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Ferenc SÁNTA
( 1927 - 2008 )

» Winterblüte (1956)
» Das fünfte Siegel (1963)
» Zwanzig Stunden (1964)

Biographie

1927 (4. September) in Kronstadt (heute Braşov, Rumänien), verbrachte seine Kindheit in Siebenbürgen auf dem Lande
1945 Schüler am Reformierten Gymnasium in Debrecen, brach die Schule ab und probierte sich in verschiedenen Berufen aus
1954 debütierte er mit der Erzählung "Sokan voltunk" (Wir waren viele)
1958-1968 Tätigkeit als Bibliothekar
Er ist am 6. Juni 2008 in Budapest gestorben.

Wichtige Preise:
1956, 1964 Attila-József-Preis; 1970 Goldene Nymphe, Monte Carlo, 1973 Kossuth-Preis, 1993 Ehrenkreuz zum Verdienstorden der Ungarischen Republik

Winterblüte
1956

Sein erster Erzählband ist in einem einheitlichen Ton gehalten und ist inspiriert vom eigenen Erleben und Gehörten aus seiner Kindheit im dörflichen Siebenbürgen. Wesentliche Eindrücke stammen aus den Erzählungen seines Großvaters, eines berühmten Märchenerzählers. Volksmärchen und Volksballaden, die Sagen- und Glaubenswelt der Székler waren Sántas erstes und prägendes Erlebnis der Poesie. Das Hauptmotiv seiner Erzählungen sind die Armut und die Sorge um das tägliche Brot. In der Erzählung "Sokan voltunk" (Wir waren viele) schildert er die Not einer kinderreichen Familie in einem siebenbürgischen Dorf, deren Großvater sich opfert, damit seine Enkel etwas mehr zu essen haben. Einem alten Ritual folgend geht er zum Sterben in eine mit giftigem Gas gefüllte Höhle. In den Geschichten werden familiärer Zusammenhalt, Aufeinanderangewiesensein und Zuneigung als Leitmotive und Werte postuliert, um den Menschen gegen die feindliche Außenwelt zu stärken, die Familie gilt dabei als letzter Hort von Menschlichkeit. Im Ton, Stil wie auch im Rhythmus erinnern die Texte stark an die Volksdichtung. Die frühe Prosa Sántas wurde mit den Werken Áron Tamásis, Ferenc Móras und Zsigmond Móricz' verglichen. In seinem zweiten Novellenband "Farkasok a küszöbön" (Wölfe auf der Schwelle) ist schon ein individueller Stil zu spüren, die Geschichten sind parabelhaft konzipiert und wenden sich dem Verhältnis zwischen Mensch und Geschichte zu.

Das fünfte Siegel
1963

Im Winter 1944/45, als in Ungarn der Terror der faschistischen Pfeilkreuzler herrscht, treffen sich der Uhrmacher, der Tischler, der Büchervertreter und der Fotograf allabendlich am Stammtisch einer Budapester Kneipe, um mit dem Wirt über Gott und die Welt zu diskutieren. Einfältig und behaglich streiten sie über die Zubereitung eines Fleischgerichts wie auch über die alte Frage von persönlicher Anständigkeit und Moral, als deren Hüter sich jeder einzelne versteht. Jeder versucht auf seine Weise durch die schwere Zeit zu kommen, bis einer von ihnen zum Verräter wird und sie vom Tode bedroht sind. Als nur noch das eindeutige Bekenntnis zählt, wachsen diese "kleinen Leute" über sich hinaus und entscheiden sich für die Menschlichkeit. Dieses Buch errang hohe Anerkennung und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Der Roman wurde von Zoltán Fábri verfilmt.

Zwanzig Stunden
1964

Der reprotageartig und soziographisch angelegte Roman geht in zwanzig Kapiteln der Ermordung des Bauern Kocsis durch den Polizisten Varga nach. Während des Volksaufstandes 1956 hatte sich Varga aus Angst vor Rache in den Wäldern versteckt. Danach kehrte er in das Dorf zurück, um den "Klassenkampf" mit denselben Methoden fortzuführen wie in der Rákosi-Zeit, der stalinistischen Epoche Ungarns, als er als Parteisekretär und Volkspolizist skrupellos gegen die "Feinde des Volkes" vorging. Es wird aber auch aufgedeckt, dass die Bauern während des Aufstandes versucht hatten, den Direktor des verstaatlichten Gutes zu ermorden. Im Laufe der genauen Betrachtung des Ereignisses von unterschiedlichen Seiten zeichnen sich die Motive beider Seiten klarer ab, Wahrheit und Recht sind auf beiden Seiten zu finden, und es fällt daher schwer, ein Urteil zu fällen. Die Filmfassung des Romans unter der Regie von Zoltán Fábri hatte internationalen Erfolg.

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