Autorenseite

Áron TAMÁSI
( 1897 - 1966 )

» Ábel-Trilogie (1932)
» Eisbrecher Matthias (1935)
» Wiege und Eule (1953)

Biographie

1897 im siebenbürgischen Farkaslaka [Lupeni/Rumänien] geboren
1918 Soldat im Ersten Weltkrieg
1922 Diplom an der Handelshochschule in Kolozsvár [Cluj/Rumänien]
1923 Schiffsreise nach Amerika
1925 sendet seine ersten Publikationen nach Hause, die bald darauf in einem Band veröffentlicht werden
1926 Rückkehr nach Siebenbürgen und Teilnahme an der Arbeit der Verlage Helikon und Erdélyi Szépmíves Céh
1929 Baumgarten-Preis
1945 lässt sich in Budapest nieder
1954 Kossuth-Preis
1966 in Budapest gestorben

Ábel-Trilogie
1932

Tamási schrieb als erstes sein Werk "Ábel in der Wildnis" im Jahr 1932, dies ergänzte er dann zu einer Trilogie: 1933 erschien der Band "Ábel az országban" (Ábel reist durchs Land) und 1934 "Ábel Amerikában" (Ábel in Amerika). Der Protagonist Ábel wird in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der das Szeklerland bereits unter rumänischer Oberhoheit stand, als Jugendlicher von seinem Vater dazu überredet, eine Stellung als Waldhüter anzunehmen. Der Junge willigt ein und bleibt in Gesellschaft eines Hundes, eines Huhns und einer Ziege allein in der Wildnis. Er verkauft Holz, hütet den Wald, kauft sich Bücher und freundet sich mit Ausflüglern an. Die Probleme beginnen, als ein rumänischer Händler mit falschen Papieren Holz stiehlt. Ábel bekommt sowohl mit ihm als auch mit dem Gendarm Surgyelán, der die Aufgabe hat, den Dieb zu stellen, Schwierigkeiten und muss mit aller List versuchen, davonzukommen. Im Winter besucht ihn sein Vater, der ihm vom Tod der Mutter berichtet. An ihrem Grab schwört Ábel, sich auch weiterhin immer auf die Seite der Armen zu stellen. Im zweiten Teil der Trilogie verlässt Ábel den Wald und geht in die Stadt. Als Gehilfe eines Zahnarztes reist er mit ihm durch das Land. Nach allerlei Abenteuern wird er zu einer Hochzeit eingeladen, wo man ihm eine Schiffskarte nach Amerika in die Hand drückt, wohin er dann im dritten Teil reist. Dort, in dieser für ihn wildfremden, modernen Welt, erwarten ihn zahlreiche Erlebnisse, er hat eine Vielzahl von Anstellungen, nirgendwo kann er längere Zeit bleiben, stets ist er rastlos. Doch hört er hier jenen Satz, der für ihn solch große Bedeutung erlangt und den Tamási vielleicht am häufigsten zitiert: "Wir sind auf der Welt, um irgendwo in ihr zu Hause zu sein." Auch Ábel kehrt in seine Heimat zurück und wird Hirte im Hargitha-Gebirge. Die Ábel-Trilogie zeigt eine ganz besondere, von Volksmärchen inspirierte Welt, die Tamási in seiner lyrischen Sprache beschreibt. In der Figur Ábels zeichnet er in gewisser Weise ein Selbstporträt sowie ein idealisiertes Szeklerbild nach. Ebenso idealisiert erscheint das Szeklertum als die Welt des ursprünglichen Ungartums, doch ist das Ziel Tamásis darüber hinaus die Darstellung des allgemein Menschlichen.

Eisbrecher Matthias
1935

"Eisbrecher Matthias" ist der erste Band einer geplanten Trilogie, von der letztendlich zwei Werke verwirklicht wurden, wobei dieses wohl als das erfolgreichere und auch gelungenere bezeichnet werden kann. Die Handlung des Romans verläuft auf zwei Ebenen: Die magisch-fantastische Ebene ist jene des kleinen Geistes, der aus dem himmlischen Reich verbannt und auf die Erde geschickt wurde, um dort seinen Dienst zu leisten. Diese umherirrende Seele lebt in verschiedenen Gestalten - Floh, Spinne, Biene, Storch, Eule, Fuchs und Hund - und steht zwei jungen Szeklern, Mátyás und Márta, zu Diensten. Ihre Welt bildet die zweite Ebene des Romans, die mit zahlreichen Märchenelementen geschilderte Welt des Szekler Dorfes. Die Welt des jungen Paares, das gerade ein Kind erwartet, und jene des Geistes verflechten sich miteinander, Mátyás und Márta leben zwischen dem Einfluss guter und böser Kräfte, inmitten der Kämpfe zwischen Hexen, Geistern und ehrwürdigen, guten Menschen, wobei sie allerlei Abenteuer und lustige Situationen erleben. Somit entsteht die gleichermaßen reale und fantastische Welt des Romans, in dem wir den Weg des kleinen Geistes so lange begleiten, bis er schließlich in Menschengestalt sein Dasein auf der Erde beginnt. An dieser Stelle endet der "Eisbrecher Matthias" und beginnt der neue Roman "Es glänzt ein Stern". Der Held dieses zweiten Bandes ist ein Kind vom Dorf, das ganz große Pläne hegt, nämlich die Erlösung seines Volkes. In diesen beiden Werken erzählt Tamási, indem er die Elemente der Volksmärchen mit der Lehre von der Seelenwanderung, die volkstümliche Glaubenswelt mit wissenschaftlichen Ergebnissen vermengt, was er von der Welt, dem Dasein, vom Leben weiß und dem Leser weitergeben möchte.

Wiege und Eule
1953

Auch seine Autobiografie plante Tamási zunächst als ein dreibändiges Werk, "Wiege und Eule" ist der erste Band dieser geplanten Trilogie. Der Leser wird in das Szeklerland, genauer gesagt, nach Farkaslaka in Siebenbürgen geführt, in den Heimatort des Schriftstellers. Er erfährt vieles über den Ursprung des Szeklertums, über die Legende von der Entstehung des Dorfes und die Vorfahren Tamásis. Mittels der Geschichte seiner eigenen Familie schildert der Autor den mühsamen Alltag der Szekler Menschen, er beschreibt die schwere Arbeit auf den Feldern, während er dem Leser die Traditionen der zeitgenössischen Welt der Szekler vermittelt und ihm auch von ihrer Verschlossenheit erzählt. Tamási schildert seine Zweifel, Ängste und Hoffnungen als Kind, die schweren Momente im Leben seiner Familie und des Dorfes, zugleich aber auch das menschliche Verhalten und die Güte seiner Eltern. Abweichend von seinen bisherigen Romanen stellt der Autor die Szekler Welt hier in realistischer Weise dar, wenngleich seine Erinnerung gewisse Dinge sicherlich auch so verschönert. Obgleich dieser autobiografische Roman ein realistisches Werk ist, bleibt die Sprache ebenso märchenhaft und lyrisch wie in seinen anderen Werken. Somit kann auch dieser Roman Tamásis trotz seiner Sachlichkeit in die Reihe der lyrischen Selbstbekenntnisse eingereiht werden, in seiner Sprache erklingt dieselbe Szekler Gefühlswelt und Stilkunst. Er schreibt von seinem Volk mit derselben Zuneigung wie in den vorangegangenen Romanen. Dieser Band umfasst seine Kindheit bis zum Ende der Grundschule, und man erfährt, dass er allein aufgrund einer Krankheit nicht zu einem Landarbeiter wurde, wie es nach den dörflichen Gepflogenheiten üblich gewesen wäre. Nur durch diese Krankheit gelang es ihm, sich auf die Ebene der städtischen Intelligenz zu erheben, um dann jener Welt, aus der er stammte, mit seinen eigenen Mitteln, das heißt mit den Mitteln der Literatur, zu gedenken.

PDF-Download

Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN