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János PILINSZKY
( 1921 - 1981 )

Biographie

1921 (25. November) in Budapest geboren
1938 studierte Jura, ungarische Literatur und Kunstgeschichte an der Budapester Universität
1938 erschienen erste Gedichte in Literaturzeitungen
1944 als Soldat in Deutschland, dann Kriegsgefangener
1946-1947 Mitherausgeber der Zeitschrift Újhold (Neumond), die 1948 verboten wurde
1947-1948 Reise nach Rom
1957 Mitarbeiter bei dem katholischen Wochenblatt Új Ember (Neuer Mensch)
1960-1970 Teilnahme an Lesereisen durch Europa und Amerika
1963 Aufenthalt in Paris, wo er die Schriften Simone Weils kennenlernte
1981 (27. Mai) in Budapest gestorben

Wichtige Preise:
1947 Baumgarten-Preis; 1971 Attila-József-Preis; 1980 Kossuth-Preis

Trapez und Geländer
1946

Für Pilinszky wie für andere junge Autoren, die sich um die einflussreiche Zeitschrift "Újhold" (Neumond) versammelten, waren die Erlebnisse des Krieges eine apokalyptische Erfahrung, die sich auch in ihren dem Existentialismus nahe stehenden Existenzauffassungen widerspiegelt. Seine Dichtung spricht daher von der totalen Absurdität der Welt und der Ausweglosigkeit des menschlichen Schicksals, wenngleich auch immer eine religiöse, christliche Dimension mitschwingt, die eine Hoffnung auf Gnade und Erlösung angesichts der immer globaler werdenden Katastrophen verspricht. Mit dem 1947 verliehenen Baumgarten-Preis, der damals höchsten literarischen Auszeichnung, wurde seine überzeugende poetische Sprache ausgezeichnet, die seinen auch später charakteristischen Motiven (z. B. der Mensch als verurteilter Sträfling) Formen verlieh: "Was wird aus mir und was wird aus dir? / Ich liebe dich ohne Trost! / Wir sind Sträflinge, die verurteilt sind, / zu hocken auf himmlischen Barren."

Am dritten Tag
1959

In der stalinistischen Zeit der fünfziger Jahre war Pilinszky zum Schweigen verurteilt, erst nach 1957 konnte er wieder veröffentlichen. Der Band "Harmadnapon" führt die Auseinandersetzung mit den Themen wie Kriegserlebnisse, die Psychologie von Schuld und Sühne sowie das Mysterium des menschlichen Seins fort. Besondere Bedeutung hat die mehr als achtzig Zeilen umfassende Dichtung "Apokrif" (Apokryph), die György Rónay im Vergleich mit Becketts "Warten auf Godot" als "die bleibendste und existentialistischste christliche Stimme im tragischen De profundis der Jahrhundertmitte" würdigte. Nach György Eisemann steht Apokrif "in der Spannung zwischen der Konfrontation mit Verderben und Untergang und dem Bewusstsein der Existenz im Angesicht Gottes, zwischen Verlassenheit und Fremde und der Sehnsucht nach der 'alten Ordnung' eines jenseitigen Zuhause, zwischen dem Leiden der Kreatur und ihrem Harren auf Erlösung."

Der Feiertag des Tiefpunkts
1984

In den sechziger Jahren begann Pilinszky, sich zunehmend auch in publizistischen Schriften zu artikulieren und seine Reflexionen über christliche Kunst und Ethik in Essays, Artikeln und Tagebuchaufzeichnungen zu veröffentlichen. U.a. beschäftigte er sich mit Dostojewski, auf musikalischem Gebiet mit Bach und Mozart, in der Malerei mit van Gogh, aus der Philosophiegeschichte inspirieren ihn Kierkegaard und Gabriel Marcel. Besonderen Einfluss übte auf ihn die französische Philosophin Simone Weil aus. István Jelenits, der Herausgeber dieses Sammelbandes, charakterisiert Pilinszkys Schriften in seinem Vorwort: "[...] alle seine Schriften sind ein Bekenntnis und eine Beichte und halten den Leser dazu an, dass er sich selbst gegenüber aufrichtig ist und sich den wichtigsten Fragen des menschlichen Seins stellt."

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