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Biographie

1927 (17. Juni) in Pusztakamarás (Cãmãraºu, Rumänien) geboren
1940-1945 besucht das Kollegium in Nagyenyed; Abitur am Kollegium in Kolozsvár
1948-1989 Redakteur, später Chefredakteur der in Rumänien erscheinenden ungarischsprachigen Zeitschriften Falvak Népe (Dorfvolk), Igaz Szó (Wahres Wort) und Új Élet (Neues Leben); stellvertretender Vorsitzender des Rumänischen Schriftstellerverbandes; setzt sich über viele Jahrzehnte für die Belange der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen ein

Wichtige Preise:
1951, 1954 Rumänischer Staatspreis; 1970 Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes; 1979 Herder-Preis; 1989 Preis der Ungarischen Kunststiftung; 1987/88 Preis der Theaterkritiker; 1990 Gábor-Bethlen-Preis; 1992 Literaturpreis der Zeitschrift Tiszatáj; 1992 Kossuth-Preis

Mutter verspricht guten Schlaf
1970

Der Roman "Anyám könnyű álmot ígér" (Mutter verspricht guten Schlaf) gilt bis heute als das bedeutendstes und wirkungsvollstes Werk András Sütős. Er erzählt darin die poetische Geschichte eines Bauernjungen, der in die Stadt aufbricht, um Wissen zu erwerben und nach Jahren als erfolgreicher Schriftsteller in sein siebenbürgisches Heimatdorf zurückkehrt. "Schau dich um, erst im Hof, dann im Dorf, und schreib über uns" wird er von der Mutter aufgefordert, die befürchtet, dass von der untergehenden Welt der Ungarn in diesem Land bald niemand mehr werde berichten können. So lässt der Schriftsteller seinen Helden den Anfängen seines Werdegangs nachspüren. In einer Mischung aus Kindheitserinnerungen, Familiengeschichte und Dorfchronik entsteht ein die fünfziger und sechziger Jahre umspannender literarischer Bericht über das Dorf Pusztakamarás und dessen ungarische und rumänische Bewohner. Zentrale Figur ist der Vater des Autors, ein geschickter Argrarmechaniker, der Anfang der fünfziger Jahre aufgrund absurder Anschuldigungen zum Kulaken erklärt und von seinem Hof vertrieben wurde. In dessen Geschichte zeigt Sütő die Absurdität einer ganzen Epoche auf. Die Authentizität des Textes wird durch eingebaute Briefe, Behördengesuche, Dokumente aus politischen Seminaren der fünfziger Jahre, sowie durch Volkslieder, Reime und Anekdoten erhöht. Zugleich setzt Sütő mit seinem Buch aber auch all jenen ein Denkmal, die sein Leben geprägt haben. Mit viel Humor und Poesie entreißt er ihre Geschichte, ihr oft schweres Schicksal dem Vergessen, und er tut es in einem reichen, kraftvollen, in eine jahrhundertealte Sprachtradition eingebetteten poetischen Ungarisch. Mit diesem Buch wurde András Sütő Anfang der siebziger Jahre schlagartig zum wichtigsten Chronisten und Sprecher der ungarischen Minderheit in Rumänien.

Stern auf dem Scheiterhaufen
1975

"Csillag a máglyán" (Stern auf dem Scheiterhaufen) gilt als das bedeutendste der vier historischen Dramen, die Sütő in den siebziger Jahren verfasste. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei große Figuren der europäischen Reformation: Johannes Calvin und der spanische Theologe und Arzt Michael Servet. Aus dramaturgischen Gründen macht Sütő die beiden Kontrahenten in seinem Stück zu Jugendfreunden. Jahre später wird Servet wegen seiner gegen die Trinitätslehre gerichteten Schriften von Calvin angeklagt. Dessen Bestreben ist es, die Macht der Genfer Protestanten um jeden Preis zu festigen. Als Servet zum Widerruf nicht bereit ist, zögert Calvin nicht, ihn auf den Scheiterhaufen zu schicken.

Auf den Spuren des verwundeten Vogels
1988

Das zweibändige Werk umfasst die wichtigsten Schriften zu Sütős großem Lebensthema, der bedrohten Existenz der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen. In einem erschütternden Vorwort beklagt er die verlorene Zukunft: "Ich dachte, wenn ich das Kind, das im letzten Drittel dieses Jahrhunderts geboren ist, an die Hand nehme und mit ihm durch das Fürstentum unserer Sprache wandere, dann könnten wir, wenn wir uns unsere Tradition, unser reiches Erbe vergegenwärtigen, zugleich auch ein Fenster in die Zukunft aufstoßen. In mir lebte die Hoffnung, daß zu den ewigen Stimmen unserer tausendjährigen Heimat eines Tages auch unsere Sprache, unsere geliebte Muttersprache wieder zählen werde. Ich dachte, daß Enkel und Großeltern, einander vor Augen, ihr Leben hier leben würden. Doch so ist es nicht gekommen." Der erste Band enthält den Tagebuchroman "Engedjétek hozzám jönni a szavakat" (Lasst die Wörter zu mir kommen), in dem mit fesselnder Schönheit, Erfindungsgabe und Anmut von den Streifzügen berichtet wird, die der Autor mit seinem Enkelkind durch Siebenbürgen, das Land der Muttersprache und der Kindheitsmärchen unternimmt. Der zweite Band versammelt kleineren Schriften, in denen immer wieder das Bild des heranwachsenden, fragenstellenden Kindes auftaucht. Daneben stehen Wanderungen in andere Regionen des Landes, etwa durch das Donaudelta und in den Gebirgsort Sikaszó. Den Schluss bilden die humorvollen, warmherzigen "Levelek a fehér toronyból" (Briefe aus dem weißen Turm). Diese Aufzeichnungen schließen zeitlich an den Roman "Anyám könnyű álmot ígér" (Mutter verspricht guten Schlaf) an und stellen trotz ihrer fast balladenhaften Grundstimmung ebenso eine Chronik der Epoche dar, wie einst der Roman.

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