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Magda SZABÓ
( 1917 - 2007 )

» Das Fresko (1958)
» Die Tür (1987)
» Für Elise (2002)

Biographie

1917 (5. Oktober) in Debrecen geboren
1935-1940 Studium der Klassischen Philologie und Hungarologie an der Debrecener Universität, Abschluss mit der Promotion
1940-1945 Lehrerin an der Reformierten Mädchenschule Debrecen, später in Hódmezővásárhely
1945 Tätigkeit im Ministerium für Religions- und Unterrichtsfragen
1949 Aberkennung des im selben Jahr verliehenen Baumgarten-Preises und Entlassung
1949-1958 Publikationsverbot
1950-1959 Lehrerin an einer Grundschule
ab 1959 freischaffende Schriftstellerin; Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften
Sie ist am 19. November 2007 gestorben.

Preise:
1949 Baumgarten-Preis (aberkannt); 1959,1972 Attila-József-Preis; 1970 Fellow der Universität Iowa, USA; 1978 Kossuth-Preis; 1982 SZOT-Preis; 1983 Pro Urbe; 1987 Csokonai-Preis; 1992 Preis der Getz Corporation, USA; 1996 Tibor-Déry-Prämierung; 1997 Mittelkreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn mit Stern; 1998 Ernő-Szép-Preis; 2001 Corvin-Kette; 2003 Femina-Preis (Paris), Prima Primissima-Preis

Das Fresko
1958

Seit den späten fünfziger Jahren erfreuen sich Magda Szabós Romane, Erzählungen, Dramen, Essays, Kinder- und Jugendbücher einer anhaltenden Popularität bei den in- und ausländischen Lesern. Ihre Laufbahn als Lyrikerin wurde in der stalinistischen Nachkriegszeit unterbrochen, während ihres Publikationsverbots begann sie sich mehr epischen Verfahren der Literatur zu widmen. Mit "Fresko" eröffnet Magda Szabó ihre erfolgreiche Laufbahn auf dem Gebiet der Erzählprosa. Die Handlung des Romans, die genau dreizehn Stunden dauert, nimmt einen Tag im Leben einer Pfarrersfamilie in den Blick. Die Familie kommt wegen der Beerdigung der schon lange in einer Nervenklinik gepflegten Mutter zusammen, auch die älteste Tochter Annuska, die der Familie frühzeitig den Rücken gekehrt hat und als Künstlerin in Budapest lebt, ist angereist. In der Monologform werden die Lebens- und Leidenswege, die Heucheleien und Beschränktheiten, falschen Hoffnungen und Vorstellungen entlarvt. "Die einander konfrontierenden inneren Monologe, welche die Illusion einer Vergangenheitsperspektive des Romans erwecken, umwinden und umkreisen den nunmehr bereits symbolischen Moment der Beerdigung. Diese Szene ist nicht nur das Zentrum der Romanstruktur, sondern zugleich das schmachvolle Finale der Familiengeschichte: auch Annuska sieht ihren in der Vergangenheit vollzogenen Bruch mit der alten Welt endgültig gerechtfertigt." (Ernő Kulcsár Szabó)

Die Tür
1987

Die 1905 geborene Emerenc ist fünf Jahre lang Hausangestellte bei einem Schriftstellerehepaar, aber sie kommt und geht, wie es ihr passt und erledigt dabei ihre Arbeit perfekt. Von ihrem schweren Leben gibt sie nur stückchenweise etwas preis, ihre eigene Wohnung darf niemand betreten. In der Zeit der schweren Krankheit des Schriftstellers öffnet sich Emerence und vertraut der Ehefrau Magda die Geschichte ihrer schweren Jugend an. Als ein geheimnisvoller Besuch absagt, ist die Haushälterin tief enttäuscht, später stellt sich heraus, dass es sich um die Tochter ihrer jüdischen Herrschaft handelt, die sie während des Krieges als ihr eigenes Kind ausgegeben und so vor der Deportation bewahrt hatte. Mit der Zeit entsteht eine starke Bindung zwischen den zwei Frauen, die schließlich auch zu einer Frage der Verantwortung wird. Als Emerenc schwer erkrankt, übertritt die Erzählerin deren Privatsphäre - sie lässt die Tür aufbrechen, um die Schwerkranke zu retten - und verursacht durch diesen "Verrat" den Tod der alten Frau mit. Auch noch Jahre nach ihrem Tod ist die alte Haushälterin, die nur gebraucht wurde, selbst aber niemanden brauchte, im Leben der Erzählerin präsent. Nach und nach gelingt es ihr, das Leben von Emerenc mosaikartig zu einem "schillernden, bestürzenden und ergreifenden Frauenporträt" (Eva Haldimann) zusammenzusetzen, das gleichzeitig autobiographische und zeitgeschichtliche Züge trägt. Die französische Übersetzung des Romans brachte ihr 2003 den international angesehenen Femina-Preis für ausländische Dichtung ein.

Für Elise
2002

Mit der literarischen Autobiographie "Für Elise" unternimmt Magda Szabó dreißig Jahre nach "Ókút" (Alter Brunnen, 1970) wieder den Versuch, einen autobiographischen Roman vorzulegen. Der erste Teil des Romans umfasst die Familiengeschichte von 1917 bis 1939, die unbeschwerte Kindheit in Debrecen, die die Eltern Elek Szabó und Lenke Jablonczay ermöglichen konnten, und die Schulzeit der talentierten und eigensinnigen Magda. Dem Buch wird analytische Kühle und zugleich große Zartheit und Sensibilität vor allem bei der Darstellung der Frauen- und Familienschicksale bescheinigt.

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