 1923 die drei Zöglinge Medve, Both und Szeredy als elfjährige Zöglinge eintreten. Dreißig Jahre später taucht zwischen Both und Szeredy unabweisbar die Frage nach dem Sinn und Wahrheitsgehalt dessen auf, was sie damals - an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein - erlitten und erlebt haben. Zug um Zug wächst ihnen aus den Hieroglyphen gemeinsamer Erinnerung und den Memoiren Medves die vieldeutige Antwort zu. Wie prägend und wie wirklich waren die disziplinarische Schreckensherrschaft der Unteroffiziere, der sie auf Schritt und Tritt unterworfen waren, der gesetzlose Kampf aller gegen alle, den sie hinter dem Rücken ihrer Ausbilder unablässig führten, das ereignislose Einerlei ihres streng reglementierten Daseins, das lärmende Durcheinander der spielenden Kinder in den Freistunden? Aus dem Strom der Ereignisse und Episoden heben sich diejenigen hervor, in deren Mittelpunkt der sensible und leidenschaftliche Gábor Medve steht, der sich der herrschenden Clique um den bösartigen Zögling Merényi als Einziger nicht unterwirft. Allen Widerständen zum Trotz knüpfen sich allmählich Freundschaften und es schimmert eine Welt auf, die vom militärischen Drill nicht zerstört werden kann, "irgendeine geheimnisvolle Kraft des Verstehens, ein Rest von Freiheit und Autonomie", die man niemandem gegen seinen Willen rauben kann. Der ungarische Romancier Tibor Déry schreibt: "Ottliks Roman gehört zu jenen seltenen Büchern, die mein in den letzten Jahren schon sehr schwaches Verlangen nach neuer Literatur noch zu reizen und zu befriedigen vermochte. Ich glaube, es ist ein großes Buch."

Prosa
1980

Dieser Band mit vermischten Schriften aus vier Jahrzehnten versammelt bis dahin nur verstreut in literarischen Zeitschriften erschienene Artikel und Essays der Kriegs- und Nachkriegsjahre ebenso wie unveröffentlichte Tagebuchauszeichnungen, Interviews, Prosaentwürfe und Werkstattberichte. Hinzu kommen kritische Arbeiten und theoretische Betrachtungen aus den sechziger und siebziger Jahren. Zusammengenommen zeigen die Texte das wohldurchdachte Gedankengebäude, das der schriftstellerischen Arbeit Ottliks zugrunde liegt. Sie kreisen um Fragen des modernen Romans, dessen Rolle und Möglichkeiten, des Verhältnisses von Roman und Wirklichkeit und um Probleme des literarischen Übersetzens.

Buda
1993

Über dreißig Jahre hatte sich unter ungarischen Intellektuellen hartnäckig das Gerücht gehalten, daß Ottlik an einer Fortsetzung seines Hauptwerkes "Iskola a határon" (Die Schule an der Grenze) arbeite, ohne daß jemand das Manuskript je zu Gesicht bekam. So war dessen posthumes Erscheinen 1993 eine literarische Sensation, die mit großer Spannung erwartet wurde. Kaleidoskopartig erzählt Ottlik darin die weiteren Stationen im Lebensweg seiner früheren Helden. Wichtigster Schauplatz der nicht chronologisch geordneten Episoden ist Buda, der am rechten Donauufer gelegene Hauptstadtteil. Die bruchstückhaften Szenen sind geprägt von der Suche nach Harmonie und Geborgenheit, die das Leben lebenswert machen. Sie gewähren poetische Einblicke in die vielgestaltigen Möglichkeiten der Seele, doch fügen sie sich nicht zu einem geschlossenen Roman.

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