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Károly PAP
( 1897 - 1945 )

» Die achte Station (1933)
» Jüdische Wunde und Sünde (1935)
» Azarel (1938)
» Mozes (1944)

Biographie

24. September 1897 geboren in Sopron als Sohn des Rabbiners der Stadt
1915 als Freiwiliger zum Frontdienst
1919 Soldat der Roten Armee
1920-21 Gefängnisstrafe wegen politischer Unruhestiftung
1921 Wien, unter schwierigsten Umständen
1922 Arbeit bei einem Sargmacher in Debrecen
1923 bei „Pesti Napló“ erscheint die erste Erzählung
1927 Heirat mit Hedvig Solymosi
1930 nominiert für den Baumgarten-Preis, den er aus politischen Gründen nicht bekommt
1944 Arbeitslager
1944 Konzentrationslager Buchenwald
1945 KZ Bergen-Belsen, gestorben nach dem 31. Januar - sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt

Die achte Station
1933

Auch der mittlere Teil von Paps Romantrilogie spricht über die Liebe, über die quälende und wunderschöne Sehnsucht nach der Erlösung. Der Held des Romans ist Leviat, der Maler, dessen Name ebenso wie Azarel oder Mikáel auf die Bibel verweist. Leviat möchte das perfekte Kunstwerk schaffen, etwas, das den Menschen verändern kann, das aus dem Bösen einen Guten macht, aus dem Hassenden einen Menschen voller Demut, aus dem Alltagsmenschen einen Erlöser. Es geht nicht darum, einfach Hass mit Liebe zu erwidern, weil die Demut für diejenigen, die ehrlich und tief glauben können, ohnehin fast eine "Pflicht" ist, jedenfalls wenn man mit einem absoluten moralischen Maß misst. Leviat legt die Latte höher: seine moralische Aufgabe ist also nicht nur, auf Bösartigkeit mit etwas Gutem zu antworten, sondern die Bösartigkeit eines Menschen in Liebe zu verwandeln, zu helfen, dass die Menschen von bösen Neigungen frei werden können... Es ist keine Aufgabe für einen Propheten, sondern eine für den Messias selbst... (Nach Tamás Lichtmann) Der Roman erschien erstmals 1931 in Fortsetzungen in der Zeitschrift "Nyugat".

Jüdische Wunde und Sünde
1935

Der Essay von Károly Pap war zu seiner Zeit eine geistige und moralische Herausforderung für seine Leser, sein Publikum, seine Kritiker. Er entstand in einer tragischen Zeit, als über jüdische Wunden zu sprechen bedeutete, gegenüber den herrschenden Strömungen der Zeit Widerstand zu leisten, ja bedeutete Kampf, fast selbstmörderische Herausforderung. Als Gründe dieser Wunden jüdische Schuld zu benennen wurde einerseits als Gotteslästerung gegenüber der eigenen Gemeinschaft und gleichzeitig als Anbiederung an den Zeitgeist empfunden, der sowieso jüdische Schuld erfand. So war es weder für den Autor noch den Leser (damals und heute) verwunderlich, dass die Streitschrift von Pap zum einen heftigen Widerstand, ja kräftige Ablehnung erfuhr, von der anderen Seite aber höchstens herablassendes Verständnis oder ein mildes Lächeln bekommen konnte. Der Essay verbindet drei groß angelegte Denkkreise: die biblische und frühe jüdische Vergangenheit, die stürmischen Jahrhunderte des europäischen, besonders des jüdisch-ungarischen Zusammenlebens, und Vorstellungen von einer Auswegsuche für eine jüdische Zukunft. Im Mittelpunkt dieser Streitschrift steht die Frage der jüdischen Schuld oder, noch allgemeiner formuliert, die theologisch-gesellschaftliche Frage der Schuld. Károly Pap findet die ersten Zeichen der jüdischen Urschuld in den Figuren Abrahams, Jakobs und Josephs, besonders bei letzterem, der für Károly Pap den ersten Assimiliationsversuch vertritt. Dies ist ein gewagt anachronistischer Gedanke. Die jüdische Urschuld vervollständigt sich im Schicksal von Moses und wird ein bis heute gültiges paradigmatisches Leben. Was für eine Lösung findet der Schriftsteller im abschließenden Teil seiner Streitschrift? Das Wesentliche fasst er in der kategorisch formulierten Aufforderung zusammen: zurück zur Kritik an uns selbst! Der assimilierte Jude lebt in einem Todestraum, anders formuliert, die Assimilation ist eine moderne Art von Selbstmord.

Azarel
1938

Der Held des Romans ist Gyurka Azarel, dessen inneren Monolog wir lesen. Die psychologischen und gesellschaftlichen Probleme werden nicht auf verbaler, sondern auf einer visionären Ebene dargestellt. Erzählt wird die Selbstfindung des einsamen Gyurka Azarel, der mit Beklemmungen und Schmerzen gepflasterte Weg, sein Schicksal zu akzeptieren. Gyurka wird als dritter Sohn eines neologen Rabbiners geboren. Sein Vater verspricht ihn noch vor seiner Geburt dem Großvater Jeremias. Der hat früher als Händler gearbeitet, jetzt lebt er in seiner jüdisch-orthodoxen Besessenheit in einem Zelt im Hof der Synagoge und beschäftigt sich ausschließlich mit dem Gedanken der Erlösung. Nachdem er von seinen Söhnen längst enttäuscht ist, bleibt der Enkel seine einzige Hoffnung. Ihn will er so erziehen, dass das Kind später das Ankommen des Erlösers befördern kann. Das Kind und der in religiösem Wahn lebende alte Mann - eine schwierige Kindheit für Gyurka Azarel. Als der Großvater stirbt, kommt Gyurka zu seiner Familie zurück, kann sich aber nie wieder heimisch fühlen. Weil er nach seiner Auffassung nicht geliebt wird, versucht er immer verzweifelter die Liebe seiner Familienmitglieder zu provozieren, die aber alle seine Handlungen als Ungehorsam und schlechtes Benehmen sehen. Als er verzweifelt aus dem Fenster springt, schelten ihn die Eltern wegen seiner Undankbarkeit... Das überempfindliche Kind lehnt sich immer mehr gegen seine Familie auf, die ihm gegenüber kaum Verständnis aufbringen kann, er bezweifelt sogar die Existenz Gottes und beschuldigt seine Eltern, dass sie nur deswegen die religiösen Vorschriften einhalten, um dafür das Rabbinergehalt kassieren zu können. Nach einem Streit flieht Gyurka von zu Hause, er will die bösen Menschen auf die Probe stellen. Fiebrig und krank kommt er schließlich in der Synagoge des Vaters an um über seine Zweifel reden. Das Kind wird von seinen Eltern nach Hause getragen. Die Eltern verzeihen dem verlorenen Sohn und Gyurka verspricht, alles zu tun, um die Gesetze seiner Familie und der Religion in Zukunft einzuhalten.

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