Autorenseite

Imre SARKADI
( 1921 - 1961 )

Biographie

1921 (13. August) in Debrecen geboren
1939-42 Jurastuduim an der Universität in Debrecen
1942-44 Journalist in Debrecen
1946 geht nach Budapest, dort Redakteur bei einer Zeitung und Mitarbeiter verschiedener Literaturzeitschriften
1947-48 arbeitet beim Rundfunk; wird aus politischen Gründen entlassen
1949 Lektor bei der Ungarischen Filmgesellschaft Mafilm
1953-54 Lehrer in der Provinz (Balmazújváros)
1954–55 Mitarbeiter verschiedener Literaturzeitschriften in Budapest
1955–57 Dramaturg am Theater
1956 erhält nach dem Volksaufstand Publikationsverbot
1960 als Fabrikarbeiter tätig
1961 (12. April) unter ungeklärten Umständen gestorben, wahrscheinlich Selbstmord

Sperlingsflur
1954

Dieser Band enthält unter anderen Sarkadis bekannte Novelle "Kútban" (Im Brunnen), die von Kritikern als die mit Abstand beste ungarische Novelle dieser Jahre bezeichnet wird. Sie diente als Vorlage für Zoltán Fábris überaus erfolgreichen Film "Körhinta" (Karussell). Sarkadi erzählt darin eine Art ländliche Variante des Romeo-und-Julia-Motivs, eine einfache Geschichte von der Allmacht der Liebe, die alle Hindernisse überwindet. Der Bauernjunge Máté liebt Mari und möchte sie heiraten, doch Maris Eltern suchen, damit sich die Armut beider nicht verdoppelt, nach einem wohlhabenderen Bräutigam für ihre Tochter. Die dörfliche Gesellschaft aber hilft den beiden Liebenden. Zugleich ist es auch eine Erzählung über den tragischen Kampf zwischen Altem und Neuem und die sich wandelnden Werte und Traditionen.

Simeon auf der Säule, Drama
1960

Das Stück ist eine Auseinandersetzung mit der Immoralität und der bewußte Selbstzerstörung des Menschen. Im Hintergrund steht die Figur des im fünften Jahrhundert in Syrien lebenden Einsiedlers Simeon, der sich der strengen Askese zuwandte und 37 Jahre auf derselben Säule verbrachte. Von ihr fühlt sich der Protagonist des Stücks, der Maler János Kis, angezogen. Als er seine Stellung verliert, aus seiner Wohnung geworfen und von seiner Geliebten verlassen wird, beginnt er seine aus der eigenen Erfolglosigkeit resultierenden inneren Leere mit der Askese Simeons und der Haltung des Gonscharow'schen Oblomow zu vergleichen. Er betrachtet sich als einen der von den Gesetzen der Zivilisation unabhängig Fatalist, verabscheut die Welt und beschließt, sich "auf die Seite der Umstände" zu stellen und "dem Böse in der Welt zu größerer Macht zu verhelfen", um die Wahrheit zu erkennen, so, wie einst Simeon. Sarkadi gelingt eine perfekte Darstellung dieses vielschichtigen Charakters. Das dem Absurden verwandte, mit morbiden Humor geschriebene, existentialistische Züge aufweisende Stück gilt als Sarkadis originellstes dramatisches Werk.

Das verlorene Paradies
1961

Das Drama führt die Geschichte des Landarztes Zoltán Sebők fort, den Sarkadi bereits zur Hauptfigur seines 1960 erschienenen Romans "Bolond és szörnyeteg" (Der Narr und das Ungeheuer) gemacht hatte. Sebők, der überaus begabte, doch ausgebrannte, sich in Abenteuer versteigende Arzt gelangt nach einer tödlich verlaufenen Abtreibung zu der Erkenntnis, daß keine Rechtfertigung für sein mißlungenes Leben gibt, daß er für die Vergeudung seiner Fähigkeiten selbst verantwortlich ist. In einer Lage, wo er zwischen Gefängnis und Selbstmord zu wählen hat, besucht er seinen Vater, einen mit Weisheit und ungebrochenem Glauben ausgestatteten, schöpferischen Menschen. Dort begegnet ihm in Gestalt des Mädchens Mira auch reine und echte Liebe. Allmählich erkennt er, daß man sinnvoll und nützlich leben kann, auch wenn für ihn das Paradies verloren ist. Es bleibt offen, ob er sich am Ende, in der Hoffnung, daß ihn nach verbüßter Strafe an der Seite Miras ein besseres Leben erwartet, dem Gericht stellen wird. Das Stück wurde 1962 von dem bekannten ungarischen Regisseur Károly Makk verfilmt.

Feigheit
1961

Dieser Kurzroman handelt von Flucht und menschlichem Versagen und ist die Geschichte eines Scheiterns. Er beginnt am dreißigsten Geburtstag der Erzählerin, der bequem und sorglos lebende Frau eines bekannten Bildhauers. Noch nicht endgültig erstarrt und ausgebrannt, spürt sie, daß all ihre früheren Pläne davongeschwommen sind und sie sich verkauft hat. Angewidert von der sie umgebenden zynische Intellektuellengesellschaft, sieht sie eine Chance auszubrechen und Erfüllung zu finden, als sie den jungen, zielstrebigen Ingenieur István kennenlernt und sich in ihn verliebt. Obwohl begabt und mit vielen Möglichkeiten ausgestattet, scheitert ihr Versuch der Selbstverwirklichung an der eigenen Schwäche und Feigheit. Zwar schneidet sie ohne mit der Wimper zu zucken eine Stelle an ihrem Bein auf, als sie von einer Schlange gebissen wird, doch vor dem gewöhnlichen Leben auf dem Dorf, wo ihr Geliebter Arbeit bekommen könnte, hat sie Angst. Die ersten Schwierigkeiten lassen sie zurückschrecken und in die fragwürdige Geborgenheit und das inhaltlose Leben der Künstlergattin zurückkehren. "A gyáva" (Feigheit) gilt als der wichtigste Roman Sarkadis. Darüber hinaus ist er von Bedeutung für die ungarische Literaturgeschichte, weil hier erstmals nach 1956 auf hohem ästhetischem Niveau die politisch tabuisierte Erkenntnis formuliert wurde, daß der Sozialismus die Lebensführung und Verhaltensformen des Menschen nicht zum Besseren zu wenden vermag.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN