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György PETRI
( 1943 - 2000 )

Biographie

1943 (22. Dezember) in Budapest geboren
1966-1971 Studium der Philosophie und ungarischen Literatur an der Budapester Loránd-Eötvös-Universität
ab 1974 freischaffender Schriftsteller und Übersetzer u.a. von Brecht
1975-1985 wegen seines Engagements in der demokratischen Opposition Ungarns waren seine Gedichte "politisch nicht annehmbar", drei Samisdat-Ausgaben erschienen; Gründungsmitglied der Stiftung zur Unterstützung Armer
1981-1985 Redakteur der oppositionellen Zeitschrift Beszélő (Sprechzeit)
1986 Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms der DAAD
1989-2000 Herausgeber der Zeitschrift Holmi
2000 (16. Juli) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1986 Niveau-Preis des Europa-Verlags; 1988 Preis des Kelemen-Mikes-Kreises, Holland; 1989, 1994 Tibor-Déry-Prämierung; 1990 Attila-József-Preis; 1991 Prämierung "Buch des Jahres"; 1992, 1996 Preis für das Lebenswerk, Soros-Stiftung; 1996 Kossuth-Preis; 1997 Nikolaus-Lenau-Preis

Erklärungen für M.
1971

Petri gehörte zweifelsohne zu den wichtigsten Dichtern der ungarischen Dissidenten-Szene, von 1976 an wurden seine Publikationsmöglichkeiten wegen seiner oppositionellen Haltung bis hin zum Verbot eingeschränkt. In den philosophischen Gedichten macht er die Absurdität und die verlorenen Illusionen nach dem Prager Frühling und der Situation in Ungarn deutlich. Dabei betrachtet das lyrische Ich in seinen Texten die Welt einerseits distanziert, von einer existentialistischen Grundposition aus, andererseits verraten die poetischen Bilder eine emotionale Verbindung zu den präzise beobachteten Details. Hans-Magnus Enzensberger schreibt in einem Brief über den Dichter: "Ich habe [...] in der deutschen Übersetzung [...] eine größere Auswahl seiner Gedichte gelesen. Sie wissen so gut wie ich, dass die Lektüre von Gedicht-Manuskripten gewöhnlich undankbar und langweilig ist. Sie können sich also meine Überraschung vorstellen, als ich von diesen Texten geradezu enthusiasmiert war. Die Gedichte sind selbständig, kühn, frei von der schlechten Bescheidenheit, die heutzutage, nicht nur in Deutschland, die lyrische Produktion charakterisiert."

Ewig blauer Montag
1981

In seinem zweiten Lyrikband "Körülírt zuhanás" (Umschriebener Absturz) sind Hass und Ekel die bestimmenden Erlebnisse, nun wird diese tragische Betrachtungsweise von einer grotesken abgelöst, die um die Tabuthemen Politik, Körperlichkeit und Tod kreist. Bemerkenswert sind die Liebesgedichte: die Maya-Gedichte und der Sára-Zyklus. Ilma Rakusa fasst die poetische Redeweise Petris folgendermaßen zusammen: "Der Rest ist Schweigen. Meisterhaft geht Petri mit dem Ungesagten um, bringt die Stille - zwischen den Worten, den Zeilen - zum Vibrieren. Mit Vagheit hat das nichts zu tun. Petri strebt immer nach Klarheit, die prägnante Sentenz gehört zu den Grundelementen seiner Poesie, die im wesentlichen als Gedankenlyrik zu bezeichnen wäre."

Solange man kann
1999

Der letzte zu Lebzeiten des Dichters erschienene Band steht schon im Zeichen der unheilbaren Krankheit. In den Texten ist angesichts der Unsicherheit der noch verbleibenden Zeit gleichsam eine reine, einfache Tonart sowie eine Konzentration auf das Wesentliche zu vernehmen. Es geht um Themen wie Essen, Trinken, Spaziergänge und die Liebe (Mari-Gedichte), die tagebuchartigen Gedichte nähern sich den Fakten in der Einfachheit der Alltagssprache, aber auch mit Galgenhumor. Petri, der niemals dem Selbstmitleid verfiel, zieht eine schonungslose Bilanz, ohne dabei seinen Schmerz zu leugnen.

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